Biss-Attacke im Badesee Alligator-Schildkröte könnte schon Jahre im See leben

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Markus Baur leitet die Auffangstation für Reptilien. Foto: dpa

Alligator-Schildkröten können in unserem Klima jahrelang überleben. Die AZ hat mit dem Experten gesprochen, der den Biss identifiziert hat.

 

MÜNCHEN Zwei stichförmige Verletzungen wie von einem Biss – hinten an der Ferse – haben dem dem Buben die Achillessehne durchtrennt. „Mir hat es den Magen umgedreht, als ich die Fotos gesehen habe“, sagt Markus Baur, der Leiter der Auffangstation für Reptilien.

Er ist einer der Experten, die erkannt haben, dass der Bub womöglich von einer Alligator-Schildkröte gebissen wurde: „Der Junge ist ins flache Wasser gewatet, um dort auf seine Mutter zu warten. Plötzlich fuhr mit Wucht etwas in seinen Fuß, eine stoßartige Attacke. Das könnte eine Geierschildkröte sein.“

Die Alligatoren-Schildkröten gehören eigentlich nicht nach Bayern, sondern leben in Amerika. Es gibt sie in den Gattungen Schnapp- und Geierschildkröte. Die Schnappschildkröte jagt in Seen von Kanada bis ins südamerikanische Ecuador nach Wasservögeln, Fischen und Reptilien.

Eine ausgewachsene Schnappschildkröte ist bis zu einem halben Meter lang und rund 15 Kilo schwer. Durch ihre Bisse können die angriffslustigen Tiere auch dem Menschen gefährlich werden. Die Viecher schauen auch schon gefährlich aus: Kopf, Rückenpanzer und Schwanz sind voll mit hornigen Höckern und stacheligen Schuppen.

Die Geierschildkröte lebt eigentlich im Südosten der USA. Dort lauert sie im Bodenschlamm von Seen mit weit aufgerissenem Maul auf Fische. Ihr hakenförmiger Schnabel schaut aus wie von einem Geier; damit kann sie kräftig zuschnappen. Geierschildkröten haben ausgewachsen einen bis zu 75 Zentimeter lange Rückenpanzer und werden 100 Kilo schwer.

Einer solchen Geierschildkröte könnte der Bub als Bedrohung vorgekommen sein. Baur: „Die Tiere sind eigentlich nicht aggressiv, aber der Bub muss ihr direkt ins Maul gelaufen sein. Und wenn eine Geierschildkröte dann beißt, ist das verheerend.“

Markus Baur wurde selbst schon gebissen: „Ich dachte, mein Mittelfinger sei hinüber. Hätte ich ihn nur ein wenig anders gehalten, wäre er ab gewesen. So kam ich mit einer üblen Quetschung davon.“

Seit 1999 ist die Haltung von Alligator-Schildkröten in Deutschland verboten. Früher konnte man süße, Streichholzschachtel große Schnappschildkröten für 20 Mark in einer Zoohandlung in der Fußgängerzone kaufen. Viele der Schildkröten wurden ausgesetzt, wenn sie größer waren. Baur: „Womöglich lebt das Tier schon seit Jahren im Oggenrieder Weiher. Dort gibt es viele Flachwasserbereiche und Schilf, das mögen die Schildkröten. Unser Klima setzt ihnen nur langsam zu. Sie sterben jämmerlich über Jahre, weil sie von ihren hirnlosen Besitzern ausgesetzt wurde.“

Baur erlebt diese Gedankenlosigkeit im Umgang mit Tieren täglich: Die Reptilienauffangstation ist am Limit, sie kann keine Schildkröten mehr aufnehmen. Vielleicht müssen sie bald eine Ausnahme machen: Für Lotti, die Alligator-Schildkröte vom Oggenrieder Weiher.

 

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