BRK ist Technik-Vorreiter Rotes Kreuz: Schnelle Rettung per Handy-Ortung - so geht's

Eine BRK-Mitarbeiterin erhält einen Notruf. Foto: BRK

Das Rote Kreuz in Bayern ist Vorreiter im Einsatz einer Technik, die eine Notfall-Ortung per Handy ermöglicht. Das steckt dahinter.

 

München – Wer einen Notruf absetzt, ist darauf angewiesen, so schnell wie möglich Hilfe zu bekommen – und gleichzeitig nicht immer in der Lage, alle wichtigen Infos sofort parat zu haben. Aufregung, Verletzungen oder andere gesundheitliche Beeinträchtigungen können einen schon mal vergessen lassen, wo man genau ist – sofern man es denn überhaupt weiß.

Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hat in einem Pilotprojekt nun ein System getestet, das genau hier ansetzen soll: Seit August 2017 arbeiten die acht Integrierten Leitstellen des BRK mit einer Technik, die sich Advanced Mobile Location (AML) nennt.

Sobald eine AML-Nummer gewählt wird, übermittelt das Handy Daten

Was steckt dahinter? AML ist keine App, sondern schon jetzt in nahezu jedem Betriebssystem gängiger Smartphones integriert. Mit der Technologie aktiviert das Handy automatisch Wlan und GPS, wenn eine AML-taugliche Notrufnummer gewählt wird – so wie die 112. Mehr als 300.000 Notrufe wurden in Bayern laut BRK in der Testphase mit AML-Daten übermittelt.

Mit dem Notruf, erklärt das BRK, würden dann präzise Standortdaten abhörsicher per Internet an die Leitstellen übermittelt. Der Bürger müsse nichts weiter tun, als den Notruf zu wählen.

Bisher ist AML in Deutschland noch nicht weit verbreitet, andere europäische Länder nutzen sie bereits. Laut einer entsprechenden EU-Richtlinie sind die Mitgliedsstaaten sogar verpflichtet, der Leitstelle Informationen zum Anruferstandort des Notrufenden bereitzustellen. Der Vorteil: Wenn der Anrufer nicht weiß, wo er sich befindet – etwa, weil er sich beim Wandern verirrt hat, kein Ortsschild in der Nähe ist oder er sich mitten im Wald befindet –, können die Retter trotzdem erkennen, wo er sich aufhält und so schneller Hilfe schicken.

Ein mobiles Datennetz ist Voraussetzung für AML

"Besonders wertvoll ist die Technologie in freiem Gelände, dort, wo es keine postalische Adresse mit Straße und Hausnummer gibt", sagt BRK-Landesgeschäftsführer Leonhard Stärk. "Vielen Menschen konnte dadurch schnellere Hilfe geschickt werden, da der Einsatz- oder Unfallort fast metergenau bestimmt wurde." Die genaue Ortung funktioniert, weil nicht nur die Funkzellenposition, sondern eben auch GPS-Daten übermittelt werden. Hilfreich ist ALM aber auch, wenn die Weitergabe von Informationen etwa an der Sprache scheitert.

Im vergangenen Jahr gingen laut Auswertung der Europäischen Kommission 73 Prozent der EU-weiten Notrufe von Mobiltelefonen aus – Voraussetzung für AML ist natürlich, dass es sich dabei um Smartphones handelt. Zudem braucht es mobile Daten.

Hier sieht Ex-Telekom-Manager Leonhard Stärk noch Nachbesserungsbedarf: "Die Mobilfunkstandards 4G und auch 5G werden einen wichtigen Beitrag zum Notruf der Zukunft leisten. Da hat Deutschland noch einiges aufzuholen", sagt er der AZ.

Datenschutz: Informationen werden nach 60 Minuten gelöscht

Und wie sieht es mit dem Datenschutz aus? Das BRK erklärt, Daten würden an einem definierten Übergabepunkt in Bayern gespeichert. Dabei werde sichergestellt, dass die von Google empfangenen Daten aus Bayern stammen und nur an die zuständige Leitstelle gesendet werden. Zudem würden sie nach 60 Minuten automatisch gelöscht.

Für das BRK ist das Projekt ein Erfolg. Inzwischen gibt es einen bundesweiten Übergabepunkt, über den nun alle Leitstellen auf AML-Daten zugreifen sollen.

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