Billig-Geld-Politk der EZB Keine Zinsen mehr auf Erspartes und teurere Reisen

Das EZB-Gebäude in Frankfurt am Main. Foto: dpa

Die EZB hält an ihrer Politik des billigen Geldes fest und erhöht den Strafzins für Bankeinlagen. Das soll die Konjunktur anschieben. Dabei drohen allerdings höhere Gebühren für Kunden - und teurere Reisen.

 

Frankfurt/München - Der Chef der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, ist zum Handeln entschlossen: „Wir werden alles Notwendige tun, um die Inflation so schnell wie möglich wieder zu erhöhen.“

Wie der der 68-Jährige das schaffen will, was seine Pläne für Bankkunden bedeuten und warum Deutschland Kritik übt:

Wie will der EZB-Chef gegen die zu geringe Inflation ankämpfen? Mit höheren Strafzinsen für geparktes Geld will Draghi die Kreditvergabe der Banken ankurbeln. Statt 0,2 Prozent müssen Geldinstitute künftig 0,3 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der EZB bunkern. Was erhofft er sich davon? Ziel ist, die Banken dazu zu bewegen, mehr Kredite zu vergeben und so das Wirtschaftswachstum anzuschieben. Denn bislang kommt das viele billige Zentralbankgeld nicht im gewünschten Maß über Bankkredite bei Unternehmen und Verbrauchern an.

Was ist mit „billigem“ Geld gemeint? Der Leitzins im Euroraum liegt derzeit auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Damit bleibt Geld, dass sich Geschäftsbanken von der EZB leihen, historisch günstig. Außerdem pumpt die EZB monatlich 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren. Das soll Zinsen drücken und somit Konjunktur und Preisauftrieb anschieben. Draghi kündigte gestern zudem an, dass die europäische Notenbank ihre Geldschleusen bis mindestens Ende 2017 offen lässt und weiterhin monatlich 60 Milliarden Euro in den Markt pumpt.

Wie hoch ist die Inflation derzeit? Im September hatte die EZB für 2015 eine Jahresteuerung von 0,1 Prozent vorhergesagt, für 2016 von 1,1 Prozent und für 2017 von 1,7 Prozent.

Warum ist eine niedrige Inflation schlecht? Dauerhaft niedrige Preise könnten Firmen und Verbraucher verleiten, Investitionen aufzuschieben – in der Hoffnung auf weiter sinkende Preise. Das könnte die Konjunktur ausbremsen. Das viele billige Geld soll die Inflation wieder in Richtung der Zwei-Prozent-Marke treiben, die die EZB als Ziel ausgegeben hat.

Gibt es Kritik an den EZB-Plänen? Ja, besonders der Strafzins für Banken ist umstritten. Ökonomen befürchten, dass die Geldinstitute ihn auf ihre Kunden abwälzen könnten. DZ-Bank-Analyst Christian Reicherter verweist auf Erfahrungen aus der Schweiz, wo Institute die Zusatzkosten über höhere Hypothekenzinsen weitergäben. Auch höhere Bankgebühren gelten als mögliche Reaktion. Dadurch könnten Sparer noch mehr in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wie sind Sparer konkret betroffen? Da das Zinsniveau im Euroraum absehbar extrem niedrig bleiben wird, werden auch die Zinserträge für die Sparer, die in Deutschland traditionell vor allem auf Tagesgeld, Festgeld und Sparbuch setzen, weniger. Gibt es noch weitere Nachteile? Ja, die Geldflut hat noch einen anderen Effekt: Der Euro verliert gegenüber dem Dollar an Wert. Das bekommen alle zu spüren, die in die USA reisen. Auch Urlaube in der Schweiz oder Reisen in Nicht-Euroländer wie Großbritannien oder Norwegen werden teurer.

Bringt die Geldschwemme der EZB auch Positives für Verbraucher mit sich? Ja, wer beispielsweise plant, ein Haus zu bauen, kann sich über historisch niedrige Baukredite freuen.

Wie stehen deutsche Ökonomen zu der lockeren Geldpolitik der EZB? Gerade hierzulande ist sie umstritten. Es gibt massive Zweifel an der Wirksamkeit der Maßnahmen. „Konjunkturell wäre kein nennenswert positiver Effekt zu erwarten“, meint Allianz-Chefvolkswirt Michael Heise. Die Wirtschaft im Euroraum brauche keine zusätzliche Unterstützung durch die Geldpolitik. Die Bundesbank warnt davor, dass sich Investoren und Staaten an das billige Geld gewöhnen und zunehmend höhere Risiken eingehen beziehungsweise Reformen verschleppen. „Je länger die extrem lockere Geldpolitik andauert, umso weniger wirkt sie und umso mehr Risiken und Nebenwirkungen kommen ins Spiel“, kritisiert Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Ähnlich äußert sich Sabine Lautenschläger, frühere Bundesbank-Vizechefin und nun im EZB-Direktorium. Sie sagt: Wie bei Arzneimitteln könne „überzogene Anwendung dazu führen, dass der Patient sich gesund fühlt und nicht mehr an den Ursachen der Krankheit arbeitet“. Außerdem wird bezweifelt, dass höhere Strafzinsen Banken zu mehr Krediten bewegen würden.

 

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