Blitzkritik Kinder-Buch-Theater im Marstall: „Die rote Zora und ihre Bande“

Illustration Foto: Thomas Dashuber

Kinder-Buch-Theater im Marstall: Lucy Wirth spielt „Die rote Zora und ihre Bande“

 

Das sind wirklich wilde Kerle: Sie hausen hoch über der Stadt in einer Burgruine, machen was sie wollen, und wenn sie der Hunger plagt, dann klauen Duro, Pavel, Nicola und Branko auch mal ein Huhn. Ihr Chef ist ein Mädchen: Die rote Zora ist für die Gang beste Freundin, große Schwester, fürsorgliche Mutter und strenger Vater. „Die rote Zora und ihre Bande“ ist aber nicht nur ein Abenteuerroman, sondern Kurt Held entwarf in den 1940er Jahren ein an der dalmatischen Adria-Küste angesiedeltes Panorama einer vorindustriellen Gesellschaft von Bauern, Handwerkern und Fischern, in der für elternlose Kinder kein Platz zu sein scheint.

Auch in der aktionsreichen Bühnenfassung, die Manuela Kücükdag in der Reihe Kinder-Buch-Theater im Marstall inszenierte, ist keine Zeit für falsche Outlaw-Romantik. In bröckelndem Gemäuern (Bühne: Silke Mederer) hat Zora ihre Jungs fest im Griff selbst dann, wenn sie auf der Flucht ist, weil sie Brankos Ausbruch aus dem Gefängnis organisiert hat. Lucy Wirth spielt die Bande, den Polizisten Begovic, den gierigen Karaman oder den herzensguten Fischer Gorian und natürlich die Titelfigur mit knapp skizzierenden, aber markanten Mitteln. Und, in aller Gefährdetheit und Unbehaustheit von Zoras Leben, lässt sie Raum für Zuneigung und Zärtlichkeit.

Spätestens, wenn Lucy Wirth das Kampflied der Bande, den Uskoken (Musik: Jan Faszbender, Violine: Tobias Weber), mit hinreißender orientalischer Gesangstechnik schmettert, hat man die kleine rothaarige Schwererziehbare ins Herz geschlossen.

Mathias Hejny

Marstall, 28. März, 11. April, 11 Uhr, Tel. 21851940

 

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