Blitzkritik Embryo: Bis das Vibraphon glüht

Illustration Foto: Embryo

Embryo feiern ihr großes Jubiläum mit einer so denkwürdigen wie chaotischen Nacht.

 

So muss ein großes Familienfest sein, wenn die Münchner Weltmusik-Legende Embryo ihren 40. feiert: Äußerst moderate Eintritts- und Getränkepreise, ein andächtig meditierendes Publikum, durch das einige Kinder hüpfen. Aus der Tür hinter der Bühne quellen Musiker – bis zu 15 sind gleichzeitig dabei, gut zwei Dutzend spielen insgesamt mit. Die Plakate zur Bandgeschichte auf den Wänden haben einen historisierenden Effekt, aber das macht nichts. Vibraphonist Christian Burchard und Schlagzeuger Dieter Serfas bilden den Nukleus des Ganzen; Roman Bunka fehlt leider wie auch Chris Karrer, dafür hat man den still glänzenden Saitenhexer Geoff Goodman.

Das Musikerkollektiv läuft zur Hochform auf, allerdings in jeder Hinsicht: Da wird auf der Bühne nicht nur improvisiert, bis auch die Sheng glüht, da wird diskutiert und gerungen im laufenden Stück, weil man sich über den einen oder anderen Einsatz nicht immer ganz einig ist. Man wähnt sich auf einer sehr großen Session am Monopteros – und weiß nie, ob das fragile Gebilde beim nächsten Chorus auseinanderfliegt. Das Ende kommt nach vielen Stunden spät in der Nacht – und auch nur deshalb, weil die Belegschaft vom Schwere Reiter irgendwann dann doch mal ins Bett will.

Michael Grill

 

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