Betrug und Verleumdung Hickhack im Tierschutzverein

"Wenn kein Vertrauen gegeben ist, frage ich mich, ob ich hier weiter arbeiten sollte", sagt Vorstandschef Kurt Perlinger. Foto: Schramek

Kurz vor der Mitgliederversammlung am Samstag fetzen sich ein paar Mitglieder und der Vorstand.

 

München - Eigentlich habe man das Thema ja still und intern lösen wollen, sagen beide Seiten. Weil Unruhe ja immer schlecht ist für einen Verein, vor allem, wenn er so sehr von Spenden abhängig ist wie der Münchner Tierschutzverein.

Nun fallen aber Worte wie Betrug, Gegendarstellung, Verleumdung und mehrmals: Strafanzeige. Eine Auseinandersetzung zwischen dem Vorstand und einigen Vereins-Mitgliedern ist vor der Mitgliederversammlung am Samstag das, was alle Beteiligten angeblich verhindern wollten: eskaliert.

Im Kern geht es um einen Vorfall im Herbst 2016. Eine Beisitzerin des Vorstands, Irmgard Passauer, engagiert sich in der Auslands-Tierrettung. Bei einer Vermittlung von zwei Hunden ging etwas schief, sie brachte die Tiere auf dem Gnadenhof des Tierheims unter. Unter Rücksprache mit dem Gnadenhof, betont der Vorstandschef Knut Perlinger.

Die Hunde wurden wenige Wochen später vermittelt. Die Vermittlungsgebühr von 500 Euro behielt Passauer. Das meldete ein Vereinsmitglied dem Beirat, der wiederum informierte den Vorstand. Und ging davon aus, dass ein Vorstandsmitglied, das das Ansehen des Vereins schädigen kann, suspendiert wird.

Der Vorstand teilte stattdessen schriftlich mit: Die Dame habe sich entschuldigt, das Geld zurückgezahlt. Die Angelegenheit sei damit erledigt.

Der Brief an alle Mitglieder liest sich zumindest merkwürdig

Aber das, sagt Beirätin Doris Dorschner-Walleitner, gehe natürlich nicht: "Da sind Missstände aufgetreten und die müssen geklärt werden."

Da der Beirat nur wenige Kompetenzen hat, nutzten die Einzelpersonen ihre Rechte als Vereinsmitglieder: Sie stellten für die Mitgliederversammlung am Samstag unter anderem den Antrag, Passauer aus dem Vorstand entfernen zu lassen und die Entlastung des Vorstands zu verschieben.

"Der Vorstand empfiehlt, alle drei Anträge abzulehnen", steht darum unter anderem in einem von Perlinger unterschriebenen Brief vom 11. April an alle Vereinsmitglieder. Er liest sich wegen dieser Aufforderung zumindest ungewöhnlich. Der Beirat wolle den Vereinsfrieden stören, steht da.

Unter anderem dagegen geht der Beirat nun juristisch vor: Er fordert eine Gegendarstellung, andernfalls werde er Strafanzeige gegen Passauer stellen wegen Betrugs und wegen Verleumdung gegen Perlinger. Der sagt: "Wenn kein Vertrauen gegeben ist, frage ich mich, ob ich hier weiter arbeiten sollte." Eine Gegendarstellung prüfe heute ein Anwalt, sagt der Ehrenamtler. Deeskalation klingt anders.

 

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