Bobfahren für Jedermann am Königssee 18 Kurven in 58 Sekunden

Die Profis beim Weltcup am Königssee (hier: Manuel Machata) - die identische Strecke darf jedermann im Bob-Taxi fahren. Foto: dapd

Am Königssee kann jeder, der sich traut, eine Fahrt mit dem Rennbob-Taxi im Eiskanal unternehmen. Die Mutigen werden bei der "Formel 1 des Wintersports" mit Geschwindigkeiten bis 120 km/h belohnt.

 

München - Noch eine Steilkurve aus blankem Eis. Noch ein Schlag, der meinen Kopf von links nach rechts schleudern lässt. Meine Finger klammern sich an den Griffen fest, um nicht aus dem Rennbob zu fliegen.

Doch Eric Dengler weiß genau, was er tut. Er ist einer von sechs Piloten, die in Schönau am Königssee die Rennbob-Taxis durch die künstliche Eisrinne lenken. So wie jetzt gerade. "Vor ein paar Jahren ist einer mal umgekippt", erzählt Dengler, "aber die sind gleich danach noch einmal die Bobbahn runter."

Die Rennbobs sind nicht gerade komfortabel: Die Konstruktionen aus Stahl und Kohlefaser sind eng, hart und recht unbequem. Dafür sind die Taxifahrer jedoch allesamt erfahrene Bobpiloten und bestens mit der Materie vertraut. Oben am Start steht Eric Dengler. Er wird mit mir und zwei weiteren Fahrgästen durch den Eiskanal donnern.

Doch bevor die Kufen übers Eis schießen, gibt es noch ein paar Sicherheitshinweise von ihm. "Ihr müsst schauen, dass ihr aufrecht im Bob sitzt und dabei eure Körperspannung haltet. Sonst kann man schon mal einen Schlag im Kreuz spüren. Die Bahn ist nicht so glatt wie ein Baby-Popo."

Die Rennausrüstung ist einfach gehalten. Neben winterlicher Sportkleidung und festem Schuhwerk bekommt jeder noch einen Integralhelm in die Hand gedrückt. Jetzt muss ich mich nur noch in den Bob quetschen, der wie eine viel zu schmale Badewanne aussieht. Ich nehme ganz hinten Platz. Die Beine werden leicht angewinkelt, gehen am Vordermann vorbei.

Dazu gibt es seitlich an der Innenwand des Bobs für jede Hand einen Griff. Wir werden angeschoben. Ganz langsam und geschmeidig rutschen die Kufen zunächst übers Eis. Und rasen bald mit 120 km/h durch den Eiskanal.

Steilkurven, kurze Geraden und enge Kurvenkombinationen, die Namen tragen wie Teufelsmühle, Schlangengrube, Kreisel oder Kehlsteinkurve, bei der man besonders stark in den Bob gedrückt wird und bis zum sechsfachen seines Körpergewichts auf den Schultern spürt. Man sieht fast nichts, spürt dafür umso mehr.

"Ihr befindet euch hier in der Formel 1 des Wintersports", hat Dengler vor dem Start gesagt. "Das ist wie eine Achterbahnfahrt plus 50 Prozent. Und das Ganze auf blankem Eis." Nach der langgezogenen Echowand-Kurve (wie ein Halbkreis) schießt man noch schnell durch Kurve 17 (links) und 18 (rechts).

Geschafft! Der Bob donnert durchs Ziel. Die knapp 80000 Euro teure Rennmaschine ächzt, der Pilot bremst und die Kufen kratzen schwerfällig übers Eis. 58 Sekunden lang sind wir durch die 1200 Meter lange Halbröhre gerauscht. Jeder Fahrgast bekommt ein Bob-Diplom und eine goldene Medaille überreicht – die Taxifahrt ist vorbei.

Auch wenn meine Beine noch etwas zittern und mein Kopf leicht rotiert. Die Formel 1 auf Eis macht einfach Spaß – auch wenn man dabei nur Co-Pilot ist.

 

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