Belohnung für Zivilcourage Wendelin Rehm, der Taschendiebschreck

Belobigung für Wendelin Rehm (l.). Er bekommt vom Leiter K 65, Konrad Raab, 100 Euro und die neue Münchner Polizeichronik. Foto: P. Schramek

Der Architekt sieht, wie ein Mann einer Frau vor dem Schlemmertempel Dallmayr die Tasche klaut und verfolgt ihn.

 

Alles geht blitzschnell. Ein Mann radelt in der Dienerstraße dicht an Ilka K. (61) vorbei. Er schnappt sich ihre Tasche aus dem Radlkorb und fährt davon. "Hilfe, meine Tasche", schreit die Journalistin. Um sie rum stehen rund 30 Personen. "Die haben alle die Köpfe eingezogen", berichtet Wendelin Rehm, "keiner wollte der Frau helfen."

Der 64-jährige Architekt war gerade selbst mit dem Radl unterwegs: "Ich hatte in einem Laden einbruchssichere Beschläge für Fenster und Türen für mein Haus besorgt."

Er nimmt sofort die Verfolgung des Diebs auf. Der radelt mit einem Mordstempo hinterm Rathaus am Marienhof vorbei in Richtung Dom. Wendelin Rehm immer dicht auf den Fersen. Am Andechser verliert der Münchner den Täter kurz aus den Augen. Doch er ahnt, wo der Mann hin will. Hinterm Bratwurst Glöckl entdeckt er ihn wieder. Der Radler will durch eine schmale Gasse in die Fußgängerzone. "Erst wollte ich ihn rammen", sagt Wendelin Rehm, "dann entschied ich mich, ihm im Vorbeifahren einen kräftigen Stoß zu gegeben." Vor Schreck lässt der Täter seine Beute fallen. Er flieht auf dem Rad in Richtung Marienplatz. Der Gauner fuhr ein so halsbrecherisches Tempo mitten durch die Menschen in der Fußgängerzone, dass der Architekt aufgab. Der Täter entkommt in der Menge.

Wendelin Rehm fährt mit der Tasche zurück zum Dallmayr. Doch Ilka K. ist bereits zur Polizei, um Anzeige zu erstatten. Auch Rehm geht zur Polizei. Beamte sind genug in der Stadt, es ist das Wochenende der Sicherheitskonferenz.

In einem Brief an den Polizeipräsidenten schreibt Ilka K. später, wie sehr sie sich über die Hilfe von Wendelin Rehm und auch die Unterstützung der Polizisten gefreut hat.

Der 64-Jährige wurde wegen seiner Zivilcourage am Freitag im Präsidium ausgezeichnet. Wendelin Rehm: "Ich finde es schade, dass so viele wegsehen, wenn Menschen in Not sind. Die Welt ist kompliziert genug, da sollten wir alle mehr zusammenhalten."

 

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