Bürger sollen mitreden Perspektiven fürs Kreativquartier

Um die Entwicklung des Kreativquartiers an der Schwere-Reiter-Straße geht es bei der Veranstaltung. Die Bürger sollen mitreden. Foto: Petra Schramek

Um die Entwicklung des geplanten Kreativquartiers am Leonrodplatz geht es bei einer Veranstaltung am Dienstag mit Stadtbaurätin Elisabeth Merk, die sich speziell an interessierte Bürger richtet. 

 

Neuhausen - "Kreativquartier im Gespräch": Unter diesem Motto findet am Dienstag, 8. Juli, der erste Teil der Perspektivenwerkstatt zum Thema Quartiersentwicklung statt. Beginn in der Hochschule München (Lothstraße 34, Schräghörsaal G 001) ist um 18.30 Uhr. Die Veranstaltung richtet sich an interessierte Bürger.

Bei der Veranstaltung informieren Vertreter der Stadtverwaltung über den aktuellen Planungsstand. Anschließend werden die Berliner Büros Teleinternetcafé und TH Treibhaus als Preisträger des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerbs den Rahmenplan für das Kreativquartier vorstellen, der zur Zeit auf Grundlage ihres Siegerentwurfs erstellt wird. Außerdem zeigen Vertreter von Münchner, Berliner und Züricher Genossenschaften kooperative Quartiersentwicklungsprojekte auf, die auf dem Podium und mit dem Publikum diskutiert werden.

Moderiert wird der Abend von Professor Klaus Overmeyer vom Urban Catalyst Studio, Berlin. Auf dem Podium sitzen Stadtbaurätin Professorin Elisabeth Merk, als Vertretung der Büros Teleinternetcafé und TH Treibhaus Claudia Thiesen, für die Genossenschaft Kraftwerk 1 aus Zürich Janin Walter und Ania Pilipenko, für die Holzmarkt-Genossenschaft in Berlin Susanne Flynn, für die  Genossenschaft KunstWohnWerke aus München Elisabeth Hollerbach, für die Genossenschaft Wagnis in München Christian Stupka von der Gima, München.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Der zweite Teil der Perspektivenwerkstatt ist nach der Sommerpause geplant.

Die Stadt München geht bei der Entwicklung des Kreativquartiers auf der Fläche der ehemaligen Luitpoldkaserne und angrenzenden Gebieten neue Wege: Auf dem 20 Hektar großen Gelände zwischen Dachauer-, Loth-, Schwere-Reiter-, Heß- und Infanteriestraße soll ein urbanes Stadtquartier entstehen, in dem Wohnen und Arbeiten eng mit Kunst, Kultur und Wissen verknüpft werden. Bestehende Nutzungen werden behutsam weiterentwickelt.

Neben gewerblichen, kulturellen, kreativwirtschaftlichen und sozialen Nutzungen sind in vier Teilquartieren mindestens 900 Wohnungen und eine Grundschule vorgesehen. Im nördlichen Teil hat sich eine lebendige Kunst- und Kulturszene etabliert, deren Potenzial aufgegriffen und zur Identitätsbildung des neuen Quartiers beitragen soll. Die Leitideen des prämierten Wettbewerbsentwurfs der Büros Teleinternetcafé und TH Treibhaus werden derzeit in einem Rahmenplan weiterentwickelt, der den künftigen Planungs- und Verfahrensschritten zugrunde gelegt wird.

