Neue Herbergen im Münchner Osten Im neuen Stadtquartier: Hotelflut im Münchner Werksviertel?

Blickfang mit Ausblick: Aus dem früheren Kartoffelsilo wird ein Hotelturm. Foto: Steidle Architekten

Auch rechts der Isar entstehen Bettenburgen – etwa hinterm Ostbahnhof. Die AZ beleuchtet die Situation im neuen Münchner Stadtquartier.

 

München - Modern, jung, urban – diese Begriffe fallen häufig, wenn es ums Werksviertel geht. Die Werksviertel-Macher haben auf eine besondere Mischung geachtet. In dem neuen Stadtquartier entstehen 7.000 Arbeitsplätze, rund 1.150 Wohnungen und fünf Hotels.

Noch mehr Hotels für München

Fünf Hotels auf einer Fläche von knapp 39 Hektar? Manch einem erscheint das viel. Schließlich schwelt seit Monaten die Diskussion um die Hoteldichte im Hauptbahnhofviertel. Demnächst wird sich gar der Stadtrat damit befassen. Und auch die Entwicklung im benachbarten Haidhausen wird teils kritisch betrachtet.

Dort sind in den letzten Jahren entlang der Orleansstraße drei Hotels direkt nebeneinander entstanden. Nur wenige Meter weiter an der Orleansstraße Kreuzung Rosenheimer Straße ist ein Motel One im Bau, das dritte im Viertel. Dazu kommen das Hilton am Gasteig und entlang der Rabl- und Hochstraße die Hotelmeile aus Living Hotel, Motel One, Holiday Inn und Novotel. Für den Ausbau des Letzteren musste vor gut zwei Jahren ein denkmalgeschütztes Vorstadthaus weichen.

Hotels für junge Leute im Werksviertel

Droht im Werksviertel eine ähnliche Hotel-Dominanz? Vor allem im Zentrum des neuen Quartiers finden sich gleich mehrere. Das Gambino-Hotel mit 303 Zimmern, gegenüber dem neuen Konzertsaal etwa. Oder – am auffälligsten – der neue 86 Meter hohe Hotelturm, für den auf das einstige Kartoffelflockensilo der Pfanni-Werke 24 Stockwerke aufgesetzt werden.

Hier ziehen zwei Hotels ein, und zwar übereinander. Im oberen Teil mieten sich Gäste in die 234 Apartments des edleren Adina-Aparthotels ein, darunter können sich auch mal mehrere junge Leute ein Zimmer im günstigen Wombat’s Hostel mit 500 Betten teilen. Die Kletterhalle kann hier übrigens trotzdem bleiben.

Ein Stück weiter zur Grafinger Straße hin, finden Gäste dann ein eher preisgünstigeres Moxy Hotel, das sich mit seinen 146 Zimmern an Junge und Jungebliebene richtet und ein Residence Inn, dessen 75 Studios für Reisende gedacht sind, die mehrere Wochen bleiben. Beide Häuser gehören, wie das weitere Residence Inn und das Courtyard München City East an der Orleanstraße jenseits der Bahn, zur Schweizer Betreibergesellschaft SV Hotels.

Werksviertel: Sozialverträgliches Leben, Arbeiten und Wohnen

Die Ballung der Häuser rund um die Areale, in denen auch Gastronomie und Veranstaltungen stattfinden, ist Absicht. Denn "jede Veranstaltung, jede Gastronomie erzeugt Spannungen zum Wohnen", erklärt Stephan Heller, der als Chef der Kommunikationsagentur Heller & Partner seit gut zehn Jahren die Entstehung des Werksviertels begleitet. Vor 20 Jahren hätte man hier keine weiteren Hotels als notwendig erachtet, meint er. Dies sei mittlerweile anders.

Zudem entstünden hier nicht sehr viele Betten im Verhältnis zu den weiteren Nutzungen, außerdem keine Luxushotels. Die Beteiligten seien hier mit Herzblut dabei: "Das Kartoffelsilo einfach abzureißen, wäre günstiger gewesen", so Heller.

Die Grundidee beim Werksviertel sei aber gewesen, Leben, Arbeiten und Wohnen sozialverträglich nebeneinander anzusiedeln. Dabei habe man die teils sehr unterschiedlichen Interessen von zwölf Eigentümern und viele rechtliche Rahmenbedingungen berücksichten müssen – etwa bei der verkehrlichen Erschließung oder Emissionen. "Daran haben wir jahrelang gearbeitet", sagt Heller. Dabei sei ein in München einmaliges Projekt mit einmaligem Nutzungsmix entstanden.

Lesen Sie hier: Konzerthaus im Werksviertel - Der Akustiker steht fest

Lesen Sie hier: Trotz Tourismusboom - bekommt München zu viele Hotels?

 

1 Kommentar

Kommentieren

  1. Ihre Daten können Sie in Ihrem Benutzerkonto ändern. Dieses finden Sie oben rechts .

loading