Busunglück mit 30 verletzten Kindern Freising: War der Busfahrer einfach zu schnell?

W§ar technisch gesehen in Ordnung: Der Unglücks-Bus von der A92 bei Neufahrn. Foto: dpa

Das Unglücksfahrzeug war zwar nicht mehr ganz taufrisch, aber technisch in Ordnung. Was Experten sagen.

 

MÜNCHEN/LANDSHUT Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren. Wie konnte es zu dem schweren Bus-Unglück in der Nähe des Münchner Flughafens kommen? Gutachter haben das Fahrzeug untersucht. Und festgestellt: Reifen und Bremsen waren in Ordnung. Deshalb gibt es für Experten nur eine logische Erklärung für den Unfall: nicht angepasste Geschwindigkeit.

Wie kam es zu dem Unfall?

Es schüttet in Strömen, es hagelt wie verrückt. Der betagte Setra-Bus aus dem Kreis Dachau fährt auf der A92 in eine regelrechte Unwetterwalze. Plötzlich gerät das tonnenschwere Gefährt ins Schleudern, bleibt auf der Seite liegen. 33 Insassen, darunter 30 Kinder, werden zum Teil schwer verletzt.

Wie reagierten die Behörden? Die Staatsanwaltschaft Landshut schickt sofort zwei Gutachter an den Unfallort. Ihre erste Analyse: Am Fahrzeug gab es keine Mängel. Reifen und Bremsen waren in Ordnung, so ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Er geht davon aus, dass der plötzlich einsetzende Starkregen und Hagel die Unfallursache waren. Anders ausgedrückt: Entweder hat der Fahrer (63) die gefährlichen Bedingungen nicht schnell genug erkannt. Oder er ist schlicht zu schnell gefahren.

Wie wird „nicht angepasste Geschwindigkeit” definiert? In § 3 Absatz 1 Straßenverkehrsordnung heißt es dazu: „Der Fahrzeugführer darf nur so schnell fahren, daß er sein Fahrzeug ständig beherrscht. Er hat seine Geschwindigkeit insbesondere den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie seinen persönlichen Fähigkeiten und den Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen.” Der Strafrahmen: Geldstrafe und drei Punkte.

Wie schwierig ist es, einen ausbrechenden Bus wieder in Griff zu bekommen? Neuere Busse haben einen oft lebensrettenden Helfer an Bord: Das Elektronische Stabilitätsprogramm (ESP), das das Fahrzeug durch gezielte Bremseingriffe wieder in einen stabilen Zustand bringen kann. Hat sich ein Bus ohne ESP aufgeschaukelt, wird es für den Fahrer extrem schwierig. Markus Lerf vom ADAC-Fahrsicherheitszentrum Kempten geht bei seinen Bus-Kursen immer wieder über den Grenzbereich: „Da gibt es nur einen sehr schmalen Handlungsspielraum.”

Was kann der Fahrer in dieser Situation falsch machen? Jürgen Bente, Bus-Experte beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat in einem Interview: „Der Schwerpunkt eines Busses liegt sehr hoch, sodass er leicht kippen kann. Wenn der Fahrer überreagiert und hektisch wird, dann kann es kritisch werden.”

Wie sicher ist Busreisen? Laut Statistik gibt es keine sicherere Reisemöglichkeit als mit Reise- oder Linienbussen.

Wie werden die Fahrzeuge überwacht? Busse müssen jährlich zur Hauptuntersuchung und alle drei Monate zu Zwischenprüfungen.
Welche Kontrollen gibt es für die Busfahrer? Neben der anspruchsvollen Führerscheinprüfung müssen sie „alle fünf Jahre fünf Weiterbildungstage absolvieren”, so ADAC-Mann Lerf. Außerdem müssen sie sich alle fünf Jahre einem ärztlichen und psychologischen Test unterziehen.

Wie können sich Fahrgäste schon vor Fahrtantritt über den Zustand des Busses und die Eignung des Fahrers informieren? Auf www.sicherheit-im-reisebus.de gibt es eine Checkliste. Darin gibt’s unter anderem diese Tipps: „Informieren Sie sich bei längeren Reisezeiten, ob für die Fahrt ein zweiter Fahrer notwendig ist. Sie können vor dem Einsteigen am Bus prüfen, ob gültige Plaketten der Hauptuntersuchung sowie der Sicherheitsprüfung angebracht sind. Welche Qualifikationen besitzen die Busfahrer?

 

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