Bunt wie das Leben selbst Das Montagskonzert der Bayerischen Staatsoper

Bass-Bariton Milan Siljanov und Pianistin Nino Chokhonelidze beim Montagskonzert – natürlich vor leeren Rängen. Foto: Wilfried Hösl

Das Montagskonzert der Bayerischen Staatsoper als Live-Stream im Internet.

 

Eine Opernaufführung besteht nicht nur aus Hauptrollen. Als Rezensent bedauert man oft, für die kleineren Parts in einer Kritik keinen Platz zu haben, zumal sie meist von interessanten Sängern gestaltet werden, die am Beginn ihrer Karriere stehen. Schön, dass im Montagskonzert einmal fünf dieser jungen Talente, allesamt Ensemblemitglieder der Bayerischen Staatsoper, Gelegenheit bekommen zu zeigen, was sie können. Jeder stammt aus einem anderen Land und präsentiert sozusagen Klänge seiner Heimat.

Und die tönen höchst unterschiedlich. Fangen wir in der Tiefe an. Der rumänische Bassist Bálint Szabó hat ein für sein Stimmfach verhältnismäßig filigranes Organ, das er in den elegischen Liedern seines 1968 verstorbenen Landsmannes und Sängerkollegen Nicolae Bretan zudem in einem selten feinen Piano einsetzt. Ähnlich zurückhaltend verhält sich der Amerikaner Sean Michael Plumb in der Kammerkantate "Dover Bach" von Samuel Barber; sein klarer Bariton hat aber einen stabileren Kern. Wie ein singender Dirigent steht Plumb vor dem begleitenden Rheingold-Quartett, das aus Streichern des Bayerischen Staatsorchesters gebildet wird, und verschmilzt mit ihm zu einer echten Einheit. Auch die beiden Tenöre könnten nicht stärker kontrastieren.

Kunstvolle Bearbeitungen 

Der Ire Dean Power singt mit lyrischer Stimme hübsche romantische Lieder aus seinem Mutterland. Während seine Innigkeit an einen Hausmusikabend erinnert, was zu dem Repertoire gut passt, strahlt der Mexikaner Galeano Salas beim Vortrag lateinamerikanischer Popularlieder temperamentvoll nach außen. Keiner seiner Kollegen aber übertrifft Milan Siljanov an Intensität. Der ARD-Musikpreisträger mit dem voluminösen Bassbariton legt zwei "Jedermann"-Monologe von Frank Martin und kunstvolle Bearbeitungen mazedonischer Volkslieder von Darija Andovska opernhaft an, auch mimisch, wenn er etwa die Augen verzweifelt aufreißt.

Phänomenal hier auch die geistesgegenwärtige Begleitung durch die Pianistin Nino Chokhonelidze: Das ist, mit einem Wort, Herzensmusik. Das übrige Programm dieses mittlerweile zehnten Montagskonzerts ist wieder bunt wie das Leben selbst. In zwei Choreographien von Wayne McGregor aus den Balletten "Kairos" und "Borderlands" umkreisen sich die Solisten des Bayerischen Staatsballetts in vielfältigsten, heutig anmutenden Bewegungen – weitaus phantasievoller als die akustischen Kulissen, bloße Soundtracks, zu deren leeren Pop-Formeln sich keine gestischen Entsprechungen herstellen können.

Es kocht und brodelt in der Staatsoper 

Was Musik wirklich kann, demonstrieren dann fünf Schlagzeuger des Bayerischen Staatsorchesters in einem kurz vorher produzierten Video: Sie bringen auf Vibraphonen, Marimbas und Pauken die Ouvertüre zur "Zauberflöte" von Wolfgang Amadeus Mozart zum Klingeln, Schimmern und Glitzern, sodass der Komponist mit seiner verspielten Ader seine Freude daran gehabt hätte. Und bei dem explosiven Arrangement des Jazz-Standards "A Night in Tunisia" von Dizzy Gillespie meint man zu spüren, wie es kocht und brodelt in der Staatsoper – obwohl diese, wohlgemerkt, nach wie vor menschenleer ist.


Den Mitschnitt des letzten Abends und den Livestream des nächsten Konzerts am 15. Juni um 20.15 Uhr kann man auf www.staatsoper.tv ansehen. Außerdem ruft die Staatsoper zu Spenden auf, um freie Künstler in der Krise zu unterstützen (Bankverbindung auf www.staatsoper.de/news/spendenaufruf-corona.html).

 

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