Bettenburg statt Wohnraum Motel One: Kette plant zwei Hotels am Hauptbahnhof

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
So soll das – eine – Motel One in der Schillerstraße aussehen. Foto: Concrete Capital

Zwei Bettenburgen der Kette Motel One sind am Münchner Hauptbahnhof in direkter Nachbarschaft geplant. Doch es gibt Widerstand.

 

München - Zehn Motel One(s) soll es bald in München geben – zumindest, wenn es nach der Hotelkette geht. Einander gegenüberliegen sollen in der Schillerstraße und in der Bayerstraße gleich zwei Motel One entstehen. Ende 2019, Anfang 2020, wenn der (schon einmal abgelehnte) Bauantrag durch ist, will die Investorengesellschaft Concrete Capital von Hubert Haupt, an der Motel One zu 25 Prozent beteiligt ist, in der Schillerstraße 3 anfangen zu bauen. Und das ist erst der Anfang.

Etwa zwei Jahre später, 2022 vermutlich, soll dort ein Motel One mit 550 Betten stehen. Beim Eckhaus Bayerstraße sind die Pläne noch nicht so weit gediehen. "Das Haus ist erworben, jetzt sind wir in der Planungsphase", sagt Dieter Müller, CEO der Motel One Group. Geplant ist laut Müller "Retail", also Einzelhandel im Erdgeschoss und im ersten Stock.

Politiker sorgen sich um die Viertelstruktur

Unten werden auch 150 Quadratmeter Rezeption und "Backoffice" des Motel Ones sein. "Im Mietvertrag haben wir einzelne Betriebe wie Rotlichtgeschäfte und 1-Euro-Läden ausgeschlossen", sagt Müller. Rotlicht ist sowieso sein Thema, denn als solches Milieu empfindet er das südliche Bahnhofsviertel. "Wir werden das Viertel mit unserem Produkt verschönern", sagt Müller in Bezug auf die zwei geplanten Hotelprodukte.

Stadtteilpolitiker und Stadträte sorgen sich derweil schon seit Monaten um die Viertelstruktur. Jetzt fordert die Grüne-Rosa-Liste in einem Antrag, dem Bau weiterer Hotels durch eine Änderung des Bebauungsplans Einhalt zu gebieten.

"Eine derartige Monostruktur ist dem Ziel vielfältiger und lebendiger Stadtviertel abträglich. Wir schlagen daher vor, im Bebauungsplan keine weiteren Hotels mehr vorzusehen und bei Bauvorhaben 20-30 Prozent der Nutzung verpflichtend als Wohnbebauung festzuschreiben", sagt Stadtrat Paul Bickelbacher.

Hintergrund: Die Entwicklung im Hotel-Viertel

Die Entwicklung auf dem Hotelmarkt in München verläuft ungleichmäßig. 2017 und 2018 eröffneten überdurchschnittlich viele Hotels. 2017 waren es 21 Häuser mit 5.500 Betten. 2018 13 Häuser mit 5.000 Betten, so München Tourismus auf AZ-Nachfrage.

In der Ludwigsvorstadt gab es 2017 117 Hotelbetriebe mit 17.408 Betten. 2013 waren es noch 110 Hotelbetriebe und 15.683 Betten. Dabei entwickelte sich die Übernachtungszahl in den letzten fünf Jahren dynamischer als die Bettenzahl. Letztere erhöhte sich um 7,5 Prozent, die Zahl der Übernachtungen im gleichen Zeitraum um 10,5 Prozent.

Die Bettenauslastung ist im Vergleich zur gesamten Stadt sehr hoch: 2017 waren es 63,4 Prozent. In der gesamten Stadt lag sie 2017 mit durchschnittlich 71.154 Betten und 15,7 Millionen Übernachtungen bei 58,3 Prozent.

 

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