Boxen Weltmeister Huck: "Ich bin wieder da!"

Marco Huck (r.) besiegt Ola Afolabi. Foto: dpa

Marco Huck ist nach seinem Sieg über den Briten Ola Afolabi erneut Weltmeister. „Wenn ich gut trainiere, kann mich keiner schlagen“, tönt er – und nötigt Wladimir Klitschko ein Versprechen ab.

 

Halle/Westfalen - Marco Huck hat die Zeit zurückgedreht. Um sechs Monate. Zurück zu der Zeit, als er nach 13 Titelverteidigungen der Regent im Cruisergewicht war und sich recht großspurig mit den Insignien der Macht – den WM-Gürteln – schmückte. Jetzt hat er zumindest einen Titel wieder. Wenn auch den unbedeutendsten, den des Verbandes IBO. Über seine K.o.-Pleite vor einem halben Jahr gegen Krzysztof Glowacki will Huck so das Mäntelchen des Schweigens und Vergessens ausbreiten.

Seit Samstagabend darf er sich wieder Weltmeister nennen, sich als solcher feiern lassen und sich als solcher verstehen. Mit dem Sieg durch technischen K.o. in der 11. Runde über den britischen Weltmeister Ola Afolabi, den der Ringrichter aufgrund des völlig zugeschwollenen linken Auges aus den Kampf nahm, hat sich der 31-jährige Huck vor 7000 Fans in Halle den IBO-Titel gekrallt. Kaum gekrönt, feierte er sich natürlich selber. „Ich bin wieder da. Hier in meinem Revier! Wenn ich gut trainiere, kann mich keiner schlagen“, tönte Huck, der erstmals beim TV-Sender RTL boxte. Ein Deal, den der frühere Schwergewichts-Weltmeister Wladimir Klitschko eingefädelt hatte. Der Fight lockte 4,8 Millionen Zuschauer vor die Fernseher. „Er hat wie ein echter Weltmeister geboxt“, lobte Klitschko seinen Neu-Protegé.

Huck erhob sich selbst in die Riege der Box-Granden: „Ich habe an Muhammad Ali und Lennox Lewis gedacht. Die hatten auch alle Niederlagen und sind sofort zurückgekommen.“ Huck glaubt, dass er „stärker denn je“ sei. Davon war in dem Kampf nicht viel zu sehen. Es war ein Fight, der an kämpferischer Klasse arm war. Afolabi, der zuvor drei Mal gegen Huck geboxt, dabei ein Unentschieden bei zwei engen Niederlagen vorzuweisen hat, wirkte langsam, lethargisch. Bereits in der 3. Runde begann sein Auge, zuzuschwellen. „Ich habe danach seine Rechte nicht mehr gesehen, habe aber den Ringarzt angelogen, dass mein Sehvermögen nicht beeinträchtigt ist“, sagte Afolabi, „ich muss mich bei meinem Trainer und dem Referee bedanken, dass sie mich vor mir selbst geschützt haben, denn ich hätte weitergemacht und mein Augenlicht riskiert.“ Dann sagte Afolabi, dem Huck einen „Betonschädel“ attestierte, den Satz, der seine Vorstellung am besten beschrieb. „Ich bin alt geworden“, gestand er, „meine Reflexe sind mit fast 36 Jahren vielleicht nicht mehr so da. Ich werde mir genau überlegen, ob ich nicht besser meine Karriere beende.“

Huck hingegen will durchstarten, sich dem Rückkampf mit seinem Bezwinger Glowacki stellen. „Ich wollte das gleich. Mein Bruder hat ihm einen Sack Geld angeboten, aber Glowacki wollte nicht“, erzählte Huck. Doch er muss noch viele Schwächen abstellen. Und sein extrem unsauberes Boxen. Huck schlug dauernd regelwidrig auf den Hinterkopf oder nach dem Trennkommando. Er setzte die Ellenbogen ein, schob, schubste. Dafür wurde er zurecht mit einem Punktabzug bestraft. Es war der alte Huck, der nur ein wenig kontrollierter boxte, der nicht ganz so extrem auf seinen Hau-drauf-und-Schluss-Stil setzte. Doch wo der RTL-Kommentator Stefan Fuckert, der Afolabis Treffer geflissentlich ignorierte, „einen neuen Marco Huck“ und „feines, technisches Boxen“ gesehen haben will, wird ewig sein Geheimnis bleiben.

Immerhin: Huck hat wieder einen Titel, wenn auch den unwichtigsten. Und er sieht sich als Inspiration für Wladimir Klitschko, der ja seine Titel alle an Tyson Fury abgeben musste. „Es ist ein unbeschreibliches Gefühl. Ich habe es vorgemacht, du bist der Nächste, der es nachmachen muss.“ Klitschkos Antwort: „Versprochen!“

 

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