Bogenhauser Schreibwaren Auch ohne Onlineshop durch die Krise: Bei Anruf Papeterie

Theresa Klotz verkauft seit fünf Jahren Schreibwaren. Foto: Daniel von Loeper

Wer Schreibwaren braucht, kann in Bogenhausen jetzt auf eine ganz spezielle Art einen Schaufensterbummel machen.

 

München - Eine Girlande aus bunten Wimpeln hängt im Ladeninneren vor der gesamten Fensterfront. Darunter stehen, liegen und türmen sich unzählige Artikel: feine Papierwaren, Stifte, Farben und jetzt – passend zu Ostern – kleine Hasen aus Papier oder Stoff.

Schon vor der Pandemie hat der kleine Laden "Bogenhauser Schreibwaren" viele Kinder und Erwachsene mit seinem liebevoll gestalteten Schaufenster hineingelockt.

Seit knapp fünf Jahren betreibt Theresa Klotz (40) das Geschäft an der Ismaninger Straße. Im Zuge der Allgemeinverfügung musste auch sie schließen. Von einem Tag auf den anderen blieben die Kunden weg und die Einnahmen aus. Einen Online-Shop hat Theresa Klotz nicht. "Ich lebe von der persönlichen Beratung", erklärt sie.

Theresa Klotz und die Idee vom "Schaufensterverkauf"

Doch Not kann bekanntermaßen erfinderisch machen. Theresa Klotz bietet nun "Schaufensterverkauf" an. In goldfarbenen Großbuchstaben steht es auf der Scheibe. Montag bis Freitag, 10 bis 12 Uhr. Eine Woche ist schon rum, und allmählich spricht es sich herum in der Nachbarschaft. "Wenn es so weitergeht, bekomme ich wenigstens einen Bruchteil meiner Kosten wieder rein", sagt sie.

Und so funktioniert's: An der Schaufensterscheibe steht auch die Telefonnummer des Geschäfts. Die Kunden rufen an, bestellen, was sie brauchen und werden dabei – wie zuvor auch – von Theresa Klotz beraten. "Dann haben die Kunden die Wahl, ob sie in bar oder per Paypal bezahlen."

Die Schreibwarenhändlerin packt die Ware in eine Papiertüte, heftet den Bon daran und stellt sie draußen vor die Ladentür.

Bogenhauser Schreibwaren: "Alles läuft komplett kontaktlos ab"

Beim Abholen steckt der Kunde das Geld in ein goldenes Sparschwein (in Form einer Maus), das ebenfalls draußen steht. "Das ist natürlich eine Vertrauenssache, aber bisher ist alles gut gegangen", erzählt sie. Wenn die Schreibwarenhändlerin schon weiß, dass der Abholer nicht passend zahlen kann, legt sie das Wechselgeld gleich mit in die Tüte. "Alles läuft komplett kontaktlos ab."

Am Montag waren immerhin schon sieben Kunden da — da ist noch Luft nach oben, aber besser als nichts. In diesen Tagen sind vor allem Bastelsachen für Kinder gefragt, außerdem Fingerfarben und Schulsachen wie Hefte, Blöcke und Tintenpatronen. "Und ich verkaufe sehr viel Kopierpapier. Die Kinder müssen ja jetzt ihre Schulaufgaben alle ausdrucken und scannen."

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