Bernd Sibler im Münchner Presseclub Der Konzertsaal soll nach Mariss Jansons benannt werden

Bernd Sibler, seit einem Jahr Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, stellt sich im Presseclub den Journalistenfragen. Foto: RBR

Bernd Sibler, seit einem Jahr Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, stellt sich im Presseclub den Journalistenfragen

 

Der neue Konzertsaal im Werksviertel müsse nach Mariss Jansons benannt werden, findet Bernd Sibler. Ein naheliegender und eigentlich selbstverständlicher Vorschlag. Aber trotzdem muss ihn jemand machen, um das Engagement des am Samstag verstorbenen Dirigenten für sein Herzensprojekt zu ehren, dessen Details derzeit geplant werden, ehe in zwei, drei Jahren mit dem Baubeginn zu rechnen ist.

Sibler, seit der Kabinettsumbildung nach der Landtagswahl der neue Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, stellte sich am Montag im Münchner Presseclub am Marienplatz in einem von Peter Schmalz moderierten Gespräch eine gute Stunde lang den Fragen anwesender Journalisten. Der jugendlich wirkende 48-Jährige gab dabei geschickt den Generalisten. Er kam nur einmal leicht ins Schleudern, als jemand den ehemaligen Lehrer für Deutsch und Geschichte in einer Detailfrage zur kirchlichen Baulast auf das Konzil von Trient festzunageln versuchte.

Eine erste zentrale Personalentscheidung hat der langjährige Wissenschafts-Staatssekretär und Kurzzeit-Kultusminister in seinem ersten Jahr an der Spitze des Ressorts bereits hinter sich: Andrea Lissoni, den künftigen Chef des Hauses der Kunst. Sibler lobte in diesem Zusammenhang die im (bayerischen) Kulturbereich unübliche Findungskommission. Er sei kein Experte in allen Bereichen. Dieses bisher ungebräuchliche Verfahren sei demokratischer und transparenter, es gebe auch Außenseitern eine Chance, die man im Ministerium womöglich nicht auf dem Schirm habe.

„Ich will nicht mit den Hosenträgern schnalzen“

Im Umfeld der European Championships 2022 im Olympiapark bereiten Experten im Kunstminsterium derzeit eine kulturelle Großveranstaltung vor, um Bayerns „Kronjuwelen zum Glänzen“ zu bringen. Sibler meint damit nicht die Bayerische Königskrone in der Schatzkammer der Residenz, sondern vor allem Bildende Kunst, die in den staatlichen Museen präsentiert werden soll. Sibler machte unmissverständlich klar, dass es ihm dabei weniger um eine Leistungsschau bereits Etablierter geht, sondern um die Förderung junger Kunst, die ihm offenbar am Herzen liegt.

Bei der Eröffnung des Museums der Bayerischen Geschichte in Regensburg durfte Sibler, „ernten, was seine Vorgänger gesät“ haben. Ein paar Probleme haben sie ihm auch vererbt, etwa die Kostenexplosion bei der Sanierung des Deutschen Museums von 445 auf 745 Millionen. Der Minister beklagte die angesichts der Bau-Konjunktur steigenden Kosten, deutete aber auch an, dass für ihn bei diesem Projekt die Schallmauer nun erreicht sei.

Leuchttürme und fernere Inseln

Sibler betonte mehrfach, ihm gehe es weniger darum, „mit den Hosenträgern zu schnalzen“ und Bayerns Vorrangstellung protzend herauszustellen. Er sei zwar stolz auf das Lob der „New York Times“ für das Kunstareal. Aber sein Motto sei „Groß denken, aber nicht großspurig“, das er sich von Herzog Franz, dem bedeutenden Kunstmäzen entliehen habe.

Praktisch bedeutet das eine Stärkung der Regionen – auch in der Wissenschaftspolitik, der die erste Hälfte des Gesprächs gehörte. Die zwei Milliarden schwere „Hightech Agenda Bayern“, soll Bayern an die digitale Weltspitze katapultieren. Damit ist für Sibler auch Strukturpolitik verbunden – etwa in Ingolstadt, wo die Politik dem drohenden Schwächeln der Autoindustrie entgegentreten muss.

Im Zentrum der „Hightech Agenda“ stehen die Robotik an der TU München, die Medizintechnik in Erlangen und Data Science in Würzburg. Aber die Förderung soll auch regional wirken. Im Kulturbereich nannte Sibler in diesem Zusammenhang die Aufwertung der Mehrspartenhäuser in Augsburg und Würzburg zu Staatstheatern. Im Bereich der Wissenschaftspolitik heißt dies, dass die Forschung und Lehre an kleineren Universitäten gestärkt werden soll.

Ihre Bedeutung erläuterte der in Straubing geborene und in Deggendorf aufgewachsene Minister an seiner eigenen Geschichte. Als Sohn einer ungelernten Hilfsarbeiterin und eines Lokführers sei er der erste Bildungsaufsteiger seiner Familie. Aber die habe es sich nur leisten können, ihn in Passau Lehramt studieren zu lassen, weil er in diese Stadt pendeln konnte.


 
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