Bis zu 5,6 Milliarden Euro Spendenmonitor: So helfen wir Deutschen 2015

Eine Frau gibt einem Flüchtlingskind und seiner Mutter am Münchner Hauptbahnhof ein paar Spenden. Foto: Sven Hoppe/dpa

Laut der Studie geben weniger Menschen Geld für gemeinnützige Organisationen. Wer es allerdings tut, greift deutlich tiefer in die Tasche - oder in den Kleiderschrank: Sachspenden nehmen zu.

 

München - Das Jahr 2015 ist das Jahr der Flüchtlingskrise. Das Leid ist nicht mehr weit weg, irgendwo in Afrika. Sondern direkt vor unseren Haustüren in Deutschland. Seit Monaten werden dringend Spenden und Hilfen benötigt, immer wieder Spendenaufrufe gestartet. Haben dadurch auch tatsächlich mehr Deutsche etwas abgegeben?

Der TNS-Infratest Spendenmonitor 2015 kommt zu dem Ergebnis: Nein. Demnach haben sogar weniger Menschen Geld gespendet. Die wichtigsten Fakten der Befragung im Überblick und zu welchem positiverem Ergebnis andere Studien kommen:

WENIGER MENSCHEN SPENDEN

Die Kurve der Spendenbereitschaft in Deutschland zeigt weiter nach unten. Zumindest wenn man dem neuen Spendenmonitor 2015 glaubt: Der Studie des Deutschen Fundraising Verbands zufolge haben 42 Prozent der Bundesbürger in den vergangenen zwölf Monaten bis Oktober 2015 eine gemeinnützige Organisation unterstützt.

Das sind drei Prozent weniger als im selben Zeitraum 2014. Im Jahr 2013 waren es noch 47 Prozent – und 2005 sogar noch 50 Prozent.

Erst ab 65 Jahren steigt die Zahl wieder deutlich an

Der Studie zufolge ist besonders eine Altersgruppe weniger zu Spenden bereit: die 30- bis 64-Jährigen. Bei diesen Menschen ist ein Rückgang zwischen fünf und sechs Prozent verzeichnet worden. Bei den über 65-Jährigen dagegen gaben dann wiederum 60 Prozent an, im gemessenen Zeitraum mindestens einmal gespendet zu haben.

Diese Zahlen alarmieren Experten: „Wenn dieser Trend anhält, werden die gemeinnützigen Organisationen in zehn Jahren große Probleme bekommen. Menschen im Alter über 60 Jahre sind seit jeher die tragende Spendersäule der gemeinnützigen Organisationen“, sagt Arne Peper, der Geschäftsführer des Deutschen Fundraising Verbands.

Nicht alle glauben an den Rückgang der Spendenbereitschaft

Sind wir Deutschen also nicht mehr so spendabel wie früher? Nicht alle glauben an diesen Rückgang, den der Spendenmonitor aufgrund von persönlichen Befragungen zeichnet. So erklärt das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI), dass die Bereitschaft zum Geben hierzulande sogar deutlich zugenommen habe. Demnach könnte der Anteil der Spender 2015 erstmals bei über 50 Prozent liegen. So zumindest die derzeitige Prognose des Instituts.

Das DZI stützt sich dabei auch auf eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Diese hatte im Auftrag des Deutschen Spendenrats 10 000 Deutsche ab zehn Jahren befragt. Von Januar bis September 2015 stifteten die Privatleute demnach rund 3,4 Milliarden Euro. Das waren fast 14 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

Der Spendenmonitor hat insgesamt 4024 Menschen über 14 Jahre befragt. Die Zahlen der beiden Studien beziehen sich zudem auf unterschiedliche Zeiträume: Während der Spendenmonitor von Oktober 2014 bis Oktober 2015 rechnet, beschäftigt sich das DZI mit dem gesamten Jahr 2015.

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DIE SPENDENSUMME STEIGT

Es spenden zwar angeblich weniger Menschen, dafür sind diejenigen, die es tun, spendabler: Wer etwas gibt, greift deutlich tiefer in die Tasche als in den vergangenen Jahren. Im Schnitt wurden 147 Euro gespendet – beim Spendenmonitor 2014 waren es 126 Euro.

Das ist kein einmaliges Hoch. Der Spendenmonitor zeigt zurück bis zum Jahr 1995: Die Spendensumme steigt stetig an. Zum Vergleich: Vor 20 Jahren wurden im Schnitt 78 Euro gespendet.

SACHEN STATT GELD

Angesichts der Flüchtlingskrise haben sich in diesem Jahr mehr Menschen zu Sachspenden entschieden. 30 Prozent der Befragten sagten, sie geben eher Sachen als Geld. 16 Prozent gaben an, sich persönlich zu engagieren.

SOFORTHILFE UND KINDER

Wofür geben die Deutschen ihr Geld her? An der Spitze stehen die Sofort- und Nothilfe sowie Spenden an Kinder (beide 31 Prozent). Dahinter folgen die Behindertenhilfe (21 Prozent), die Kirche (19 Prozent) und die Wohlfahrt (16 Prozent). Für den Tierschutz spenden zwölf Prozent und am wenigsten für Denkmäler (sechs Prozent).

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DIE JAHRESPROGNOSE

Der Deutsche Spendenrat geht davon aus, dass in diesem Jahr bis zu 5,6 Milliarden Euro in die Kassen der Hilfsorganisationen und Kirchen fließen könnten. „Die Flüchtlingswelle hat wohl viele zum Spenden aufgerufen“, erklärt GfK-Marktforscherin Gertrud Bohrer im November.
Der Deutsche Fundraising Verband rechnet dagegen mit vier Milliarden Spenden. Das wären knapp 300 Millionen Euro mehr als im Vorjahr.

 

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