Beratungsstelle der Stadt "Before" zieht Bilanz: Immer mehr Opfer rechter Gewalt

Alt-OB Christian Ude sorgt sich um die Opfer. (Archivbild) Foto: Gregor Feindt

Immer mehr Menschen werden Opfer rassistischer und rechter Gewalt. Nur wird diese oft nicht als rechte Gewalt von den Behörden erfasst. Eine Beratungsstelle der Stadt hilft den Opfern.

München - Wer schwarz ist, lebt in München gefährlich. Nicht nur, dass er angepöbelt und als "Bimbo" beschimpft wird, Schwarze, besonders schwarze Geflüchtete werden – auch in München – vermehrt Opfer rassistischer und rechter Gewalt.

Seit März 2016 hilft "Before" den Opfern von Diskriminierung, Rassismus und rechter Gewalt durch Beratungs- und Unterstützungsangebote. Die Einrichtung der Beratungsstelle hatte der Stadtrat beschlossen. Insgesamt 203 Menschen haben das Angebot schon wahrgenommen.

Alt-OB Christian Ude, der erste Vorsitzender, ist entsetzt: "Wenn ich mal eine Stunde im Netz surfe, kann ich angesichts der Entgleisungen nicht fassen, dass das Deutschland sein soll. Ich befürchte, dass die Arbeit von Before immer öfter gebraucht wird, weil sich die Gesellschaft brutalisiert."

Noch immer werden rassistische und rechte Angriffe verharmlost. In 53 Prozent der Fälle rechter Gewalt, die die Beratungsstelle betreut, erkennen die Ermittlungsbehörden den rechten Hintergrund der Tat nicht an, kritisiert Before.

Prominentes Beispiel: Der Anschlag am OEZ, bei dem der Täter sich auf rechte Ideologien bezog, gezielt Ausländer getötet hat und sich damit brüstete, am selben Tag Geburtstag zu haben wie Hitler. "Schon Polizisten müssen für ihre Ermittlungsarbeit sensibilisiert werden, da es schwierig ist, das im Prozess aufzunehmen", sagt Beraterin Nimet Gökmenoglu. "Sonst lernt die Gesellschaft auch nichts daraus", setzt sie nach.

Nähe zu Tätern ist schwer zu ertragen

Im Gerichtssaal werden die Opfer und Angehörige oft zusätzlich belastet. "Für Angehörige ist die Nähe zu den Tätern schwer zu ertragen", sagt Gökmenoglu. Auch beim NSU-Prozess müssen die Angehörigen, die den Prozess als Nebenkläger begleiten, direkt in Kontakt mit den Angeklagten Holger G. und André E. kommen, weil sie dieselben Ein- und Ausgänge benutzen.

Viele Opfer fürchten Abschiebung, etwa die Männer, die 2015 bei einem Angriff auf einen Imbiss in Ebersberg verletzt wurden. Ihr Aufenthaltsstatus ist unsicher, zwei Jahre hatten sie Angst, dass sich der Prozess negativ auf ihr Asylverfahren auswirkt. In anderen Bundesländern erhalten Opfer rechter Gewalt Bleiberecht.

"Das ist ein wichtiges Signal an die Täter, dass man durch Gewalt nicht erreicht, dass Geflüchtete vertrieben werden", sagt Beraterin Christine Umpfenbach. Hier fürchten die Opfer Rache, weil ihre Adressen verlesen wurden. Beraterin Umpfenbach erinnert sich: "Bei Aussagen der Opfer hat einer der Täter gelacht."

Christian Ude beobachtet diese Entwicklung schon lange: "Die Rechten werden brutaler und schamloser."

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