"Tatort: Borowski und das Haus der Geister" Kritik: Lasst die Neue ohne Schnickschnack ermitteln

, aktualisiert am 02.09.2018 - 22:18 Uhr
Mila Sahin (Almila Bagriacik) nimmt sich den Ermittlungen im Fall der Familie Voigt an. Borowski (Axel Milberg) und Schladitz (Thomas Kügel) sind beeindruckt von der neuen Kollegin. Foto: NDR/ChristineSchröder

AZ-Redakteur Philipp Seidel hat den aus Kiel kommenden "Tatort: Borowski und das Haus der Geister" vorab gesehen - und kritisiert...

Nein, in diesem Haus möchte man nicht einmal einer der Axolotl im fies beleuchteten Aquarium sein. Noch weniger möchte man einer seiner menschlichen Bewohner sein. Denn hier geht ein Geist um, ein geheimnisvolles Wesen, aber nicht so eins, wie man es kennt, unter einem Bettlaken, sondern eingehüllt in Plastikfolie. Nun ja. Ganz so gespenstisch, wie man zunächst befürchtet, wird es dann doch nicht.

Kieler Tatort: Wunderbares Ensemble und tolle Schauspieler

Und Klaus Borowski (der seine schleswig-holsteinische Landpartie in farblich gewagter Kleidung unternimmt) kann nebenbei weiter versuchen, den Tod beziehungsweise das Verschwinden seiner alten Freundin aufzuklären. Ein alter Fall, der ihn schon aus persönlichen Gründen nie losgelassen hat. Je länger der Film voranschreitet, desto weniger interessiert allerdings den Zuschauer, was wirklich passiert ist. Hier haben einige Leute einen leichten oder schweren Knacks. Immerhin hat dieser Tatort ein tolles Ensemble, angefangen von Thomas Loibl als alter Borowski-Kumpel und Mordverdächtiger Frank und Karoline Schuch als dessen ebenso zerbrechliche wie geheimnisvolle wie hinreißende neue Frau. Und wir lernen Borowskis Ex-Frau kennen: Heike Trinker spielt die sportlich-flotte Rothaarige wunderbar schwungvoll. Die beiden liefern sich ein schönes nacheheliches Wort-Duell.

Neue Co-Kommissarin: Mila Sahin erstmals im Tatort

Borowskis neue Co-Kommissarin und Sarah-Brandt-Sibel-Kekilli-Nachfolgerin Mila Sahin (sprich: Schahin), gespielt von Almila Bagriacik, wird eher nebenbei eingeführt – und das auch noch in einer besonders albernen Szene: Madame schraubt eine Woche vor Dienstbeginn schon mal einen Sandsack in die landeseigene Bürodecke, den sie ihren verblüfften Kollegen als Walter vorstellt. Ist klar: Sie soll sportlich-frech eingeführt werden, wird aber vermutlich eine harte Begegnung mit dem Hausmeister haben.

Sehr nett ist ihr Tanz mit Borowski zur Warteschleifen-Musik aus dem Mobiltelefon auf einem Parkdeck in Kiel (die Stadt spielt bei diesem Land-Krimi sonst kaum eine Rolle). Aber das Drehbuch gibt, das Drehbuch nimmt: Wenig später sagt Sahin auf die Anmerkung des Mordverdächtigen "Mir gefällt ihr Ton nicht" blödfrech: "Ich könnte Gesangsstunden nehmen." Eine Dialogzeile, überflüssig wie ein Sandsack und künstlich wie das grelle Aquarium im altehrwürdigen Haus.

Man will Mila Sahin näher kennenlernen

Lobenswert ist in diesem Kieler Tatort (Regie: Elmar Fischer) der Einsatz der Kameradrohnen, die zwei wirklich schöne Aufnahmen liefern: einmal auf dem Meer, hoch über einer Segelyacht und Borowskis Schlauchboot, einmal über dem fußballfeldgroßen Garten des Anwesens (das übrigens weitab von Kiel, an der Stecknitz). Jetzt wollen wir Mila Sahin schnell einen neuen Fall wünschen, in dem sie ohne Drehbuch-Schnickschnack ermitteln kann. Diesen Charakter, über den wir praktisch nichts erfahren, möchte man jedenfalls näher kennenlernen.

 

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