Besuch beim Deutschen Wetterdienst Hier oben entsteht unser Wetter

Die weiteren Aussichten? Wolkenlos! Hier auf dem Dach des Deutschen Wetterdienstes werden Windrichtung und -stärke, Sichtweite und Sonnendauer gemessen. Und dann wird gerechnet. Foto: Anja Perkuhn

„Können Sie es nicht ein bisschen weniger heiß machen?“ Die Münchner Niederlassung des Deutschen Wetterdienstes kümmert sich um Sonne, Wind, Niederschlag, Klimawandel – und Wissen.

 

München – Die meisten Menschen wissen schon, dass der Deutsche Wetterdienst nicht das Wetter macht. Aber der Bote hat eben oft einfach Pech gehabt: Es rufen tatsächlich hin und wieder Menschen an bei der Münchner Regionalzentrale, um sich über Hitze, Kälte oder sonstige unerwünschte Klimazustände zu beschweren. Das sind glücklicherweise aber nur sehr wenige – den meisten ist klar, dass in dem Gebäude in der Helene-Weber-Allee nur Daten gesammelt, verwaltet und ausgewertet werden.

„Jeder Mensch ist ja irgendwie angewiesen auf genaues Wetter“, sagt Niederlassungsleiter Volker Wünsche. Jeder Mensch, der wissen möchte, ob er für den Tag einen Schirm einpacken sollte – außerdem: das Technische Hilfswerk, der Lawinenwarndienst, Energieversorger, Piloten, Landwirte, Organisatoren von Großveranstaltungen wie Festivals.

Der Deutsche Wetterdienst betreibt eines der dichtesten Beobachtungsnetze weltweit. Messungen kommen vom Land, vom Wasser, aus der Luft und dem Weltraum und laufen in der DWD-Zentrale in Offenbach in Hessen zusammen.

In München werden gemessen: Lufttemperatur und -druck, Windstärke und -richtung, Sonnenscheindauer, Höhe der Wolkenuntergrenze, relative Luftfeuchte und Sichtweite. Ein externer Dienstleister liefert Daten über Blitze. Außerdem stehen auf dem Dach der Niederlassung zwei riesige Schüsseln mit Antennen, die Bilder von Wettersatelliten empfangen.

Die erfassten Daten melden die Münchner nach Offenbach. Dort verarbeiten Großrechner mehr als eine Million Wettermeldungen täglich – nicht nur aus Deutschland. Der DWD gehört zur Weltorganisation für Meteorologie (WMO), denn Wetter endet ja eher selten an einer Landesgrenze. Um die Lage der kommenden Tage errechnen zu können, braucht man Daten aus ganz Europa, vom Nordatlantik, aus Nordafrika und am besten auch vom Nordpol – es hängt ja alles zusammen. Das Hoch „Annelie“, das gerade Hitze zu uns bringt, kommt aus Nordafrika.

Anhand von Modellen werden die Vorhersagen berechnet und bei Bedarf eine Warnung herausgegeben wie für Unwetter oder Hagel. Auch wenn es inzwischen viele private Wetterdienste gibt, die Vorhersagen kostenlos veröffentlichen: Warnungen stammen in der Regel vom DWD.

Temperaturen lassen sich mit 95-prozentiger Sicherheit vorhersagen

Bodenmessstationen sind für die Arbeit des Deutschen Wetterdienstes elementar — 170 bemannte gibt es im ganzen Land. In Bayern sind es nur noch neun. „Die automatischen Wettersensoren werden immer leistungsfähiger“, sagt Wünsche. Früher hat an diesen Stationen ein Mensch einmal pro Stunde die Werte abgelesen – die Sensoren liefern einen kontinuierlichen Datenstrom. Aber: Augenbeobachtung – da ist der Mensch noch wichtig. „Wolkenformen können die Sensoren noch nicht so gut erkennen.“

Eine bunte Karte auf einem Bildschirm zeigt gerade die Verschiebung von warmen und kalten Luftmassen in Europa, eine andere rote Flecken in Norddeutschland – Blitze der vergangenen zehn Minuten. In Bayern gibt es nur einen winzigen roten Punkt. „Es bleibt in Süddeutschland sehr warm und schön“, sagt Meteorologe Florian Bilgeri – ach was: Verspricht er! Wind und Temperaturen kann man mit 95-prozentiger Sicherheit vorhersagen für drei Tage, Niederschlag mit 90-prozentiger – wegen der vielen Einfluss-Faktoren.

In der Nacht zu Mittwoch, das kann man aus den Modellen lesen, steht eine Unwetterlage an, mit Starkregen, Orkanböen und Hagel. Aber dafür kann der DWD nichts. Ehrlich.

 

0 Kommentare