Bierparty vorm Blumenladen Münchner Stephansplatz: Die einen feiern, die anderen leiden

Arne Brach (l.) und Benoît Blaser hoffen, dass das von ihnen angebrachte Schild dabei hilft, die Partygänger zu sensibilisieren. Foto: Privat

Am Münchner Stephansplatz feiern die Menschen gern. Anwohner wünschen sich mehr Respekt.

 

Isarvorstadt - Im August hatte ein Wirt aus dem Glockenbachviertel eine Bühne auf dem Stephansplatz aufstellen wollen, damit Künstler wieder Geld verdienen können. Diese Idee hat das KVR abgelehnt. Ein möglicher Grund: Am Stephansplatz ist auch ohne Open-Air-Programm an warmen Abenden schon genug los.

Denn nun hat sich der Besitzer des Blumenladens am Stephansplatz beschwert. Sein Mitarbeiter müsste seit Wochen früher anfangen, um zuerst den Müll der Nacht zu entsorgen. Blumenhändler Armin Ruf, der über seinem Laden wohnt, kann oft trotz geschlossener Fenster nicht schlafen.

Ladenbesitzer nachts von Feiernden verspottet

An einem Samstag lief er im Bademantel nachts nach unten, wollte um etwas Ruhe bitten. Junge Mädchen, die auf seiner hölzernen Blumen-Bank vor dem Geschäft saßen, haben daraufhin spöttisch gemeint, er solle mal wieder schön "Heia machen" gehen. "So etwas habe ich in 54 Jahren noch nicht erlebt. Ich finde es einen Wahnsinn", sagt Armin Ruf.

Arne Brach, Fraktionssprecher der Grünen im BA Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt: "Vielleicht hilft es ein wenig, wenn man mit den Leuten in Kontakt tritt." Er möchte vermitteln: Brach hat laminierte Schilder auf deutsch und englisch für die Blumen-Bank vor dem Laden kreiert.

Darauf steht: "Sie können gerne hier auf unserer Bank sitzen, auch nachts. Aber: Bitte entsorgen Sie Ihren Müll selbst und seien Sie bitte so leise, dass Menschen, die früh aufstehen müssen, schlafen können. Danke!"

BA-Chef mit Appell an Nachtschwärmer

Der Lokalpolitiker hofft, dass dieser Appell "in diesem besonderen Jahr" für etwas mehr Respekt und Rücksicht sorgt. Auch Benoît Blaser (Grüne), BA-Chef, appelliert an die Nachtschwärmer: "Weniger Menschen fahren in den Urlaub. Beide Seiten unter einen Hut zu bekommen, ist die Herausforderung dieses Sommers. Wenn wir regulierende Maßnahmen verhindern wollen, dann müssen alle mitmachen."

Doch Armin Ruf, der seinen Blumenladen am Stephansplatz seit 54 Jahren betreibt, bleibt skeptisch: "Das Schild wird übersehen. Ich wünsche mir immer, dass abends ein Gewitter kommt. Dann haben wir unsere Ruhe."

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