Bürgerinteresse abgewatscht? CSU-Ohrfeige für Naturschutzgebiet

Die Schafherde auf der Fröttmaninger Heide - nicht mehr lange? Foto: H. Sedlmeier/LBV

Naturschutzverbände sind entsetzt über den Antrag der CSU: Statt zu einem Naturschutzgebiet soll die Fröttmaninger Heide zur normalen Grünanlage werden.

Schwabing - Die beiden Naturschutzverbände Landesbund für Vogelschutz (LBV) und Bund Naturschutz (BN) unterstützen das geplante Zonenkonzept für das neue Naturschutzgebiet Fröttmaninger Heide. Die Verbände sind entsetzt über den Antrag der CSU, große Teile in eine normale Grünanlage umwandeln und bedrohte Tiere umsiedeln zu wollen.

Die Landeshauptstadt München soll ein neues Naturschutzgebiet bekommen: die Fröttmaninger Heide. Die Zahl der Schutzgebiete würde damit auf vier steigen, die geschützte Fläche aller Münchner Schutzgebiete auf lediglich zwei Prozent der Stadtfläche. Um die Bevölkerung am Werden des Schutzgebietes zu beteiligen und zugleich die biologische Vielfalt zu erhalten, hat die Regierung von Oberbayern ein zweijähriges Bürgerbeteiligungsverfahren durchgeführt. Fachlich wurde das Verfahren begleitet durch Studien renommierter Biologen und Landschaftsplaner, die Tier- und Pflanzenwelt sowie die Erholungsfunktion der Heide untersucht haben.

Diese intensive Form der Beteiligung der Bürgerschaft an einem Schutzgebietsverfahren ist bayernweit einmalig und vorbildlich. Selten diskutierten unterschiedlichste Interessengruppen so konstruktiv und konsequent, bis endlich ein allseits akzeptierter Kompromiss erreicht wurde – zum Wohle der Natur und der Erholungssuchenden. Weil die Fröttmaninger Heide das letzte Refugium hoch bedrohter, störanfälliger Tierarten wie Heidelerche, Wendehals, Laubfrosch und Wechselkröte ist, war auch ein zeitlich und räumlich geordnetes Wegegebot Teil des Kompromisses.

Diese intensive Bürgerbeteiligung ist nun von drei Stadträten der CSU, Dr. Evelyne Menges, Richard Quaas, Thomas Schmid, öffentlich abgewatscht worden. In einem Antrag an Oberbürgermeister Reiter vom 9.7.2015 wird gefordert, große Teile der Heide in eine gewöhnliche Grünanlage umzuwandeln, in der die Rücksichtnahme auf den besonderen Schutzzweck ausgehebelt ist. Auch Kommerzzwecken soll Vorrang vor dem Naturschutz und der ruhigen Erholung eingeräumt werden. Es wird sogar ein Parkplatz für professionelle Gassigeher vorgeschlagen, damit diese das geplante Schutzgebiet besser für ihre Zwecke nutzen können. Im Gegenzug sollen die bedrohten Tierarten aus der Hunde-Auslaufzone „umgesiedelt“ werden.

Es wird so der fatale Eindruck vermittelt, dass der kurze Draht einzelner Interessensgruppen zum örtlichen Stadtrat Erfolg versprechender ist als die gemeinschaftliche Beteiligung an einem Diskussionsprozess aller Nutzergruppen. Dr. Irene Frey-Mann, LBV-Vorsitzende in München, ist empört: „In dem Schutzgebietsverfahren haben alle Zugeständnisse gemacht, damit ein guter Kompromiss gefunden wird und die Fröttmaninger Heide für die Zukunft bleiben kann, was sie ist: eine der schönsten Landschaften im Raum München. Über den Vorschlag der drei CSU-Stadträte bin ich deshalb entsetzt. Frau Dr. Menges habe ich immer als engagierte Tierschützerin kennengelernt, deshalb bin ich besonders verwundert, dass sie sich diesem Antrag angeschlossen hat.“

Christian Hierneis, BN-Vorsitzender Stadt und Landkreis München, fügt hinzu: „Das Schutzgebiet, auf das wir uns alle geeinigt haben, soll auch tatsächlich ein Schutzgebiet sein. Die CSU dagegen will wertvollste Natur und Landschaft zum Park- und Rummelplatz machen. Wir haben in München nicht mehr viele solche Gebiete und die wollen wir unbedingt erhalten. Für Mensch und Natur. Die CSU, die angeblich für unsere Heimat steht, macht genau diese kaputt. Sie hat keine Ahnung von Umwelt und Natur.“

LBV und BN werden im Rahmen des regulären Beteiligungsverfahrens in den nächsten Tagen ihre endgültigen Stellungnahmen zum vorgeschlagenen Besucherlenkungskonzept für das Naturschutzgebiet Fröttmaninger Heide abgeben. Beide Verbände werden das vom Heideflächenverein und der Regierung von Oberbayern vorgeschlagene Kompromisskonzept voll unterstützen.

 

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