Besuch im HKW Nord Steinkohleblock: Die Feuerwand im Heizkessel

Mehr als 60 Meter hoch ist das Kesselhaus des Heizkraftwerks Nord. Hier ist der riesige Heizkessel aufgehängt, in dem bei 1200 Grad Celsius täglich Tonnen an Steinkohle verfeuert werden. Foto: Petra Schramek

Wie wird eigentlich Strom erzeugt in Block 2? Und was passiert mit den Schadstoffen, die entstehen? Ein Besuch im Kraftwerk.

München - Hochspannungs-Anlagen, Bahnschienen, Belade- und Entladehallen, ein Maschinenhaus, eine Fernwärmehalle. Ziemlich in der Mitte des riesigen Heizkraftwerk-Nord-Komplexes, neben den beiden Müllverbrennungsanlagen der SWM, steht Block 2 – der Steinkohleblock.

 

Hier misst der Aufzug nicht in Stockwerken, sondern in Metern. Hoch oben, auf 64,5 Metern, gibt eine verglaste Brücke den Blick aufs Areal frei: Im Süden kann man die Alpen sehen. Auf der Nordseite ragt der Kamin von Block 2 120 Meter in den Himmel.

Darunter reihen sich drei zylinderförmige Kohle-Silos aneinander. Jedes fasst einen 20 000 Tonnen schweren Steinkohleberg. 60 000 Tonnen insgesamt, das reicht für etwa vier Wochen Betrieb.

1200 Grad im Kessel

Direkt vor den Silos rollen die Kohlezüge aus Rotterdam und Tschechien an, täglich zwei oder drei, mit bis zu 22 randvollen Waggons. Jeder bringt 30 Tonnen Ladung mit. Und entlädt diskret, geräusch- und geruchlos, in der Halle.

Nur ein paar Meter von diesem Aussichtspunkt entfernt öffnet sich eine Stahltür zum Kesselhaus des Kohleblocks. Eine Hitzewand schlägt einem hier entgegen, über Bodengittern, durch die man in schwindelnde Tiefe schauen kann.

30 Grad heiße Luft – aber das ist nichts gegen die Höllenhitze im flammenden Kessel selbst, in den man nur durch eine grelle Luke blicken kann: Eine 60 Meter hohe Feuerwand schießt hier herauf – befeuert von 100 Tonnen Kohle pro Stunde. Und ummantelt von Wasser, das nach oben verdampft. 1200 Grad Celsius hat es im Kessel. Weil er sich bis zu 20 Zentimeter ausdehnt, steht er nicht auf der Erde, sondern hängt an einem Stahlgerüst.

Wie hoch die Anlage gefahren wird – also wie viel Leistung erzeugt wird, das steuern Kraftwerksleiter Michael Bergler und seine Leute auf 27 Meter Höhe. Eine 15 Meter lange halbrunde Bildschirmwand zeigt hier dutzende Kurven und Balken. „Warte“ nennen sie die Schaltzentrale, in der Schichtmeister Thorsten Täbel auch den Ausstoß der Luftschadstoffe aus dem Kamin (mit Staub, Schwefeldioxid oder Stickoxiden) kontrolliert. Auf einem Display steht: 268 Megawatt. Längst noch keine volle Leistung – der Kessel kann bis zu 360 Megawatt Strom und 550 Megawatt Fernwärme liefern.

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Unten in der Kesselhalle steht die Turbine, die mit 3000 Umdrehungen läuft – und der Generator, der die Bewegungs- in elektrische Energie umwandelt. Aus verschiedenen Klappen an endlosen Rohren fällt Schlacke, die im Beton- und Straßenbau Abnehmer findet. Und mehlfeiner, weißer Gips, gewonnen aus den austretenden Schwefeldämpfen, denen Kalkstein zugemischt wurde.

Die Abgase fließen durch ein verzweigtes Rohrnetz der Rauchgasreinigung, ehe sie aus dem Kamin entweichen. Was bei der Reinigung an Schadstoffen übrigbleibt, wird eingetrocknet und in Beton gebunden in einem Salzstock in Gera deponiert. „Nichts davon“, sagt Bergler, „geht bei uns als Restwasser in die Isar."

Und der Strom? Den leiten die SWM über eine 110-kV-Schaltanlage ins Netz - er reicht für ein Drittel dessen, was München verbraucht. Die Fernwärme versorgt rund 150 000 Haushalte in der Innenstadt, im Münchner Norden und Osten.     

 

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