Die Tragödie von Trudering Busunglück vor 25 Jahren: "So was vergisst man nicht"

Der Truderinger Krater nach dem Unglück vor 25 Jahren: Der Unfallbus der Linie 192 ragt aus dem gewaltigen Loch voll Wasser und Kies. Foto: Frank Mächler/dpa

Heute vor 25 Jahren stürzte ein MVG-Bus in einen Krater. In der AZ erinnert sich ein BRKler, der damals bei dem Unglück dabei war.

 

Trudering - "Als wir ankamen, haben wir nur ein Drittel von dem Bus aus dem Boden ragen sehen. Die Leute im Bus haben geschrien, um Hilfe gerufen." So erinnert sich Kurt Hammers an die Ereignisse des 20. September 1994.

Als damals am Truderinger Bahnhof die Erde aufbrach und ein voll besetzter Linienbus in den Krater rutschte, war Hammers mit einem BRK-Team einer der ersten am Unglücksort, noch vor der Feuerwehr. Drei Menschen starben bei dem Unglück, 36 wurden teils schwer verletzt.

Bus-Unglück: Bauarbeiter halfen den Passagieren

Um 18.30 Uhr schien die Welt noch in Ordnung vor dem Truderinger Bahnhof, um 18.46 Uhr war nichts mehr wie zuvor. Urplötzlich brach die Fahrbahndecke der Truderinger Straße ein, ein riesiger Krater tat sich auf. Der Linienbus 192, der an der Ampel auf Grünlicht gewartet hatte, versank in der Erde.

In die U-Bahnbaustelle im Untergrund waren plötzlich Wasser und Kies geströmt, Bauarbeiter versuchten noch, den Fahrer zu warnen. Das kostete einen Arbeiter das Leben. Er wurde mit dem Heck des Busses in die Tiefe gerissen.

"Bauarbeiter haben schon geholfen, als wir ankamen", erinnert sich auch Hammers. "Die haben mit einem Bagger versucht, den Bus zu sichern. Wir mussten weiter weg parken, denn das Loch im Boden wurde größer. Keiner wusste, ob der Bus noch weiter rutscht."

Dramatische Szenen: Rettung der Fahrgäste

Mehr Glück als der Arbeiter hatten die meisten Passagiere und der Busfahrer, ihnen gelang es, über die Sitzlehnen des schräg im Krater hängenden Busses ins Freie zu klettern. Teils stiegen die Menschen aus dem vorderen rechten Seitenfenster, teils wurden sie von den schnell eingetroffenen Feuerwehrleuten befreit. "Als die Menschen aus dem Bus stiegen, waren sie relativ ruhig", sagt Hammers, aber ganz sicher ist er sich nicht mehr. "Man ist da sehr fokussiert in so einer Situation."

Mit Stahltrossen versuchten die Rettungskräfte, den ständig weiter abrutschenden Bus zu fixieren. Dramatische Szenen spielten sich ab, die verletzten und geschockten Opfer wurden auf der Grünfläche an der Elritzenstraße versorgt. "Da lagen und saßen Verletzte", erinnert sich Kurt Hammers vom BRK. Ein Bub sprang aus dem Busfenster und lief weg, ein Jugendlicher mit stark blutender Kopfplatzwunde wollte einfach nur seine Eltern anrufen. Anwohner ließen die Opfer in ihren Wohnungen telefonieren, brachten Decken und Getränke.

Inzwischen hatte sich ein riesiger Hohlraum unter dem Asphalt westlich der Einsturzstelle gebildet. Ein Polizeiauto fuhr genau darauf zu. Zum Glück reagierten die Beamten rechtzeitig auf die warnenden Gesten der Einsatzkräfte östlich des Kraters und legten den Rückwärtsgang ein.

Todeskrater: Drei Menschen starben bei dem Unglück

Keine Hilfe gab es für eine 43-jährige Grafikerin und einen 27-jährigen Volkswirt, die sich hinten im Bus befunden hatten. Sie ertranken im Wasser, das in den Bus eindrang. Taucher suchten später nach den Opfern und konnten nur die leblose Grafikerin bergen. Der Volkswirt und der 29-jährige Bauarbeiter wurden erst acht Monate später gefunden. Ehe man weiter nach ihnen suchen konnte, musste der Krater mit Beton stabilisiert werden.

Aufgetan hatte sich der Todeskrater vor dem Bahnhof, weil sich in der wasserundurchlässigen Mergelschicht oberhalb der Tunnelbaustelle Haarrisse befanden.

Durch diese strömte das darüber liegende Grundwasser in die Röhre, riss Sand und Kies mit – ein Krater bildete sich unter dem Asphalt. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen gegen drei Bauleiter und drei Poliere auf.

Nach viereinhalb Jahren wurden die Akten geschlossen, Gutachter hatten die Beschuldigten entlastet. Auch mit den Probebohrungen, die man vor Beginn der Bauarbeiten durchgeführt hatte, hätte man die senkrecht verlaufenden Sandrisse nur zufällig entdecken können, hieß es.

Gedenkstein an die Tragödie: "So was vergisst man nicht."

Die U2 nach Riem, die zur Eröffnung der Neuen Messe im Jahr 1998 hätte fertig sein sollen, konnte erst im Mai 1999 an den Start gehen, die Kosten für die Strecke schossen steil in die Höhe. 1999 wurde vor dem Bahnhof ein Gedenkstein aufgestellt, der an die schrecklichen Ereignisse vor einem Vierteljahrhundert erinnert.

Betroffenen und Einsatzkräften wird das Unglück ohnehin im Gedächtnis bleiben. Nein, verfolgen würde ihn das Erlebte zwar nicht, sagt Kurt Hammers, der heute Bereichsleiter beim BRK in München und nicht mehr mit dem Rettungswagen unterwegs ist: "Man muss damit abschließen, ich hab’ selbst damit abgeschlossen."

Andererseits, sagt er rückblickend: "Ich hab einige größere Einsätze gehabt, aber so was, mit einem Bus, der aus einem Krater im Boden ragt, so was hat man selten. Das bleibt im Gedächtnis. So was vergisst man nicht."

 

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