Ben Becker im Interview "Zu meinem 50. verstecke ich mich in Papua Neuguinea"

Schauspieler Ben Becker ist Jahrgang 1964. Wie er den anstehenden runden Geburtstag feiern wird und was er sich wünscht, verrät er im Interview. Das "Enfant terrible" der deutschen Filmszene erklärt auch, wie schwer es für ihn war, sich in einen Fluss hineinzuversetzen.

 

Vielleicht schafft es Ben Becker (49, "Ein ganz gewöhnlicher Jude") ja, auch mit 90 Jahren noch als "Enfant terrible" der deutschen Filmszene zu gelten. Jetzt, wenige Monate vor seinem 50. Geburtstag am 19. Dezember, jedenfalls ist der Begriff untrennbar mit dem erdbeerblonden Künstler verbunden. Was er selbst davon hält, erklärt er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. Außerdem erzählt der Wahl-Berliner, der seine markante Stimme ab Donnerstag nicht wie zuletzt als provokanter Wanderprediger auf einer Konzertbühne einsetzt, sondern dem altehrwürdigen Vater Rhein leiht, wie er seine Stimme trainiert.

Das Ergebnis ist zu hören in der Doku "Rheingold - Gesichter eines Flusses" (Kinostart: 21. August), die mit ungewöhnlichen Luftaufnahmen die vielen unbekannten Gesichter des gewaltigen Stroms, seine Mythen, Traditionen und Innovationen zeigt. Für die Filmmusik arbeiteten die Stuttgarter Komponisten Steffen Wick und Simon Detel Themen und Motive aus Richard Wagners Oper "Das Rheingold" um.

Herr Becker, sind Sie Wagnerianer?

Ben Becker: Wagnerianer bin ich nicht, ab und zu finde ich Richard Wagner aber sehr passend. Man muss nur ein bisschen aufpassen, wie weit man sich dem hingibt und wer einem wann und warum Wagner vorspielt. Diese Musik ist mitreißend, stürmisch, überwältigend und mit großem Pathos. Da muss man schon aufpassen, dass man den Kopf nicht ganz abschaltet. Wagner wurde einerseits oft missbraucht, hat es selbst aber natürlich auch gerne mitgemacht...

Wo passt Wagner denn besonders gut?

Becker: Ich mag die Szene in "Apocalypse Now" sehr gerne, in der sich Robert Duvall den Weg zum Surfen bahnt. Das ist aber natürlich kein Kindermärchen.

Ist "Rheingold - Gesichter eines Flusses" durchgehend mit Wagner unterlegt?

Becker: Nein, das ist an Wagner angelehnt. Für die Filmmusik arbeiteten die Stuttgarter Komponisten Steffen Wick und Simon Detel Themen und Motive aus Wagners Oper "Das Rheingold" um. Sie haben eine Musik erschaffen, die zwar eindeutig an den großen Komponisten erinnert, das aber mit wesentlich weniger Bombast und Pathos - dafür gibt es ja mich im Film.

Sie machen auch Musik. Für welchen Landstrich würden Sie gerne mal komponieren?

Becker: Ich bin Irland sehr zugetan und mag auch irische Balladen gern. Insofern würde es wohl eine Ballade über Irland werden.

In der Doku sprechen Sie den Fluss Rhein. Wie schwer ist es, sich in einen Fluss hineinzuversetzen?

Becker: Das ist eine Frage der Fantasie. Man muss sich dann nur entscheiden, wie man es macht. Für mich gehörte ein bisschen Pathos dazu. Wie viel Pathos in der Endversion steckt, das entschied dann aber der Regisseur. Mir war wichtig, dass es sich nicht unangenehm anhört. Der Märchenonkel soll auch ein bisschen durchkommen. Und das Satte meiner Stimme, das meine Tochter übrigens sehr gerne hört. Sie kann wunderbar einschlafen, wenn ich ihr vorlese.

An manchen Stellen klingt der Rhein ein bisschen traurig...

Becker: Ach, traurig ist er also, der Rhein? Gut, dazu hat er vielleicht auch allen Grund, wir haben ja schon ganz schön Schindluder getrieben mit diesem Fluss. Auf jeden Fall ist er schon etwas älter und hat so einiges hinter sich, der Gute. Aber ob er nun traurig klingt oder alt, das ist reine Interpretationssache. Hauptsache, es löst etwas im Zuschauer aus.

Der Film zeigt wirklich tolle Bilder. Unter anderem geht es im Vogelflug über viele geschichtsträchtige oder sagenumwobene Orte. Berührt Sie so etwas oder sind Sie eher am Hier und Jetzt und Heute eines Ortes interessiert?

Becker: Das berührt mich sehr. Ich bin Schauspieler und mit viel Fantasie gesegnet und lasse das natürlich auch zu. Ich bin ja kein Industrieller, der die Dinge neutral abwägt. Wenn ich unter der Lorelei vorbeifahre und hinaufschaue, gebe ich mich einem solchen sagenumwobenen Ort hin. Das gehört einfach dazu, wenn man es künstlerisch verarbeiten möchte. Außerdem liebe ich das Lorelei-Gedicht von Heinrich Heine - und das kann ich ja nicht lesen, wie die Mathematik-Arbeit meiner Tochter.

Eines Ihrer Markenzeichen ist Ihre Stimme. Wie pflegen Sie diese?

Becker: Schon als kleines Mädchen hatte ich eine sehr tiefe Stimme - die ist gottgegeben (lacht). Aber ich habe das Schauspielerhandwerk und damit auch den Umgang mit meiner Stimme natürlich gelernt. Weil eine schöne Stimme allein nichts bringt, bin ich in die Logopädie und die Phonetik eingetaucht.

Was machen Sie, wenn die Stimme mal wegbleibt?

Becker: Längerfristig wäre ich dann arbeitslos, das wäre schade. Eine Alternative gibt es für mich nicht. Wenn ich aber mal einen Schluckauf habe, helfen Emser Lutschpastillen.

Sie können demnächst feiern, denn im Winter steht Ihr 50. Geburtstag an. Trotzdem gelten Sie immer noch als Enfant terrible. Mögen Sie das oder nervt es Sie?

Becker: Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und mag's sogar. Eigentlich ist es ja schon fast ein Kompliment, immer noch so bezeichnet zu werden.

Und was bedeutet Ihnen der runde Geburtstag?

Becker: Egal ist er mir sicher nicht. Ich denke schon darüber nach. Hauptsache, mein Leben wird nicht langweiliger!

Wie feiern Sie?

Becker: Zu meinem 50. werde ich außer Landes reisen und mich irgendwo in den Wäldern von Papua Neuguinea verstecken.

Und wohin geht's im Sommerurlaub?

Becker: Im Winter geht's nach Papua Neuguinea und im Sommer in meine Villa Kunterbunt an der Ostsee. Das reicht. Mehr Urlaub kann ich mir zeitlich nicht leisten, ich muss ja auch noch arbeiten.

 

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