Blitzkritik Stadttheater Augsburg: "I hate Mozart"

Ölgemälde von Wolfgang Amadeus Mozart Foto: dpa

„I hate Mozart“: Das Theater Augsburg wagt zum Mozartfest eine moderne Oper des Zeitgenossen Bernhard Lang.

 

Dieses Bekenntnis erfordert Mut. Wer Mozart hasst, entlarvt sich nicht nur als grundunmusikalisch. Er quält höchstwahrscheinlich Tiere und auch findet süße Babys nicht nett. In Augsburg, wo Wunderkindvater Leopold geboren wurde und Amadeus höchstpersönlich sein Bäsle liebte, ist das noch unentschuldbarer als in Salzburg, wo einen vor lauter Mozartkugeln wirklich ein Koller überkommen kann.

Bezeichnenderweise war der Vorplatz des Augsburger Stadttheaters eine halbe Stunde vor der Premiere von „I hate Mozart“ leer wie an Tagen ohne Aufführung. Das hatte damit zu tun, dass das Große Haus nicht voll bespielt wurde: Die 360 möglichen Zuschauer wurden vom Regisseur Freo Majer auf die Bühne verfrachtet, weil er den ersten Akt zwischen den Parkett-Stühlen spielen ließ.

Das hat einiges für sich: Bernhard Langs Oper ist eine Backstage-Komödie. Natürlich fällt der unvermeidliche Satz „So kann ich hier nicht arbeiten“ nebst der Drohung, auf der Stelle abzureisen. Trotzdem schafft es der zwischenzeitlich mit einem österreichischen Orden geehrte Dirigent aber, die Einstudierung der „Zauberflöte“ bis zur Premiere durchzuziehen.

Nach der Pause wird die 2006 anlässlich des Mozartjahrs in Wien uraufgeführte komische Oper ein wenig länglich. Die Musik aber bleibt ausgesprochen originell, weil der 52-jährige österreichische Neutöner einer alten Tradition der komischen Oper und Operette folgt: Er orientiert sich an der Unterhaltungsmusik der Gegenwart.

Davon reden viele Komponisten. Meist kommt aber, wie zuletzt bei der Biennale, nur kraftmeiernder Gitarrenkrach dabei heraus. Lang interessieren die Tricks fingerfertiger DJs an Plattenspielern, und deshalb klingen die Gesangspartien von „I hate Mozart“ wie hängen gebliebenes Vinyl.

Weil sich echte Mensch auch öfter zu wiederholen pflegten, bringt das eine bodenständige Wirklichkeitsnähe in die Musik. Zugleich erinnert es an die gute alte Opernzeit, in der die Figuren in gedehnten Augenblicken über ihr Seelenleben nachdachten. Allerdings klingt das dann hektischer als früher.Damit bekommt Lang auch die heikelste Sache in den Griff: Es gibt zwar Zitate aus „Don Giovanni“, „Così fan tutte“ und der „Zauberflöte“, aber sie werden so sehr durch Loops verfremdet, dass nur ihre Aura übrig bleibt. Wenn gegen Ende unverzappelt Mozarts „Komm lieber Mai“ gespielt und gesungen wird, ist das ein Schock.

Wie es sich für eine Opera buffa gehört, folgt dem Ende eine Schlussmoral: „Schöner als die Erfüllung ist die Sehnsucht“. Daran ist leider auch bei diesem Stück was wahres: „I hate Mozart“ ist klug ausgedacht, lahmt aber auf der Bühne. Das Philharmonische Orchester Augsburg nimmt es zwar dank guter Schlagzeuger mit jedem Ensemble für Neue Musik auf. Den Sängerinnen Kerstin Descher, Catrin Lange und Stephanie Hampl würde man gern auch mal bei einem richtigen Mozart begegnen. Aber das Theater auf dem Theater des Textdichters Michael Sturminger bleibt so vordergründig, dass die Augsburger Premierenbesucher keinmal spontan zu lachen wagten.

Robert Braunmüller

Theater Augsburg, wieder am 21., 27., und 30. Mai, 6. und 13. Juni, Tel. 0821/324 49 00. Eine CD der Oper erschien bei col legno

 

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