Bellevue di Monaco Flüchtlings-Projekt rückt Migranten in Münchens Mitte

Großes Interesse: Das Bellevue-Projekt wird vorgestellt. Foto: V. Kemmer

Die Genossenschaft "Bellevue di Monaco" plant ein Willkommenszentrum für Flüchtlinge. Gesucht werden Personen, die das Projekt ehrenamtlich und finanziell unterstützen.

 

Isarvorstadt - Gedränge im Milla Club. Zum ersten so genannten Infostüberl des Migranten-Projekts „Bellevue di Monaco“ sind viele in die Holzstraße gekommen. Das Bündnis möchte ein Willkommenszentrum für Flüchtlinge mitten in der Stadt auf die Beine stellen.

Dafür sucht man jetzt tat- oder zahlungskräftige Unterstützer. „Es haben sich so viele gemeldet, die sich ehrenamtlich engagieren wollen. Sie können sich beim Infostüberl über unser Projekt und Mitmach-Möglichkeiten informieren, uns kennen lernen und auch Mitglied in unserer Sozialgenossenschaft werden“, so Kleinkunst-Veranstalter und Vorstand Till Hofmann.

Vor gut einem Jahr war der Abriss der Gebäude in der Müllerstraße 2-6 durch die Aktivisten verhindert worden (AZ berichtete). Zwar läuft die Ausschreibung der Stadt für die Häuser noch bis Ende Mai, aber man ist zuversichtlich. „Es schaut gut aus. Es gab viel positive Resonanz im Rathaus. Im Juli wird entschieden“, berichtet Hofmann.

Neben Spenden, Patenschaften und ehrenamtlicher Hilfe kann jeder für 500 Euro Mitglied in der Bellevue-Sozialgenossenschaft werden. „Eine demokratisch-gemeinnützige Sache. Egal wie viele Anteile ein Mitglied erwirbt, jeder hat nur eine Stimme, wenn gemeinsam über das Projekt entschieden wird“, erklärt Hofmann. „Gewinne werden nicht ausgezahlt, sondern kommen den Unterstützern in Form schöner Kulturveranstaltungen zugute“. Mindestens fünf Jahre muss das Mitglied bleiben, dann kann es seinen Anteil verschenken oder sich auszahlen lassen. Knapp Hundert machen schon mit – auch Filmemacher Christian Ganzer und Journalist Alex Rühle unterstützen das Projekt.

Klappt alles, pachtet das Bellevue-Projekt die Häuser von der Stadt und richtet die Wohnungen für geflohene Familien her. Auch betreutes Wohnen für junge unbegleitete Migranten soll es geben. Dafür hat man sich mit anderen Fachleuten wie Angela Bauer vom Verein für heilpädagogische und psychotherapeutische Kinder- und Jugendhilfe (HPKJ) zusammengetan. Als Beratungs- und Begegnungsstätte ist ein Infocafé ist vorgesehen.

„Wichtig ist, Migranten nicht am Stadtrand in desolaten Flüchtlingsheimen zu isolieren, sondern in die Stadtgesellschaft zu integrieren. Nur so kommt eine Situation zustande, von der alle profitieren“, erklärt Matthias Weinzierl vom Bayerischen Flüchtlingsrat.

Auch Matthias Lilienthal, neuer Indentdant der Kammerspiele ist dabei. Er möchte die Leute auf kultureller Ebene zusammenbringen. „Es wird interessante Workshops, Inszenierungen, Konzerte und Performances geben, die sich mit dem Migrationsthema auseinandersetzen“, sagt Lilienthal, der für seine Arbeit mit Laiendarstellern berühmt ist.

Und falls es mit der Müllerstraße nicht klappt? „Dann machen wir das Bellevue woanders!“ sagt Weinzierl selbstbewusst. Dafür gibt es Applaus.