Was hat der NSU-Terrorist mit Mordfall zu tun? Fall Peggy: DNA von Uwe Böhnhardt am Fundort

, aktualisiert am 13.10.2016 - 21:48 Uhr
In diesem Waldstück wurden die sterblichen Überreste von Peggy gefunden. Was hat der NSU-Terrorist mit dem Mordfall zu tun? Foto: dpa

An dem Fundort der sterblichen Überreste der ermordeten Peggy wurden DNA-Spuren von Uwe Böhnhardt gefunden. Das teilten das Polizeipräsidium Oberfranken und die Staatsanwaltschaft Bayreuth am Donnerstag mit.

 

Die neunjährige Schülerin aus Lichtenberg (Landkreis Hof) war am 7. Mai 2001 nicht von der Schule nach Hause gekommen. Peggys Verschwinden ist einer der größten ungelösten Kriminalfälle in Bayern. Trotz wochenlanger intensiver Suche fand man damals nichts.

Erst anfang Juli dieses Jahres fanden Pilzsammler Skeletteile in einem Waldstück im Saale-Orla-Kreis. Kurz darauf brachte ein DNA-Gutachten Gewissheit: Es handelt sich um Peggy. Ihren Mörder konnte man bislang trotz der Knochenfunde nicht ermitteln. Nachdem der Fall wieder bei "Aktenzeichen XY" thematisiert wurde, meldeten sich bis anfang August 200 Menschen mit Hinweisen. Eine heiße Spur war allerdings nicht dabei.

DNA-Spuren von Böhnardt am Fundort

Am Donnerstag berichteten die "Bild" und "Spiegel Online" als erste davon, dass auf dem Skelett von Peggy DNA-Spuren von dem NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden wurden. Das Polizeipräsidium Oberfranken und der Staatsanwaltschaft Bayreuth bestätigten den Fund von DNA-Spuren. Allerdings dementierte der Bayreuther Oberstaatsanwalt Herbert Potzel gegenüber dem "Spiegel", dass die DNA am Skelett des Mädchens gefunden worden sei. Die Spur sei auf einem Gegenstand festgestellt worden, der am Fundort der sterblichen Überreste lag. Nach "Spiegel"-Informationen handelt es sich um ein Stück Stoffdecke.

Die Ermittler im Fall Peggy gehen nicht davon aus, dass das Waldstück, wo ihre Leichenteile gefunden wurden, auch der Tatort ist.

Die mutmaßlichen Neonazi-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos hatten am 4. November 2011 eine Sparkasse in Eisenach überfallen und waren mit einem Wohnwagen geflüchtet. Als ihnen eine Polizeistreife entgegenkam, erschoss Mundlos  Uwe Böhnhardt, setzte den Wohnwagen in Brand und tötete sich selbst.

Der NSU, dem noch Beate Zschäpe angehörte, erschoss zwischen 2000 und 2007 nach Erkenntnissen der Ermittler neun türkisch- und griechischstämmige Kleinunternehmer und eine Polizistin. Zschäpe stellte sich der Polizei. Seit Mai 2013 muss sie sich vor dem Münchner Oberlandesgericht verantworten.

Kindersachen im Wohnmobil

Mehrere Mitglieder des Thüringer NSU-Untersuchungsausschusses reagierten entsetzt auf die Nachricht des spektakulären Funds. Sie verwiesen auch darauf, dass im ausgebrannten NSU-Wohnmobil Kindersachen gefunden worden seien, deren Herkunft bis heute unklar sei.

Die Linke-Obfrau des Ausschusses, Katharina König, forderte am Donnerstag, nun müsse es einen Abgleich der DNA von Böhnhardt sowie der DNA der weiteren mutmaßlichen NSU-Terroristen Mundlos und Zschäpe mit allen ungeklärten Fällen geben, bei denen Kinder und Menschen mit Migrationshintergrund zu Tode gekommen seien. Zudem sei aus ihrer Sicht derzeit völlig offen, ob der Münchner NSU-Prozess gegen Zschäpe so weitergehen könne wie bisher.

NSU-Helfer sitzt wegen Kindesmissbrauch im Gefängnis

Der Münchner Rechtsanwalt Yavuz Narin sagte der Deutschen Presse-Agentur, im Umfeld des NSU seien "mehrere Personen mit Sexualstraftaten an Kindern in Erscheinung getreten". So habe einer der mutmaßlichen NSU-Waffenbeschaffer Böhnhardt des Mordes an einem neun Jahre alten Jungen in Jena bezichtigt. In den Prozessakten fänden sich weitere Namen von Männern, die zum Freundeskreis Böhnhardts zählten und zu denen sich Hinweise auf Kindesmissbrauch in den Akten fänden. Narin verwies außerdem auf den früheren Anführer des "Thüringer Heimatschutzes", Tino Brandt, der wegen Missbrauchs von Jungen im Gefängnis sitzt. Narin vertritt im NSU-Prozess die Familie eines in München ermordeten Geschäftsmannes.

Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, Vertreter der Nebenklage im NSU-Prozess, forderte Zschäpe auf, sich zu den neuen Erkenntnissen im Fall Peggy zu äußern. "Ich würde mir wünschen, dass Frau Zschäpe auch in diesem Fall an der Aufklärung mitwirkt und auspackt, was sie dazu weiß", sagte er dem "Kölner Stadt-Anzeiger".

Neben dem Generalbundesanwalt sind nach Angaben der Bayreuther Ermittler auch das Bundeskriminalamt, das bayerische Landeskriminalamt und die thüringische Polizei über die neuen Erkenntnisse unterrichtet worden und in die Ermittlungen eingebunden. "Weitere Informationen können derzeit aus ermittlungstaktischen Gründen noch nicht erteilt werden", hieß es weiter.

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