Dieser soll im Herbst 2014 dem Stadtrat vorgestellt werden. Das Areal wird in die vier Bereiche „Kreativpark“, „Kreativplattform“, „Kreativfeld“ und „Kreativlabor“ unterteilt, die zwar miteinander vernetzt sind, aber unabhängig voneinander entwickelt werden können. Die denkmalgeschützten Industriebauten Jutier- und Tonnenhalle stehen momentan leer und sollen künftig das kulturelle und kreativwirtschaftliche Zentrum des Quartiers bilden. Sie sind Teil des "Kreativparks", der zentralen Freifläche, welche die Dachauer Straße und Heßstraße miteinander verbindet. Im Süden des Geländes wird die Hochschule für angewandte Wissenschaften um einen Campus Nord erweitert und bildet zusammen mit neuen Wohngebäuden den Bereich "Kreativplattform". Um den Leonrodplatz wird die vorhandene Quartiersversorgung durch Einzelhandel und gewerbliche Nutzungen ergänzt. Im "Kreativfeld" soll neben Wohnungen eine Grundschule entstehen, auch Kinderhäuser werden in die Quartiere integriert. Insgesamt sind 770 Arbeitsplätze angedacht. Im Kreativfeld und der Kreativplattform soll möglichst rasch Baurecht für Wohnungen geschaffen werden, um den Nutzungsdruck aus dem vierten Teilbereich, dem "Kreativlabor", herauszunehmen. Das Kreativlabor mit der bestehenden Kunst- und Kulturszene kann sich so - unter Einbeziehung der Nutzer - langsam weiterentwickeln. Momentan wird untersucht, welche der bestehenden Gebäude saniert und langfristig erhalten werden können und welche aufgrund ihres baulichen Zustands abgebrochen werden müssen oder gegebenenfalls noch mittelfristig genutzt werden können. Die Untersuchung ist komplex und dauert voraussichtlich noch bis August 2014 an. Die besondere Identität des Kreativlabors soll das Kreativquartier prägen und als Marke stadt- und bundesweit positionieren. Auch dort sollen Wohnungen entstehen, jedoch in geringerer Zahl als in den anderen drei Bereichen.

Im Herbst 2011 haben das Referat für Stadtplanung und Bauordnung und das Kommunalreferat in Abstimmung mit den Stadtwerken und dem Freistaat Bayern als weiteren Grundstückseigentümern einen zweistufigen Ideenwettbewerb ausgelobt. Grundlage war der Eckdatenbeschluss des Stadtrats vom April 2010. An dem Wettbewerb nahmen 39 ausgewählte Teams teil. Nach Abschluss der ersten Phase, in der die Schwerpunkte auf methodischen Ansätzen und grundlegenden Konzepten lagen, wurden zwölf Teilnehmer ausgewählt, die in der zweiten Phase ein städtebauliches und landschaftsplanerisches Konzept erstellen sollten. Ein erster und zwei dritte Preise Im Mai 2012 wählte eine hochkarätig besetzte Jury aus Fach- und Sachpreisrichtern den Entwurf des Berliner Architekturbüros Teleinternetcafé mit TH Treibhaus Landschaftsarchitektur als ersten Preisträger aus. Dieser wird nun in einem Rahmenplan vertieft, der 2014 dem Stadtrat vorgelegt werden soll und die Grundlage für das Bauleitplanverfahren bildet. Zwei dritte Preise gingen an die Büros Laux Architekten mit Nowak Landschaftsarchitekten, beide München, und Trojan Trojan + Partner Architekten (Darmstadt) mit WGF Objekt Landschaftsarchitekten (Nürnberg). Mit dem vierten Preis wurden Teamwerk-Architekten mit HinnenthalSchaar Landschaftsarchitekten, beide München, ausgezeichnet.

Parallel zu den städtebaulichen Überlegungen entwickelt das Kulturreferat Konzepte für die denkmalgeschützen Industriebauten Jutier- und Tonnenhalle. Diese stehen momentan leer und sollen in Zukunft kulturell und kreativwirtschaftlich genutzt werden. 2012 fand ein offener zweistufiger Ideenwettbewerb statt, bei dem 24 Nutzungskonzepte eingereicht wurden. Fünf davon wurden weiter vertieft. Im Februar 2013 prämierte die Jury unter dem Vorsitz von Kulturreferent Hans-Georg Küppers zwei Ideen: Das Konzept "Tonnenviertel" des Teams Membran Urban wurde mit dem zweiten Preis, das Konzept "Jutier - Areal für zeitgenössische Kunst in München" des Teams Jutier mit dem dritten Preis ausgezeichnet. Einen ersten Preis gab es nicht. Die wesentlichen Elemente der beiden Konzepte sind in den Grundsatzbeschluss des Stadtrats vom November 2013 eingeflossen. Die Wettbewerbsergebnisse werden miteinander verzahnt, die beteiligten Referate arbeiten bei dem Entwicklungsprozess für das Areal eng zusammen.

 

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