Bürgerbegehren geplant Meterdicker Morast: Schlammschlacht am Tegernsee

Ein Schild warnt vor dem gefährlichen Schlamm, der "wie Treibsand" sei. Foto: Klaus Wiendl

In Rottach-Egern wird über 60.000 Kubikmeter Matsch neben dem Freibad gestritten – jetzt soll es ein Bürgerbegehren geben.

 

Rottach-Egern - Seit Jahren schon ist sie ein Zankapfel im Tegernseer Rathaus: die Verschlammung der Schwaighofbucht. Die Bucht liegt nicht nur an der unmittelbaren Ortsgrenze zu Rottach-Egern, sie ist auch im Zuständigkeitsbereich der Stadt Tegernsee. Alles, was auf dem Tegernsee passiert, muss dort im Rathaus in Vertretung des Freistaats geregelt werden.

Natürlicher Prozess: Verschlammung der Schwaighofbucht

Und der Schlamm ist der dickste Brocken, mit dem sich Rathauschef Johannes Hagn (CSU) rumschlägt. Auf seinem Tisch stapeln sich die Vorschläge und Initiativen, wie dem Schlamm beizukommen wäre. Sie reichen von der Impfung mit bestimmten Bakterien zur Reduzierung des im Sommer stinkenden Morasts, bis zur Ausbaggerung und Verklappung im See. Davon wollen aber weder Fischer noch Behörden etwas hören.

Verworfen wurde auch die Nutzung der Verlandung durch Aufschüttung. Dann könnte ein "ökologisches Naturbad mit Kinderspielplatz" entstehen, so ein Vorschlag im Stadtrat. Auch das Wasserwirtschaftsamt Rosenheim ist dagegen, den natürlichen Prozess der Verlandung zu stoppen, da sie das geologische Schicksal aller Voralpenseen sei.

Bürgerbegehren gegen "lebensgefährlichen" Schlamm

Doch dies lässt den Verein "Rettet den Tegernsee" mit seinen 150 Mitgliedern nicht ruhen, der ursprünglich zum Hochwasserschutz gegründet wurde. Nun sieht er sich als Vorreiter gegen die Verlandung der Schwaighofbucht. Vorstand Andreas Scherzer will die Stadt mit einem Bürgerbegehren unter Druck setzen, damit die Bucht an der Mündung der Rottach vom "lebensgefährlichen" Schlamm befreit wird. Damit soll dort "das Baden im See wieder möglich werden".

Rathauschef Hagn: "Bürgerbegehren läuft ins Leere"

Auch verbal wurde aufgerüstet und Hagn ins Visier genommen. Der müsse seiner Sicherungspflicht nachkommen und den Freistaat zum Handeln bringen. Mit dem Bürgerbegehren könne man den "zögerlichen" Hagn "zum Jagen tragen". Knapp 200 der nötigen 400 Unterschriften habe Scherzer bereits beisammen. Er setzt darauf, dass man sich "vor einer Wahl" damit Gehör verschaffen könne. Denn die Behörden seien "taub, wenn Bürger etwas wollen".

"Das Bürgerbegehren läuft ins Leere", sagt Rathauschef Hagn auf AZ-Anfrage, denn die Stadt habe nach Rücksprache mit einem Fachanwalt "alles Erforderliche zur Sicherung der Bucht unternommen". Keinen Erfolg werde der Verein haben, eine Entschlammung über ein behauptetes Sicherheitsdefizit zu erreichen. Zudem sei Tegernsee für die Entnahme des Schlamms "nicht zuständig", versichert Hagn. Und schon gar nicht lasse er sich "unter Druck setzen. Mit solchen Methoden erreicht man bei mir nichts".

 

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