Call a bike, MVG Rad, Donkey Republic Radl-Offensive: Neuer Anbieter für Leih-Räder in München

So sehen die Swapfiets-Räder aus. Foto: Dittrich/dpa

Tausende waren am Sonntag für eine ökologischere Verkehrspolitik auf der Straße. Und es gibt schon wieder einen neuen Anbieter für Leih-Räder: Swapfiets.

 

München - Hollandräder sind schön, robust – und besonders für die Stadt geeignet. In München sieht man sie seit vielen Jahren oft. Und jetzt dürften es bald noch deutlich mehr werden. Denn ein neuer Radlverleih drängt auf den umkämpften Münchner Markt. Swapfiets kommt aus Holland, vermietet Holland-Räder – und hat ein ganz anderes Konzept als die bisherigen Münchner Radl-Verleiher.

Swapfiets: Für 17,50 Euro/Monat kommt auch bei einem Platten ein Helfer

Swapfiets bietet eine Flatrate. Man zahlt also nicht pro Ausleih-Minute oder -Stunde, sondern pro Monat kompakt, in München im ersten Jahr 17,50 Euro, dann 19,50 Euro. Studenten zahlen 15 Euro, zu Semesterbeginn bis zum 19. Mai 13,50 Euro. Dazu werben die Holländer, die vor wenigen Tagen in der Augustenstraße eine Filiale eröffnet haben, mit einem zusätzlichen Service.

"Wenn an deinem Fahrrad etwas kaputt ist, kommen wir bei dir vorbei, um es zu reparieren", heißt es auf der Swapfiets-Website. "Oder wir tauschen es gegen ein funktionierendes Fahrrad aus. Dies ohne zusätzliche Kosten."

Es ist gut möglich, dass das Konzept auch in München funktioniert. In anderen deutschen Städten zumindest sind die Holländer vielversprechend gestartet. Nach eigenen Angaben haben sie schon 10.000 Kunden in 15 deutschen Städten. "Wir wollen den Kunden alle Ärgernisse und Schwierigkeiten abnehmen, die mit dem Besitz eines Rades einhergehen", sagt Mitgründer Richard Burger. "So, dass sie nur noch Vorteile haben." In Holland zumindest hat der gerade einmal 27 Jahre alte Gründer schon so viele Kunden überzeugt, dass das Unternehmen auf dem Heimatmarkt profitabel ist.

Stadt will Chaos wie bei Anbieter Obike vermeiden

In München steht die Stadtverwaltung dem Konzept schon einmal positiv gegenüber – weil kein Chaos wie mit den überall zurückgelassenen Rädern des Anbieters Obike droht, wie es auf AZ-Nachfrage heißt. Die Räder werden – wenn sie nicht vermietet sind – schließlich nicht im öffentlichen Raum abgestellt, sondern bei Swapfiets selbst.

Unterdessen sind am Sonntag laut Polizei mehr als 10.000 Münchner für eine bessere Radlpolitik auf die Straße gerollt, die Veranstalter sprechen von 15.000. Mit einer Sternfahrt zum Königsplatz demonstrierten sie für die Forderungen des Bürgerbegehrens Radentscheid, mit dem die Stadt etwa zum Bau breiterer Radwege gezwungen werden soll – und zu einem Altstadt-Radring. Zuvor hatten sich die Demonstranten unter anderem in Nymphenburg getroffen.


Weitere Anbieter von Leih-Rädern in München

Call a bike

Die Deutsche Bahn (DB) hat viele Leihräder in München, ist aber weit vom Marktführer entfernt. Mit dem "Call a bike"-Angebot sind es aktuell nach DB-Angaben 1500. Zum Vergleich: MVG Rad hat in Stadt und Landkreis insgesamt 3750. Ein Bahn-Sprecher sagte der AZ, man freue sich, dass sowohl "die Zahl der Räder als auch der Nutzer in den letzten Jahren kontinuierlich zugenommen hat".

So funktioniert das Ausleihen bei Call a bike: Der Kunde meldet sich online per App an. Vor Ort wählt er mit dem Handy die auf dem Rad angegebene Nummer und erhält für das Rad einen Öffnungscode. "Sie können sofort auf alle verfügbaren Räder in der Innenstadt zugreifen und sind günstig für 1 Euro je angefangener halber Stunde unterwegs", wirbt die Bahn. Für 15 Euro/24 Stunden hat sie einen Tagespass im Angebot, der sich gezielt an Touristen wenden soll, die die Stadt auf dem Radl erkunden wollen.

MVG Rad

Das Leihsystem der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) wird weiter ausgebaut – aktuell vor allem im Landkreis München. 80 Stationen gibt es dort aktuell – bis Mitte des Jahres sollen es 161 sein.

Im Stadtgebiet gibt es derzeit 125 MVG-Radstationen, weitere sind geplant, wie die MVG betont. Ein Konzept dafür werde derzeit erarbeitet. Klar ist schon: MVG Rad soll stärker in die Randgebiete der Stadt kommen.

Dabei hat MVG Rad schon heute sehr hohe Nutzerzahlen. Seit dem Start des Angebots im Herbst 2015 haben sich 115.231 Nutzer dafür registriert. 2018 gab es laut MVG 440,000 Ausleihen.

Auch bei der MVG gibt es ein Radl-Abo, allerdings darf man das Rad dann nicht unbegrenzt nutzen. So kostet ein Jahrespaket 48 Euro, ab der 31. Minute am Tag kostet aber jede Minute 5 Cent Gebühr. Die neue Konkurrenz sieht man demonstrativ entspannt. "Mit Mitbewerbern haben wir kein Problem", sagte ein Sprecher. "Das sehen wir sportlich."

Donkey Republic

Die Dänen von Donkey Republic wollen mit ihren Fahrrädern die Welt erobern. In vielen europäischen Städten gibt’s die orangenen Radl schon und auch in München stehen aktuell 540 innenstadtnah zum Verleih. Das Unternehmen plant, die Flotte heuer auf 700 Münchner Radl aufzustocken.

Wer die App auf seinem Handy installiert hat, sucht damit eine der festen Fahrradstation und kann für sich und seine Freunde bis zu fünf Radl gleichzeitig ausleihen: Eine Stunde kostet 4 Euro, drei Tage 33 Euro.

Im März haben 600 Menschen das Angebot in München genutzt, das ist eine Verdoppelung zum Februar, hängt aber auch mit dem Wetter zusammen.

Wer die App einmal auf dem Handy hat, kann Barcelona, Plymouth oder eben München nach ein paar Klicks mit dem Radl erkunden.

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