Champions-League-Finale Fans in Jordanien: Erst der Verein, dann die Frau

Bayern-Fans im Nahen Osten: Drei Fans in Amman beim Champions League-Spiel zwischen dem FC Bayern und dem FC Barcelona. Auch das Finale lassen sie sich nicht entgehen. Foto: dpa

Nicht nur in Deutschland warten Bayern-Fans gespannt auf Samstag. Auch im jordanischen Amman drücken arabische Anhänger ihrem Club aus dem fernen München die Daumen. Dort ist manch eingefleischtem Fan der FC Bayern sogar wichtiger als die Ehefrau.

 

Amman - Auch im mehr als 3000 Kilometer entfernten Jordanien fiebern Fans des FC Bayern München dem Champions-League-Finale in London entgegen. In der Hauptstadt Amman haben sich über das größte arabische Internetfußballforum „Koora.com“ Hunderte von Anhängern des deutschen Fußball-Meisters zusammengefunden, um sich über ihren Verein auszutauschen. Seit Wochen bereiten sie sich auf das große Spiel ihrer Lieblinge am Samstag gegen Borussia Dortmund in Wembley vor. Wichtige Partien der Bayern wurden gemeinsam angeschaut, Taktiken analysiert, Wetten abgeschlossen, Familienmitglieder auf das emotionale Trauma einer Wiederholung des Desasters von 2012 präpariert.

Die Liebe zum FC Bayern München und zum deutschen Fußball ist in Jordanien groß. „In meiner Hochzeitsnacht verkündete ich meiner Frau, die Liste meiner Prioritäten sei wie folgt: 'Erst kommt der FC Bayern, dann Deutschland, dann du. Ist das in Ordnung? Wenn nicht, dann bin ich gleich weg'“, erzählt der 38-jährige Ingenieur Mohammed Taher, der unter dem Name Muhandis Bavaria (Bayerischer Ingenieur) als einer der Moderatoren des Koora.com-Forums agiert.

Laut Taher gibt es mindestens 4000 aktive Bayern-Fans in der arabischen Welt, die meisten davon in Jordanien. Viele Fußball-Begeisterte haben sich im Deutschland-Portal Koora Almanya auf Koora.com – wo sich arabische Fans aller deutschen Teams austauschen können – als Anhänger des Rekordmeisters aus München registriert.

Fans wie Mohammed Taher, Ahmed Eid oder Hamzeh Ali berichten, sie seien in den 90ern mit den Größen des deutschen Fußballs aufgewachsen. „Als ich acht Jahre alt war, fing ich an, Bayern-Spiele zu verfolgen – die Mannschaft damals war eine der Besten in der Geschichte des FCB“, sagt Taher. Ihre Helden seien Rummenigge, Klinsmann, Matthäus und Effenberg gewesen, nun stünde Schweinsteiger ganz oben in ihrer Gunst.

Sie sehen sich als die wahren Bayern-Fans: In den 80ern und frühen 90ern wurden viele Bundesligaspiele im lokalen Fernsehen gezeigt. Heute ist das zu teuer geworden, die Spiele anzuschauen. „Ich habe mir jeden Tag die Zeitung gekauft und alle Artikel mit Nachrichten über den FC Bayern oder andere deutsche Mannschaften in ein Album geklebt“, sagt der 26-jährige Ahmend Eid, Oberfeldwebel der jordanischen Luftwaffe.

IT-Programmierer Hamzeh Ali meint, dass der Fußball-Enthusiasmus in Jordanien durch die Medien befeuert wird. Al Jazeera Sport zeigt allerdings hauptsächlich die Spiele der spanischen Primera Division oder der französischen Ligue 1. Das hat laut Ali damit zu tun hat, dass der Präsident des französischen Fußballclubs Paris St. Germain, Qatari Nasser Al-Khelaifi, gleichzeitig Direktor von Al Jazeera Sports ist. „Es gibt viele Real Madrid- und FC Barcelona-Fans in Jordanien, vor allem unter den Jugendlichen – viel mehr als FC Bayern- und Deutschland-Fans“, sagt Ali.

Viele Fans beschreiben voller Bewunderung die Eigenschaften der deutschen Fußballer, die sie zu Mannschaften wie den FC Bayern hingezogen haben. „Ich liebe die Art, wie die deutschen Fußballer spielen: ihre Aggressivität im Spiel, ihr Teamgeist, ihr Durchhaltevermögen“, erzählt Ali. „Die deutschen Spieler nehmen ihren Fußball ernst, sie haben einen starken Kampfgeist“, fügt Eid hinzu.

 

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