Bei Beckmann Gustl Mollaths ruhige Abrechnung im TV

Der Auftritt von Gustl Mollath im TV bei Reinhold Beckmann wirft Fragen zu psychologischen Gutachen auf.
 

 

München - 75 Minuten für siebeneinhalb Jahre in der Psychiatrie. Erstmals nach seiner Entlassung saß Gustl Mollath am Donnerstagabend im TV – bei Beckmann. Ganz ruhig, seriös und geordnet. Und das trotz des Rummels um seine Person. Für Aufsehen sorgte in der Sendung jemand anderes: Psychiaterin Hanna Ziegert, die die Praxis psychiatrischer Gutachten scharf kritisierte.

Mollath nutzte die Vorlage von Reinhold Beckmann. Vor einem Millionenpublikum berichtete von seiner Odyssee durch die Psychiatrie. 23 Stunden am Tag habe man ihn eingesperrt, mit nur einer Stunde „Gartengang“. Umgeben von Mauern und Stacheldraht. Seine Abrechnung mit der Psychiatrie: „Ich behaupte das ist Folter, psychische Folter.“ Auch an Bayerns Justizministerin Beate Merk (CSU) lässt Mollath kein gutes Haar. „Da ist Hopfen und Malz verloren.“ Und er sagte weiter: „Die Statements, die sie vor einem Jahr über meine Person abgegeben hat und meinen Fall, sind über 180 Grad konträr zu dem, was sie heute zum Besten gibt.“

Mollath beflügelte in der Sendung die Ängste vieler Menschen, die es seit seinem Fall gibt: dass man schnell in der Psychiatrie landen kann. Eine Furcht, die nach dem Auftritt von Psychiaterin und Gutachterin Hanna Ziegert wohl noch größer sein dürfte. Psychiatrische Gutachter unterlägen keiner Qualitätskontrolle, so die Expertin. Auch sei es Praxis, Gutachten aus den Akten oder aus Beobachtungen des einfachen Klinikpersonals zu erstellen. Ziegert: „Ich bin der Meinung, dass ein Gutachten durch Beobachtung aus 20 Metern Entfernung vergleichbar ist mit einem Befund, den ein Gynäkologe ausstellt, der seine Patientin aus 20 Metern Entfernung betrachtet.“ Das Fazit der Psychologin: „Ich weiß nicht, ob ich mich jemals würde begutachten lassen.“

Damit lieferte Ziegert Schützenhilfe für Mollath, der in der Vergangenheit dafür kritisiert wurde, dass er sich einer Begutachtung stets verweigerte. Mollath selbst knüpfte eine mögliche psychiatrische Untersuchung vor seinem Verfahren an Bedingungen. Ein Zeuge solle dabei sein, das Gespräch aufgezeichnet werden. Viel Persönliches erzählte Mollath nicht. In den kommenden Wochen will er sich ein neues Zuhause suchen. Langfristig will er wieder in Nürnberg wohnen. Laut „Mainpost“ wohnt er derzeit in Schweinfurt. Er bedankte sich bei allen Unterstützern, die sich „Tag und Nacht“ für ihn engagiert hätten.

 

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