Biathletin im AZ-Interview Denise Herrmann: "Drei Medaillen? Da schlage ich sofort ein"

"Ich will mich mit den Besten messen", sagt Denise Herrmann, die am Donnerstag mit der Mixed-Staffel in die Biathlon-WM startet. Foto: Eibner-Pressefoto/imago

Am Donnerstag beginnt die Biathlon-WM. Im AZ-Interview spricht Denise Herrmann über ihre Ziele, ihren Wechsel aus dem Langlauf – und sie erklärt, warum Dahlmeier fehlt: "Zu so jemandem schaut man auf"

 

München - Denise Herrmann wechselte 2016 vom Langlauf zum Biathlon. Bei der WM 2019 in Östersund wurde sie Weltmeisterin in der Verfolgung.

AZ: Frau Herrmann, bei der Biathlon-WM 2019 in Östersund haben Sie sich mit Gold in der Verfolgung, Silber in der Mixed-Staffel und Bronze im Massenstart einen kompletten Medaillensatz gesichert. Einer Wiederholung würden Sie bei der WM in Antholz zustimmen, oder?
DENISE HERRMANN: Da würde ich direkt einschlagen! Aber eine WM ist nun mal kein Kindergeburtstag, da muss schon alles passen. Wir haben uns gut vorbereitet, haben uns im Sommer auch die Eigenheiten des Schießstands dort in Antholz angeschaut. Es ist wichtig, dass man perfekt vorbereitet in so ein Ereignis geht.

Nach Ihrem WM-Sieg im vergangenen Jahr haben Sie von einem "unbeschreiblich schönen Moment" gesprochen. Ist es eine besondere Motivation für Sie, so einen Moment noch einmal zu erleben?
Das auf jeden Fall, es macht den Sport aus, dass man die bestmögliche Performance aus sich herausholt, und wenn das noch mit einer Medaille belohnt wird, ist es die schönste Bestätigung, dass sich die jahrelange Arbeit gelohnt hat. Immer, wenn ich am Start stehe, will ich ums Podium mitkämpfen. Dass dies nicht jedes Wochenende funktioniert, ist mir bewusst, dafür spielen im Biathlon zu viele Faktoren eine Rolle. Aber es ist nicht mein Anspruch zu sagen: "Platz sechs ist auch okay." Wir wollen auch bei der WM um die Medaillen mitkämpfen!

Hat Sie der Erfolg bei der vergangenen WM auch bestätigt, dass der Wechsel vom Langlauf zum Biathlon im Jahr 2016 richtig war?
Ich habe keinen Tag bereut, auch ohne Medaillen. Es macht Riesenspaß, jeden Tag entdecke ich wieder etwas, was ich noch verbessern kann. Wenn man jeden Tag mit Leidenschaft und Motivation angeht, und das ist bei mir der Fall, dann macht man das Richtige, deshalb war der Wechsel auch richtig. Gerade das Schießen ist eine extreme Herausforderung, bei der man immer am Ball bleiben muss. Da kann man sich nie zurücklehnen und sagen: "Das läuft jetzt mal."

Wie sicher fühlen Sie sich mittlerweile am Schießstand?
Ich glaube, ich habe mich mit den Erfahrungen der letzten Jahre sehr weiterentwickelt. Aber natürlich ist da noch Luft nach oben. Gerade was die Schießzeiten betrifft, fehlt mir noch ein Stück zur Weltspitze. Ich will mich mit den Besten messen, deshalb gibt es noch ein bisschen was zu tun.

Nach dem Rücktritt von Laura Dahlmeier nach der vergangenen Saison sind Sie in die Rolle der Frontfrau im deutschen Team gerückt. Spüren Sie die gestiegene Erwartungshaltung?
Die größte Erwartungshaltung habe ich eh immer an mich selbst. Und ein bisschen Druck gehört im Leistungssport dazu, ohne den sind auch keine Bestleistungen möglich. Wir haben insgesamt ein gutes Team mit mehreren Mädels, die aufs Podium laufen und in die Bresche springen können. Ich würde mich deshalb nicht direkt als Frontfrau bezeichnen.

Wie sehr fehlt Dahlmeier, die nach der vergangenen Saison ihre Karriere beendet hat, im deutschen Team?
Laura war eine, auf die wir anderen uns immer verlassen konnten, auch als Schlussläuferin in der Staffel. Wir wussten, dass sie das bei Wind und Wetter hinkriegt und zum Zeitpunkt x in Topform ist. Insofern hat sie einiges von uns weggehalten, so dass wir in Ruhe arbeiten konnten. Sie ist eine der besten Biathletinnen aller Zeiten – zu so jemandem schaut man auf, auch wenn sie jünger und ein bisschen kleiner ist als ich (lacht). Es war beeindruckend für mich zu sehen, wie hart sie täglich an sich gearbeitet hat. Da hat man jeden Tag im Training das Beispiel vor Augen, was man selbst machen muss, um erfolgreich zu sein.

Als TV-Expertin ist sie ja ab und zu vor Ort. Gibt sie Ihnen Tipps, was Sie besser machen können?
Nicht direkt Tipps, aber sie hat immer das ein oder andere nette Wort parat, um uns zu bestärken oder, wenn es mal nicht so läuft, uns aufzubauen.

Was macht Denise Herrmann, wenn sie mal komplett vom Biathlon abschalten will?
Eigentlich ganz normale Sachen wie jeder andere Mensch auch. Nach der Saison, im April, fahre ich gerne in den Urlaub an den Strand – ganz weit weg von Bergen und Schnee. Wobei ich prinzipiell auch gerne in den Bergen unterwegs bin, aber nicht so hoch hinaus wie die Laura (Dahlmeier, d.Red.), ich halte mich da an begehbare Wege. Ab und zu stricke ich und ich koche ganz gerne zusammen mit meinem Freund (der Skilangläufer Thomas Wick, d.Red.). Und ich bin Helene-Fischer-Fan. Im Team bin ich schon als Schlager-Queen bezeichnet worden. (lacht)

Lesen Sie hier: AZ-Leistungscheck Biathlon-WM - So stehen die deutschen Medaillen-Chancen

 

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