Ablenkung am Automaten Millionen-Clan zockt Münchner Rentner ab

Dieses Aufnahme einer Überwachungskamera zeigt zwei der Gauner, wie sie in einer Bank einen Rentner ausplündern. Foto: Polizei

Die Polizei warnt vor einer neuen Betrugsmasche. Die Gauner lauern den Opfern an Geldautomaten auf, knöpfen ihnen unbemerkt EC-Karte und PIN ab. Der Schaden beläuft sich auf über 150 000 Euro

 

München - Die Täter können an den Bewegungen der Finger abschätzen, welche PIN die Opfer eingeben. Der Rest ist für sie ein Kinderspiel. Einige Rentner haben innerhalb von Minuten 10 000 Euro verloren.

Sie lauern oft zu zweit in Fouriers von Banken oder Sparkassen. Abgesehen haben es die Gauner nur auf ältere Menschen, Rentner vor allen Dingen. Sobald sie ihre EC-Karte in den Automaten gesteckt haben, legen sie los. Einer schleicht sich in den Rücken des Opfers, versucht unauffällig die PIN auszuspähen. „Sie können bereits an der Handbewegung erkennen, welche Ziffern eingetippt werden. Das erfordert jahrelanges Training“, erklärt Kriminalhauptkommissar Guntram Schmidt.

Der zweite Gauner mimt einen Touristen, der helfen will, oder angeblich selbst Hilfe braucht. Er behauptet, der Geldautomat sei defekt. Er redet unablässig auf das Opfer ein, versuchte die Person abzulenken, zu verwirren. „Dabei wird auf die alten Leute ein unglaublicher psychologischer Druck ausgeübt“, sagt Guntram schmidt.

Manchmal drohen die Täter auch. Ein Direktor einer großen Münchner Firma berichtet im Anschluss bei der Polizei, er sei froh gewesen, lebend aus der Bank zu kommen.

Die Täter plündern blitzschnell Konten bis auf den letzten Cent

Doch meist kommen die Gauner mit Ablenkung ans Ziel. Er deckt mit einer Hand das Sichtfeld des Geldautomaten ab, drückt unauffällig auf die Taste „Abbruch“ und wartet bis die Karte ausgespuckt wird. Dier Senioren sind meist so irritiert, dass sie davon nichts mitbekommen. Die Täter behaupten einfach, der Automat habe die Karte eingezogen.

Tatsächlich gehen die Gauner einen Automat weiter, stecken die Karte erneut ein, tippen den PIN ein und räumen das Konto leer, noch während die Opfer ahnungslos danebenstehen. Ein Rentner aus München verlor so 10 000 Euro.

Manchmal sprechen die Gauner Senioren auch auf der Straße an. Sie bitten sie, in die Bank mitzukommen. Sie seien Touristen und würden sich mit den Geldautomaten nicht auskennen. Ein Müncher half den vermeintlichen Urlaubern, erklärte ihnen alles und hatte am Ende 9000 Euro weniger auf dem Konto.

Die Banken argumentieren oft, die Rentner hätten grobfahrlässig gehandelt, um den Schaden nicht übernehmen zu müssen. Etliche Opfer haben dagegen vor Gericht geklagt und am Ende tasächlich Recht bekommen. Guntram Schmidt: „Die Täter sind ausgebuffte Profis, gegen die haben die meisten Leute keine Chance.“

Die Täter gehören einem großen Familienclan an, der in Marseille und London lebt. Die Bosse scheffeln Millionen, leben in Saus und Braus.

Bis zu 100 Trickbetrüger sind vermutlich noch in Europa unterwegs. In München, Hamburg und Berlin schlugen sie bisher zu. 120 Fälle sind es bundesweit seit letzten Dezember. 30 alleine in München. Gesamtschaden: mindestens 150 000 Euro.

Dank der Müncher Kripo wurden zehn Täter gefasst, zwei Brüder in Berlin. Ihre Mutter und die Schwester, als sie die Brüder in der U-Haft besuchen wollten. Der Hauptverdächtige wurde am Montag in einem Stadtteil von Marseille gefasst, als er zum Flughafen wollte.

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