Berlin, Hamburg, Boston, Rom Starke Konkurrenz für deutsche Olympiabewerbung

Berlin oder Hamburg? Am Montagabend entscheidet der DOSB über die deutsche Olympiabewerbung. Einige Konkurrenten stehen schon fest - und die haben es in sich! Foto: dpa

Die deutsche Bewerberstadt wird es bei der Vergabe der Olympischen Spiele 2024 schwer haben. Die internationale Konkurrenz ist namhaft.

 

Berlin - Boston, Rom und sehr wahrscheinlich auch Paris: Die internationale Konkurrenz für die deutsche Olympiabewerbung ist groß. Beim Start in die heiße Bewerbungsphase beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) dürfte der deutsche Kandidat zunächst nur Außenseiter sein. Vor allem gegen Boston.

Viel, für die Konkurrenz womöglich zu viel spricht für die Hauptstadt des US-Bundesstaates Massachusetts. Letztmals haben die USA 1996 in Atlanta Sommerspiele ausgerichtet - nach ihrem eigenen Selbstverständnis sind die Vereinigten Staaten wieder an der Reihe. Schon für 2012 (New York) und 2016 (Chicago) hatten sich die USA um die Spiele bemüht - und verloren gegen London beziehungsweise Rio de Janeiro.

"Eine ganze Generation von Amerikanern hatte nicht die Möglichkeit, Olympische und Paralympische Spiele auf heimischem Boden zu erleben", sagte Scott Blackmun, Geschäftsführer des Nationalen Olympischen Komitees der USA (USOC). Das ist allerdings nur ein Aspekt.

Im Mai 2014 hatte IOC-Präsident Thomas Bach einen Rekord-Deal mit dem US-Fernsehsender NBC im Wert von 7,65 Milliarden Dollar (5,5 Milliarden Euro) für die Jahre 2021 bis 2032 abgeschlossen. Es ist mehr als fraglich, dass es sich das IOC vor diesem Hintergrund mit dem Heimatland seines größten Geldgebers noch einmal verscherzen will.

Zumal die Streitigkeiten um die Verteilung der Fernsehgelder zwischen den USA und allen anderen Nationen inzwischen beigelegt sind. Dieser Konflikt hatte die Bewerbungen von New York und Chicago überschattet. Ein weiterer Pluspunkt: Mit seinen "nur" 600.000 Einwohnern würde Boston perfekt in die von Bach initiierte IOC-Reformagenda passen.

"Ich verspreche, dass dies der offenste, transparenteste und gesamtheitlichste Prozess der olympischen Geschichte wird", hat Bostons Bürgermeister Marty Walsh angekündigt: "Ich verspreche auch, dass ich Boston niemals mit einem Haufen unbezahlter Schulden zurücklassen werde."

Berlin oder Hamburg: Rückhalt der Bevölkerung wichtig

Einen ersten Schritt in Richtung Transparenz ging Boston bereits: In der vergangenen Woche veröffentlichte das Organisationskomitee auf Druck des Bürgermeisters Gehaltslisten und Beraterverträge. Allerdings steht auch in Boston die Zustimmung in der Bevölkerung auf der Kippe, zuletzt sprachen sich dort nur noch 44 Prozent für Olympia aus - in Boston ist zum jetzigen Zeitpunkt aber keine Bürgerbefragung geplant.

Einen erneuten Anlauf unternimmt auch Italien mit seiner Hauptstadt Rom. Im Rennen um die Spiele 2020 hatte Rom seine Kandidatur aus finanziellen Gründen zurückgezogen. Diesmal können die Italiener mit zwei wichtigen Personen "wuchern": Mit Papst Franziskus und dem ehemaligen Ferrari-Präsidenten Luca di Montezemolo. Franziskus hatte im Dezember die Bewerbung offiziell befürwortet, der Argentinier gilt als großer Sportfan. Montezemolo ist Chef des Komitees zur Förderung der Kandidatur Roms.

Noch nicht sicher, aber höchstwahrscheinlich ist auch eine Bewerbung der französischen Hauptstadt Paris. Eine Präsentation vor dem französischen Parlament gab es bereits, eine Entscheidung soll allerdings erst nach Beratungen aller Bürgermeister der 20 Pariser Arrondissements fallen, möglicherweise noch im März.

In den Startlöchern stehen zudem erneut Baku/Aserbaidschan, Doha/Katar und womöglich wieder einmal Istanbul. Vor allem auf eine Bewerbung Dohas dürfte man gespannt sein. Zweimal ist das Emirat bereits gescheitert, der Einfluss der Katarer im Weltsport wächst aber von Jahr zu Jahr. Das nötige Geld besitzen sie ohnehin.

 

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