Bildungsstudien Einmal arm, immer arm?

Grundschüler: Ob sie es mal bis zu einem Uni-Abschluss schaffen, hängt vor allem von den Eltern ab. Foto: ap

Kinder aus sozial schwächeren Familien haben es immer noch schwer, über die Uni einen guten Job zu ergattern.

Berlin/Paris - Zwei neue Bildungsstudien stellen Deutschland ein schlechtes Zeugnis aus: Das deutsche Bildungssystem ist vor allem sozial undurchlässig – den Aufstieg schaffen nur wenige. Wer in Deutschland aus einem bildungsfernen Haushalt kommt, wird in aller Regel keinen Hochschulabschluss machen, berichtet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Nur jedes fünfte Kind ohne Akademiker-Eltern schafft in Deutschland den sozialen Aufstieg über den Bildungsweg. Eine andere Studie der Vodafone-Stiftung legt den Finger noch tiefer in die Wunde: Jedes dritte Kind aus einer Arbeiterfamilien könnte studieren, wenn es wollte, berichten die Experten – doch nur die Hälfte tut es auch. Die Gründe: In Familien, in denen eine Uni-Ausbildung die Ausnahme ist, ist die Scheu, Kindern ein Studium zu ermöglichen, groß: Zu teuer, zu lang – und wird der Nachwuchs auch wirklich einen guten Abschluss schaffen?

Aus Angst vor dem Ungewissen begnügen sich diese Familie mit einer bodenständigeren Ausbildung für ihre Kinder. Der Leiter der Vodafone- Stiftung fordert jetzt: So genannte „bildungsferne“ Familien sollten früh beraten und ermuntert werden. Wenn sie sich erst nach der Mittleren Reife fragen, ob das Studium für ihre Kinder Sinn machen würde, ist es zu spät – dann ist die Entscheidung für einen Beruf beim Teenager meist schon gefallen.

Die gegenteilige Situation herrscht in Akademikerfamilien: Dort ist die Abstiegsangst so hoch, dass Kinder sehr viel häufiger zu einem Hochschulstudium ermuntert werden – selbst wenn es keinnen Sinn macht. Für viele Berufe braucht man außerdem mittlerweile die Hochschulreife, alleine daher streben mehr jungeMenschen den Abschluss an, ohne jemals wirklich studieren zu wollen.

Insgesamt hilft das deutsche Bildungssystem seinen Schülern und Studenten eher zum sozialen Abstieg als zum Aufstieg. 22 Prozent der Schüler erreichen nicht das Bildungsniveau ihrer Eltern. Damit liegt Deutschland weit hinter dem OECD-Schnitt. Dort sind es nur 13 Prozent „Absteiger“.

Andere Länder machen vor, dass es auch anders ginge, beispielsweise Finnland: Dort ist es fast egal, aus was für einer Familie ein Kind kommt – es wird entsprechend seinen Fähigkeiten gefördert. Wie die Studien der OECD und von Vodafone zu bewerten sind, darüber streiten sich die Institutionen.

OECD-Bildungsdirektorin Barbara Ischinger sagt, in allen Industrienationen werde Bildung immer wichtiger, vor allem in technischen Berufen. Deswegen müsse das Schulsystem viele Akademiker hervorbringen.

Bildungsstaatssekretärin Cornelia Quennet-Thielen sieht das anders: Das deutsche Systemder dualen Berufsausbildung ermögliche eine sehr gute Ausbildung auch ohne Studium, die sich mit Uni-Abschlüssen anderer Länder messen lassen könne.

 

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