Beratungsstelle in München Inter- und Transmenschen: Am schlimmsten sind die Blicke

AZ-Lokalredakteurin Jasmin Menrad.
Aktuell findet die Pride Week in München statt – hier ein Bild vom vergangenen Sonntag. Foto: Tobias Hase/dpa

München hat jetzt eine Anlaufstelle für Inter- und Transmenschen. Oft wissen schon Kinder, dass sie anders sind.

 

München - Wenn Andrea gefragt wird, ob sie operiert ist, fragt sie zurück: "Sind deine Hoden gleich groß?" Denn wenn jemand Andrea (36) das fragt, fragt er nach ihren Geschlechtsteilen. Die Grenze, was sich schickt und was nicht, wird bei Transmenschen oft überschritten.

Andrea kann damit professionell umgehen, sie arbeitet in der Trans*Inter*-Beratungsstelle. Die Sternchen stehen für die Vielfalt der Geschlechteridentitäten. Durch einen Stadtratsbeschluss von 2015 wurde diese Beratungsstelle geschaffen, die an die Aidshilfe angegliedert ist. Bis Januar 2017 dauerte es, bis geöffnet wurde. Es fehlte an kompetentem Personal. Jetzt arbeiten dort der/die nicht-binäre Robin. Er/sie sieht seine/ihre Geschlechtsidentität außerhalb der Geschlechterkategorien. Außerdem Vincent (27), der mit 18 Jahren seine Transition begann und seitdem als Mann lebt. Und Andrea, die seit vier Jahren offiziell eine Frau ist und glücklich mit einer Frau verheiratet. Eineinhalb Stellen haben die Sozialpädagogen zusammen. Ihr Angebot wird gebraucht.

Manche Babys werden trotz Verbots operiert

Etwa so viele wie es Rothaarige gibt – so Schätzungen – sind trans oder inter. Inter sind jene, die genetisch, anatomisch oder hormonell nicht eindeutig einem Geschlechte zuzuordnen sind. Manche von Ihnen werden als Babys operiert – obwohl solche Operationen verboten sind. Statt geschlechtsverändernd nennen Ärzte das "kosmetische Eingriffe"– etwa, wenn die Klitoris zu lang ist und abgeschnitten wird. Die Folgen sind oft physische und psychische Probleme. Auch da hilft die Inter*Trans*. Oft kommen auch Eltern wegen ihres Kindes. "Kinder begreifen mit vier bis fünf Jahren ihre Geschlechteridentität. Viele wissen schon als Kinder, das sie trans sind", sagt Vincent.

Für Trans ist die Pubertät und die Regelblutung eine traumatische Erfahrung. Kann es sein, dass diese Phase vorbeigeht? "Es schadet keinem Kind, es ernst zu nehmen", sagt Andrea. Andere hadern ein Leben lang. "Manche tragen das fünfzig Jahre mit sich herum und können hier das erste Mal frei sprechen", sagt Andrea. Klar, dass eine Frau, die 55 Jahre lang als Mann gelebt hat, nicht ausschaut, wie sich Otto Normal eine Frau vorstellt. "Die ständigen Blicke zehren an den Menschen", sagt Vincent.

Vor der Transition unternehmen vielen einen letzten Versuch, so männlich oder weiblich zu sein, wie andere sie wollen. "Ich hatte die perfekte Mähne für Metal-Musik und habe sie raspelkurz geschnitten", sagt Andrea. Andere werden magersüchtig, um die Kontrolle über ihren Körper wiederzuerlangen. "Wenn man so leben kann, wie man will, ist unendlich viel wert", sagt Vincent. Auch wenn der Weg dorthin nicht einfach ist.


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Trans*Inter*-Beratungsstelle. Tel.: 54 333 130