BR-Symphonieorchester und Münchner Philharmoniker Der erste und der zweite Schritt

Der Dirigent Giovanni Antonini mit maskierten Zuhörern im Herkulessaal. Foto: Astrid Ackermann

Konzerte der Münchner Philharmoniker und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks im Gasteig und im Herkulessaal

 

Dass für diesen Termin Ende Juni der italienische Dirigent Giovanni Antonini engagiert wurde, ist ein schöner Zufall. Denn glücklicher als mit einem Spezialisten für kleine Besetzungen und Musik des 18. Jahrhunderts konnte das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks nach der mehrmonatigen Corona-Pause nicht neu anfangen. Außerdem eignet sich der sonst nur mittelgute Herkulessaal der Residenz besser für Konzerte mit wenigen Besuchern, die sich im riesige Gasteig mit seinen 2400 Plätzen in der Weite des Raums verlieren.

Dazu kam ein Solist mit schlanker Kraft. Jean-Guihen Queyras erfüllte das Cello-Konzert Nr. 1 von Joseph Haydn mit vibratoarmer Frische und heiterer Leichtigkeit, die – soweit möglich – im Stehen spielenden Musiker folgten ihm nicht nur im Finale mit federnder Eleganz. Alles passte geradezu ideal zusammen.

Sturm und Drang

Auch das Umfeld stimmte. Mit dem später in die Oper „Orphée et Euridice“ übernommenen Furientanz und einer langsamen Einleitung aus Christoph Willibald Glucks Ballettmusik „Don Juan“ verdeutlichte Antonini, wo die Düsternis der Symphonie c-moll von Joseph Martin Kraus herkommt. Deren nervöse Aufgeregtheit ist eines der nicht allzu vielen Beispiele für den „Sturm und Drang“ in der Musik des späten 18. Jahrhunderts, sozusagen ein musikalisches Gegenstück zu den Schauerromanen und „Gothic Novels“ dieser Zeit.

Auf dieses erste Konzert des BR-Symphonieorchesters um 17 Uhr folgte um 20 Uhr das bereits zweite Konzert der Münchner Philharmoniker unter ihrem Chefdirigenten Valery Gergiev. Dem tritt man nicht zu nahe, wenn man feststellt, dass er grundsätzlich nicht der Mann kleiner Besetzungen ist: Sonst hätte er vor 30 Jahren das erste russische Originalklangensemble gegründet und nicht das Mariinski-Theater in Sankt Petersburg übernommen, das im Bedarfsfall drei Orchester in symphonischer Besetzung aufbieten kann.

Gergiev verblüffte erst mit einer Ouvertüre zu Rossinis „La Cenerentola“, deren Humor in den Steigerungswellen sehr delikat heranrollte. Dass er mit Mozart eher wenig anfangen kann, störte nicht. Der samtig-weiche Schönklang, den Solo-Hornist Matias Piñeira in Mozarts Es-Dur-Konzert KV 495 mit bewundernswerter Schlackenlosigkeit verströmte, kam dabei umso mehr zur Wirkung.

Nicht zu elitär werden

Die 100 Besucher feierten den Musiker aus Peru, dann folgte Beethovens Siebte. Unter den obwaltenden Umständen möchte man keine allzugroße Strenge walten lassen. Aber es gibt Komponisten, bei denen Gergiev eindeutig mehr zu sagen hat. Nach der hellen Brillanz des im historisch informierten Stil spielenden BR-Symphonieorchesters enttäuschten die unentschiedene Interpretation und der stumpfe Glanz der rund 40 Philharmoniker im Gasteig dann doch etwas.

Aber man kann jetzt von Gergiev nicht erwarten, dass er Symphonien von Joseph Martin Kraus einstudiert, weil Strawinsky und Tschaikowsky im Moment nicht auf das Podium zu wuchten sind.

Ein wichtiger Satz fiel vor dem Beginn des Konzerts im Herkulessaal: Nikolaus Pont, der Manager des BR-Symphonieorchesters, betonte in seiner Begrüßung, dass er sich zwar freue, immerhin 100 Hörer zu begrüßen, aber auch davor warnen möchte, dass klassische Musik nun elitärer werde, als sie ohnehin schon sei.

Allerdings, das sei zur Beruhigung hinzugefügt: Beide Konzerte wurden gestreamt. Auf diesem Weg erreichte die Musik eine Menge Menschen – mehr als Konzertsäle fassen können. Und öfter als viele glauben hätte es auch für ein paar Fußballstadien gereicht. Da darf man ruhig ein wenig selbstbewusster sein.

Karten für die nächsten Konzerte des BR-Symphonieorchesters werden im Losverfahren verteilt, Infos unter www.br-so.de. Infos zu den Philharmonikern unter www.mphil.de

 

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