Blitzkritik Manowar: Auf dem Weg zum Kasperltheater

Testosteron-Geprotze im Zenith: Manowar strapazieren die Nerven - selbst die ihrer Fans

 

All die Entdecker, die Helden der epischen Sagen, sie haben es erlebt: das Element der aufflackernden Meuterei. Ob Christoph Columbus bei der unfreiwilligen Entdeckung Amerikas oder der Agamemnon der Ilias, dem Achill bei der Belagerung Trojas die Gefolgschaft verweigerte. Nun hat es auch die selbsternannten „Könige des Metal“ erwischt: Manowar.

Spielte die Band um Ober-Zampano Joey DeMaio vor drei Jahren noch in der (nicht ausverkauften) Olympiahalle, so mussten er und seine Mitstreiter nun mit dem Zenith Vorlieb nehmen. Und auch das war eher dürftig besucht, die Untertanen verweigerten den Königen die Huldigung.

Die Amis eröffneten ihre Show mit „Call To Arms“. Auf der riesigen Leinwand hinter der Band wurden Bilder von martialischen Comic-Helden eingespielt. Muskelbepackte Schwarzenegger-Klone mit Schwertern in Kriegerpose, dazu barbusige und silikonverstärkte Sklaven-Schönheiten, Feuer-Grale und Berge von Totenschädeln. Pathos pur, der die Grenze zum Kinkerlitzchen-Kitsch für Sofa-Krieger gerne überschreitet.

Es wirkt unzeitgemäß und aufgesetzt, das Testosteron-Geprotze der Männer auf der Bühne in ihren Leder-Schnür-Miedern. Wenn etwa DeMaio, einer der besten und schnellsten Bassisten der Welt, nach drei Songs zu einem Bass-Solo, das eher ein posender Ego-Trip ist, ansetzt. Und er später das Leitmotiv des Manowar-Daseins „rock, drink, f**k" verkündet.

Manowar haben sich schon immer als Band zelebriert, die sich gegen die böse Welt stellt, die sie nicht versteht. So treffen sie den Nerv von Pubertierenden. Doch diese Phase hält nicht ewig – auch nicht bei den Fans. Dabei haben Manowar musikalisch viel zu bieten: Eric Adams ist ein echtes Sanges-Tier, die Songs, wenn sie nicht im Pathos ertrinken, sind gekonnt arrangiert und mit Finessen versehen, wie etwa „Die With Honor“. Es ist ein Metal-Theater, dass die Wagner-Fans auf der Bühne abziehen – doch Manowar müssen aufpassen, dass es nicht zum Kasperltheater verkommt. Dann wäre die Meuterei nicht mehr zu stoppen.

Matthias Kerber

 

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