Blitzkritik „We Will Rock You“ mit der Sackpfeife

Illustration Foto: Chris James/Epicscotland

Die Red Hot Chilli Pipers mit Hardrock und schottischer Tradition im Kronebau

 

Aus dem Volksmusikalischen kommt in letzter Zeit so manche lustige Idee für die Zukunft des Rock, manchmal ist es aber auch nur ein Witz. Ob das mit dem Rock so gemeint ist wie bei den schottischen Designtrachtenträgern von den Red Hot Chilli Pipers, sei mal dahingestellt. Jedenfalls breitet sich die Begeisterung über den Versuch, den Dudelsack zu einer Art E-Gitarre mit Luftsack zu machen, gerade mit solcher Macht auf dem Kontinent aus, dass die Acht-Mann-Kapelle sogar schon den Kronebau einigermaßen füllen kann.

Es ist erstaunlich genug, dass es etwas gibt, das sich phänotypisch genau in der Mitte zwischen LaBrassBanda und Riverdance befindet – und dabei vordergründig so albern ist wie die Popolski-Show: Da werden „Smoke On The Water“ von Deep Purple, „Thunderstruck“ von AC/DC, „Clocks“ von Coldplay, „We Will Rock You“ von Queen oder „Hey Jude“ von den Beatles gespielt (oder angespielt), und man kann zumindest sagen, dass man das so noch nie gehört hat. – Der Höhepunkt in dieser Hinsicht war eine infernalische Version von John Farnhams „You’re The Voice“.

Doch das Besondere an diesen Pipers ist, dass sie den Cover-Witz nur als Vehikel benutzen und ansonsten mit schottischem Liedgut („La Boum“, „Hills Of Argyll“) in verrockter Fassung so virtuos umgehen, dass auch das Fachpublikum aus der Münchner Dudelsack-Fangemeinde (ja, die gibt’s!) begeistert ist: Aus einem Instrument, das eigentlich nur neun ganze Töne hat, Halbtonschritte herauszuziehen, ist große Kunst. So war’s ein prächtiges Spektakel mit vielen netten Mätzchen und einem Witz, der zumindest für die knapp zwei Stunden Spielzeit trägt.

Michael Grill

 

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