BVB-Trainer Klopp teilt aus FC Bayern: Verbale Kloppe für Sammer

Dortmunds Trainer Jürgen Klopp über Bayerns Sportvorstand Matthias Sammer: "Ich würde an seiner Stelle jeden Tag Gott danken, dass jemand auf die Idee gekommen ist, mich dazu zu nehmen." Die Hintergründe der Verbalohrfeige.

 

Dortmund - Es sind Sätze, die tief blicken lassen. Sätze, die zeigen, wie hart Jürgen Klopp austeilen kann, wenn er sich provoziert fühlt. Und Sätze, die zeigen, was der Trainer von Borussia Dortmund tatsächlich vom Sportvorstand des FC Bayern hält: nichts.

"An Matthias Sammers Stelle würde ich jeden Morgen, wenn ich das Münchner Trainingsgelände betrete, Gott danken, dass jemand auf die Idee gekommen ist, mich dazu zu nehmen", sagt er. Harter Tobak. Und eine Watschn für den Mann, der im Juli 2012 zum FC Bayern kam, im vergangenen Jahr das Triple abräumte.

Übersetzt bedeuten Klopps Aussagen: Sammer hat mit dem Erfolg aber mal gar nichts zu tun! Klopp: "Ich glaube nicht, dass der FC Bayern einen Punkt weniger hätte, wenn Matthias Sammer nicht da wäre – oder gibt er Pep (Trainer Guardiola, d. Red.) Tipps wie man gut trainiert?" Und zack.

Noch eine Ohrfeige von dem Mann, der mit seinen Dortmundern aktuell 20 Punkte hinter Bayern liegt. Und genau da haben die verbalen Tiefschläge ihren Ursprung. Seit Wochen dieselbe Debatte: sorgen die Bayern mit ihrer Dominanz für zu große Langeweile, machen sie so gar die Bundesliga kaputt?

Nicht unser Problem, so die Antwort aus dem Süden, zuletzt vom Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenige. "Wir werden uns bestimmt nicht dafür entschuldigen", sagte der. Tenor: Wir sind nicht zu gut – die anderen nur zu schlecht.

Am Donnerstag legte Sammer nun nach, sagte bei "Sport1": "Vielleicht sind wir von der Qualität, aber auch von der Mentalität her, im Moment anderen überlegen. Und vielleicht ist das die Message nach draußen: Wird denn woanders auch jeden Tag akribisch trainiert, als würde es kein Morgen geben? Das tägliche Training, die tägliche Ansprache ist das Produkt einer Entwicklung. Und die hat der eine oder andere Klub in Deutschland nicht."

Klopp fühlte sich offenbar angesprochen. Er meint: "Ich wollte dazu gar nichts sagen, aber man kann sich ja auch nicht alles gefallen lassen!" Und kontert Sammer süffisant: "Wir werden jetzt trainieren, als gäbe es kein Morgen mehr, vielleicht holen wir dann mehr Punkte..."

Wer Klopp kennt, weiß, dass ihn nichts wütender macht als der Vorwurf, zu wenig oder zu lasch zu arbeiten. Er war es, der das Credo ausgegeben hatte: "Wir müssen mehr tun als andere – in allen Bereichen. Ein gutes Pferd springt nicht so hoch wie es muss. Ein gutes Pferd springt verdammt noch mal so hoch wie es kann!"

Sammers Sätze müssen angekommen sein wie der reinste Hohn. Der BVB und Sammer – nicht das erste Mal, dass es zwischen den beiden Seiten knallt. Dortmund-Boss Hans-Joachim Watzke, nicht gerade bekannt dafür, mit forschen Sprüchen hinter dem Berg zu halten, hatte Mitte der Woche in "Sport Bild" gestichelt: "Ich habe weder vor Matthias Sammer noch vor irgendwem sonst Angst. Wir hatten früher mal ein ordentliches Verhältnis, das in der Tat etwas abgekühlt ist."

Zuvor hatte Watzke den Bayern ja schon unterstellt, die Dortmunder "zerstören" zu wollen. Sammer dagegen betonte zuletzt, dass es auch nach dem Abwerben der BVB-Stars Mario Götze und Robert Lewandowski kein Angebotsstopp für Dortmunder Spieler gäbe: "Es gibt keine Tabus!"

Das nehmen sie ihm übel – ihm , der von 1993 bis 1998 selbst beim BVB spielte. Sammer wurde zweimal Deutscher Meister und gewann 1997 die Champions League. Später übernahm er den Verein von 2000 bis 2004 als Trainer, wurde 2002 erneut Deutscher Meister. Damals feierten sie ihn, die Dortmunder. Doch von den Sympathien vergangener Tage ist nicht mehr viel übrig geblieben.

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