Bundestrainer Fleming im AZ-Interview "Der FC Bayern ist ein Traum für jeden Trainer"

AZ-InterviewmitChris FlemingChris Flemming ist seit 2014 Basketball-Nationaltrainer und steht seit einem Jahr auch noch als Assistenzcoach bei den Denver Nuggets unter Vertrag. Foto: dpa

Nationalcoach Chris Fleming spricht im AZ-Interview über das Halbfinalduell des FC Bayern Basketball mit Bamberg und die offene Zukunft von Coach Svetislav Pesic.

 

AZ: Herr Fleming, warum musste sich der FC Bayern in Spiel zwei der Halbfinalserie gegen Bamberg nach langer Führung dennoch mit 76:90 geschlagen geben?

CHRIS FLEMING: In der zweiten Halbzeit hat Bamberg einfach besser gespielt. Ein sehr ähnliches Spiel hatten wir am Ende der regulären Saison ja schon einmal. Da hatten die Bayern das Spiel noch länger in der Hand, bevor Bamberg dann noch mit 97:90 in der Overtime in München gewann. In den Playoffs ist es gut zu wissen: „Ok, so eine Aufgabe haben wir schon einmal gemeistert.“

Sind Sie überrascht, wie sehr Bamberg die Serie dominiert?

Eigentlich nicht. Bamberg hat das ja schon über die Saison hinweg getan. Schon seit Weihnachten hat keine andere Mannschaft mehr ernsthaft um den ersten Platz gespielt. Bamberg ist sehr kompakt geblieben, während andere Mannschaften Probleme hatten, inklusive Bayern.

Vor Spiel drei am Sonntag (19.30 Uhr, Sport1) heißt es für Bayern: „Do or Die“. Können sie noch zurückschlagen?

Wenn es ein Team schaffen kann, dann die Bayern. Svetislav (Coach Pesic; d. Red.) hat sehr viel Erfahrung und Spieler, die das definitiv packen können. Andererseits: Wenn du als Spieler in Spiel drei reingehst und 0:2 hinten liegst, schaust du den Berg hoch. Wir Trainer sprechen immer davon, dass wir von Spiel zu Spiel denken. Jeder weiß jetzt aber, dass es drei Spiele in Folge sind, die du gewinnen musst. Das ist schon eine Aufgabe, insbesondere gegen eine Mannschaft, die bisher die Bayern unter Kontrolle hatte – nicht nur in dieser Serie, sondern auch in der gesamten Saison. Es würde mich nicht überraschen, wenn Bayern ein Spiel gewinnen würde. Aber ich glaube, dass die Bamberger die Serie für sich entscheiden werden.

Sehen Sie aktuell bei den Brose Baskets Parallelen zu Ihrer Zeit als Coach in Bamberg? Sie haben damals über mehrere Jahre dominiert und viele Titel gewonnen.

Bamberg ist noch nicht durch. Aber wenn ich wetten müsste, würde ich sagen: Sie haben auch in dieser Saison eine gute Chance, wieder den Titel zu gewinnen. Und dann ist es immer dieser Kampf, die Spieler zu halten, auf die du in den Jahren davor gebaut hast. Das ist der Schlüssel, wenn du über einen längeren Zeitraum Erfolg haben willst.

Wie beurteilen Sie als Nationaltrainer die Entwicklung der jungen deutschen Spieler des FC Bayern?

Paul Zipser hat zuletzt immer mehr und immer besser gespielt. Und Maxi Kleber hat sich in der Schlussphase der Saison und in den Playoffs sehr, sehr teuer verkauft – nach einer langen Verletzungsphase. Ich habe bei einigen Spielen gedacht, dass er im Moment vielleicht der beste Spieler in Deutschland ist. Er kann das Spiel auf verschiedene Art und Weise prägen. Insgesamt ist es eine gute Entwicklung für den deutschen Basketball, dass unsere wichtigsten Spieler so weit in den Playoffs kommen und entscheidende Rollen spielen. Auch Bambergs Daniel Theis tut das zum Beispiel. Er ist ein sehr guter und variabler Spieler, der auch eine gewisse Härte mitbringt, die sehr wichtig fürs Nationalteam sein kann.

Auch der 31 Jahre alte Anton Gavel scheint seine Form wieder gefunden zu haben.

Wenn Bayern sich noch in diese Serie zurückkämpfen möchte, dann wird Anton dabei eine Rolle spielen müssen. Er hat schon ein paar Titel gewonnen und enge Situationen erlebt, die er gemeistert hat.

Svetislav Pesic hat vor den Playoffs angekündigt, dass er sich „zu 99 Prozent“ danach vom FC Bayern und der BBL verabschieden werde. Das Spiel am Sonntag könnte also sein letztes sein. Wird er sich tatsächlich so verabschieden?

So wie ich ihn kenne, glaube ich das nicht. Er ist ein erstklassiger Trainer, der über Jahre hinweg alles geleistet hat, was man leisten kann. Ich glaube, dass er einen Weg finden würde, Bayern zurück an die Spitze zu führen. Ich wäre überrascht, wenn er wirklich aufhören würde.

Was würden die Bayern und die BBL verlieren, wenn er doch gehen sollte?

Svetislav steckt mitten in den Playoffs. Da wäre es' unwürdig und respektlos, über seinen Abschied zu sprechen. Er hat es verdient, die Saison jetzt gut und in Ruhe zu Ende zu spielen.

Ihr Name wurde auch schon genannt, als es darum ging, wen der FC Bayern als möglichen Nachfolger verpflichten könnte. Wie finden sie das?

Es ist eine große Ehre für mich, dass mein Name mit Bayern in Verbindung gebracht wird. Das ist ein Traum für jeden Trainer. Ich bin in der nächsten Saison aber woanders unter Vertrag und werde den auch definitiv erfüllen.

 

0 Kommentare