Blitzkritik Der Krieg frisst Seelen

Illustration Foto: az

Das Grazer Gastspiel „Kukuruz“ im Pathos Transport Theater

 

Der Krieg ist die Erbsünde, von der es keine Erlösung gibt – das ist das Thema des Stückes „Kukuruz“. Der Autor und Regisseur Ernst M. Binder stammt aus Ex-Jugoslawien, die Gruppe dramagraz spielt seine ebenso eindringliche wie depressiv-düstere Inszenierung im Pathos Transport Theater.

Binder schrieb eine „Woyzeck“-Paraphrase: Josef alias Woyzeck kehrt als lebender Toter – oder toter Lebender – aus dem Krieg zurück. Seine große Liebe Marie lebt mit Josefs Freund Andres und liebt Josef noch immer. Im Dunkel schält die alte Mutter schwerfällig Kartoffeln, Andres will dem todessüchtigen Josef helfen, ein Tschuschen-Mädchen namens Elend spielt Klavier. Alle sind kriegstraumatisiert, der Tod und das Sterben sind eingemeißelt in ihren Köpfen. Josef erhängt sich – es ist für ihn ein Befreiungsversuch.

Binders lakonisch verdichtete Kunstsprache findet intensive poetische Bilder, seine Regie setzt auf surreale Langsamkeit und skulpturale Lichtwirkungen. Die starken Darsteller gewinnen den versehrten Seelen bewegende Kraft ab.

Gabriella Lorenz

 

0 Kommentare