Bissig wie eh und je Harald Schmidt macht ein Gymnasium unsicher

Harald Schmidt stellte sich den Fragen der Schüler Foto: Ville-Gymnasium

Harald Schmidt war alles andere als ein braver Schüler, und auch heute ist er kein bisschen leise - wie er nun bei einem Schulvortrag bewies.

 

"Dirty Harry" war zurück. Zumindest für zwei Stunden. Nicht in einer TV-Show, sondern in einer Provinzschule. Harald Schmidt (57, "Die Harald Schmidt Show") trat am Donnerstag vor 200 Oberstufenschülern in der Aula des Ville-Gymnasiums in Erftstadt-Liblar bei Köln auf, wie die "Bild"-Zeitung berichtet. Er wollte seinem jungen Publikum Lebensratschläge vermitteln: "Ich möchte dem Land etwas zurückgeben, was ich nie von ihm bekommen habe", wird Schmidt von dem Blatt zitiert.

Schmidt, laut eigenem Urteil "eine faule Sau, die schlecht in der Schule war", erschien im dicken Rollkragenpullover. "Ich hab' mich als Herbergsvater verkleidet." Schließlich sei dies ja keine Fernsehshow, sondern eine offizielle Schulveranstaltung. Mit dieser Begründung hat die Schule auch mehreren Fernsehsendern den Zutritt untersagt, was Schmidt imponierte: "Das ist die Liga des Plattenproduzenten, der die Beatles weggeschickt hat."

Und weil man in der Schule doch fürs Leben lernt, knöpfte sich "Dirty Harry" gleich die 17-jährige Kölner Schülerin Naina vor, die mit ihrer Kritik am bestehenden Schulsystem Schlagzeilen gemacht hatte. "Naina? Dieses Gör, das in den Medien jetzt Aufmerksamkeit bekommt. Sie sieht ein bisschen aus wie Lena Meyer-Landrut, das ist ihr Erfolg. Ihr muss jemand sagen, dass es niemanden interessiert, was sie twittert, sondern alles über die Optik läuft. Und dass, wenn sie Glück hat, sie nächstes Jahr im Dschungelcamp sitzt. Und das war's dann. So läuft das Business", zitiert "Bild" den Late-Night-Talker im Ruhestand.

"Ich würde Eigeninteresse empfehlen"

Naina hatte via Twitter gemeckert: "Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann 'ne Gedichtanalyse schreiben. In 4 Sprachen." Daraus entstand eine bundesweite Diskussion über den Unterrichtsstoff in der Schule. Darüber ätzte Schmidt: "Unser Gesellschaftssystem lebt davon, dass die Bevölkerung nicht in der Lage ist, einen Mietvertrag zu lesen. Wenn die arbeitende Bevölkerung begreift, was sie unterschreibt, wäre unser System am Ende. Aber das traut sich natürlich niemand diesem Girlie zu sagen. Ich würde Eigeninteresse empfehlen."

Schmidt riet den Schülern des Ville-Gymnasiums zu "Enthusiasmus und Eigeninitiative. Begeisterung für etwas, egal was es ist, schlägt immer das In-allem-gut-Sein." Wenn jemand etwas Bestimmtes werden wolle - sei es Banker, sei es Schauspieler - dann werde er das auch, wenn er es wirklich wolle. "Ich wusste schon mit 15, dass ich Schauspieler werden will und habe den Unterricht permanent als Trainingsfeld benutzt. Wenn jemand eine richtige Antwort gab, habe ich applaudiert."

Schmidt parodierte Lehrer

Als ein Schüler fragte: "Hatten Sie auch Lehrer, die Sie nicht so toll fanden?" antwortete Schmidt: "Tausende! Ich war natürlich der Lehrer-Parodist. Wenn es auf Schulausflug ging, saß ich sechs Stunden vorne neben dem Fahrer mit Mikro in der Hand." Sein liebstes Parodie-Objekt: der Mathelehrer mit dem Spitznamen "Idi". "Nach Idi Amin. Das war damals so'n Diktator."

Sein Abitur habe er mit einem Notendurchschnitt von 2,7 gemacht: "Ich hatte im Sport-Abitur eine 6, weil der Lehrer mich nicht leiden konnte - dieser Nazi." Aber es ging auch besser: "Ich habe mal fünf Seiten Englisch-Aufsatz aus einem leeren Heft vorgelesen. Die Lehrerin glaubte das gar nicht. Für sie war das so gut, dass sie mir eine Eins gegeben hat."

"Richtige Schlampen" waren seine große Motivation

Über seine Motivation, Schauspieler zu werden, sagte Schmidt: "Ich habe nie überlegt: Wie kann ich möglichst viel Geld verdienen? Der Antrieb war immer: Weiber, Weiber, Weiber. Und damit meine ich nicht Frauen, oder Partnerinnen, oder Lebensgefährtinnen oder Seelen, die im Rhythmus schwingen. Nein. Weiber, richtige Schlampen, die es brauchen."

In seiner Karriere sei er oft angefeindet worden: "Mir ist es auch schon passiert, dass ich nachts durch Köln gehe und jemand sagt: 'Du Arschloch!' Und ich sage: 'Weiß ich', und gehe weiter. Diese Menschen sind sehr verzweifelt."

Um 10 Uhr ist Bettruhe

Und was mache er jetzt so im vorgezogenen Ruhestand? "Geld. Man kauft eine Aktie und plötzlich verdreifacht die sich, weil Öl im Garten gefunden wurde. Auch früh schlafen gehen. Halb 10 gehe ich meistens pennen." Deshalb ist er auch so munter.

 

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