Carl-Heinrich von Gablenz Ex-CargoLifter-Gründer: Neustart mit Ballon-Kran

Über 320 Millionen Euro gingen flöten, als Carl-Heinrich von Gablenz’ Cargolifter AG 2002 Insolvenz anmeldete. Doch von Gablenz gibt den Traum, schwere Lasten auf ungewöhnliche Art zu transportieren, nicht auf. Zurzeit arbeitet er in Bitterfeld an Entwicklungen zu einem Ballon-Kransystem. Eine Konstruktion aus Winden, Seilen und einem Ballon soll Dutzende Tonnen Fracht bewegen können. „Rotorblätter für Windkrafträder könnten so mühelos über unwegsames Gelände geflogen werden“, sagt von Gablenz. Kräne würden ersetzbar. Foto: dpa

Nach der Pleite mit einem Riesen-Luftschiff vor zehn Jahren versucht es der ehemalige CargoLifter-Gründer erneut. Tonnenschwere Lasten sollen diesmal mit einem Ballon-Kransystem über unwegsames Gelände manövriert werden. Getestet wird die Technik in Bitterfeld.

Bitterfeld-Wolfen – Der Gründer der ehemaligen CargoLifter AG hält an seinem Traum vom Fliegen fest. „Wir erproben derzeit in Bitterfeld Entwicklungen an einem neuen Ballon-Kransystem“, sagte der Geschäftsführer der neu gegründeten CLifter GmbH, Carl-Heinrich von Gablenz. Statt mit einem Luftschiff will von Gablenz künftig mit einer Technik aus Winden, Seilen und einem Ballon Lasten zum Fliegen bringen. Das Gerät soll mehrere Dutzend Tonnen Fracht transportieren können. „Rotorblätter für Windkrafträder könnten so mühelos über unwegsames Gelände geflogen werden“, sagte von Gablenz. Kräne würden dadurch ersetzbar.

Von Gablenz hatte 1996 die börsennotierte CargoLifter AG gegründet. Diese plante, in einer riesigen Produktionshalle im brandenburgischen Brand ein Luftschiff für bis zu 160 Tonnen Fracht zu bauen. Das Projekt scheiterte jedoch. Die Firma meldete Insolvenz an.

Rund 74 000 Aktionäre verloren damals ihren Einsatz, mehr als 320 Millionen Euro wurden in den Sand gesetzt. Zusätzlich musste das Land Brandenburg etwa 37,4 Millionen Euro Fördermittel, die im Zeitraum von 1998 bis 2001 bewilligt wurden, abschreiben. Heute ist die Produktionshalle ein Tropenspaßbad. „Solche Projekte können nur Erfolg haben, wenn es dafür einen Markt gibt“, sagte ein Sprecher des brandenburgischen Wirtschaftsministeriums.

Aus Sicht des Windenergie-Verbands ist der Einsatz der Technik durchaus wettbewerbsfähig. „Wenn der Transport für die Komponenten einer Windenergieanlage kostengünstiger wäre als mit einem herkömmlichen Kran und technische Herausforderungen gemeistert werden, könnte das Modell am Markt bestehen“, sagte ein Sprecher des Bundesverbands Windenergie in Berlin. Jedoch müsse zuvor getestet werden, wie sicher der Transport von tonnenschweren Lasten in Extremsituationen wie bei starkem Wind sei.

„Nach dem Scheitern der CargoLifter-Idee sind vergleichbare Projekte in Deutschland nicht mehr in Angriff genommen worden“, sagte die Sprecherin des Bundesverbands der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie, Katja Zehe. Statt tonnenschwere Frachten zu hieven, liege der Fokus von Firmen wie der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH & Co. KG heute auf dem Personentransport. Das 1993 in Friedrichshafen gegründete Unternehmen schifft nach eigenen Angaben jedes Jahr bis zu 12 000 Passagiere durch Süddeutschlands Lüfte.

Von Gablenz gibt seine Idee, mit dem Frachttransport Geld zu verdienen, jedoch nicht auf. Nach der Insolvenz wurde 2005 eine neue Gesellschaft gegründet, deren Geschäftsführung die CLifter GmbH besorgt. Heute investiert von Gablenz in Ballons. Der Vorteil: Teuere Produktionshallen wie einst in Brandenburg werden überflüssig. Interessierte Firmen hätten die Tests in Bitterfeld ins Rollen gebracht, sagte von Gablenz ohne Namen zu nennen. Konkrete Aufträge gebe es bislang nicht. Mit einem acht Meter Durchmesser großen Ballon werden zunächst verschiedene Abläufe erprobt. Mehrere Hundert Kilogramm Gewicht könne der mit Wasserstoff befüllte Ballon heben. Bis zu 75 Tonnen Last seien andernorts bereits erfolgreich mit größeren Luftfahrzeugen getestet worden, sagte der Geschäftsführer.

Doch die Herstellungskosten sind immens. Ein Ballon, der fünf Tonnen Gewicht zum Schweben bringt, kostet rund 1,5 Millionen Euro. „Der Markt für das Ballon-Kransystem ist im Norden Kanadas, Russlands oder in Brasilien vorhanden“, glaubt von Gablenz. Der Grund seien fehlende oder unwegsame Straßen. Die Technik könne aber auch für den Bau großer Windräder oder bei Katastrophen zum Einsatz kommen: „Bei Überschwemmungen können Menschen von Dächern geholt werden oder Hilfsgüter in schwer zugängliche Gebiete angeliefert werden.“

Finanziert werden die Übungen in Bitterfeld mit dem Eigenkapital von rund 600 Aktionären. „Davon müssen die Miete für den Platz und die Bereitstellung der Gerätschaften bezahlt werden“, sagte der Vorsitzende des Bitterfelder Vereins für Luftfahrt, Heiner Sittig. Wie hoch die Summe sei, verriet er nicht.

Als Standort für die zeitweiligen Tests scheint Bitterfeld-Wolfen prädestiniert. Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelte sich in der Chemiestadt aufgrund des durch die junge Industrie preiswerten Wasserstoffs ein Zentrum für die Ballon- und Luftschifffahrt. Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieg wurden nach Angaben des Bitterfelder Vereins für Luftfahrt rund 3000 Gasballonfahrten gezählt. Nach dem Krieg belebte man die Tradition wieder. Seitdem wurden unter anderem Gasballonweltmeisterschaften ausgetragen. Bis Herbst sei der Platz für die Tests von CargoLifter gebucht.

 

0 Kommentare