Blitzkritik Zwanglos wirkender Rock: Die neue Platte von Ringo Starr

Ex-Beatle Ringo Starr Foto: dpa

Ex-Beatle Ringo Starr bringt eine neue Platte raus: Aber er kann es nicht mehr wie die Jungen.

 

Wir mussten in die Steble Street gehen, nur um zu baden.“ Wieder einmal ist es seine Heimatstadt, die Ringo Starr in „The Other Side Of Liverpool“ auf seinem neuen Album „Y Not“ verewigt. Wer einmal durch den Liverpooler Stadtteil Dingle gefahren ist, ahnt, was es es für Richard Starkey bedeuten haben muss, mittels „drums, guitar and amp“ in das surreale, alles möglich machende Pop-Leben hinauskatapultiert zu werden. Und wer beobachtet hat, wie Ringo mit seinem letzten Album „Liverpool 8“ die europäische Kulturhauptstadt 2008 feierte, sich von und in ihr hochleben lassen ließ, der ahnt, dass dieser Aufstieg aus der untersten Arbeiterschicht immer sein persönlicher Triumph bleiben wird. Dass Ringo auf ewig diese Stadt betrachten muss, um ihn zu erleben.

Denn heute schnippt er mit den Fingern: Joe Walsh und Dave Steward an der Gitarre, Don Was am Bass, Ben Harper und Joss Stone singen für ihn, und an der Orgel sitzt Benmont Tench. Das nur als Auswahl aus dem Gästeangebot. Ergebnis ist eine vordergründig ganz zwanglos wirkende Rock-Platte, die Ringo als Hippie mit dem „Peace Dream“ zeigt, hintergründig aber dominiert wird durch den dezent-dominanten Synthesizer-Einsatz. Ringo nämlich wird niemals einen Retro-Sound machen können wie die Jungen. Denn er hat sich durch diese Zeit und aus ihr heraus gelebt.

Ein Ringo-Song muss, im Ganzen gesehen, immer etwas leicht Unbeholfenes haben; dieses leichte Stolpen in der Stimme. Die Gaga-Wendungen in seinen Texten: „Time waits for nobody and nobody waits for time“. Silberne Turnschuhe, gepunktetes Hemd und „Peace“-Anstecknadel am Sakko – so grinst Ringo vom Cover. Es kann nur einen Beatles-Schlagzeuger geben. Und Selbstinszenierung ist für die Typen, die eine Stufe darunter sind. Eigentlich alle. „Walk With You“ geschrieben zusammen mit Van Dyke Parks, gesungen im Duett mit Paul McCartney ist melodiös unfassbar einfach, schwebt in einer wehmütig durchstrahlten Hallkathedrale – die Tür zum Sehnsuchtsraum des britischen Pop steht offen, für viereinhalb Minuten.

Christian Jooß

Ringo Starr: Y Not (Universal)

 

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