Beerdigung in Salzburg Trauerfeier-Bilder: Abschied von Karlheinz Böhm

Bei einer Trauerfeier haben Angehörige, Freunde und Wegbegleiter in Salzburg Abschied von Karlheinz Böhm genommen. Der Schauspieler und Gründer der Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen“ war Ende Mai im Alter von 86 Jahren gestorben. Foto: dpa

Trauer, aber vor allem Mut und Zuversicht: Was Karlheinz Böhms Leben prägte, bestimmt spürbar auch seine Gedenkfeier. Der Schauspieler, der in „Sissi“-Filmen bekannt wurde, hat 30 Jahre lang alle Kraft in seine Äthiopienhilfe gesteckt. Die Rolle seines Lebens.

 

Salzburg – Tief verneigt sich Horst Köhler vor dem großen Bild von Karlheinz Böhm, vor dem weiße und rote Rosen liegen. Verehrung, Respekt, Bewunderung für das Lebenswerk des Mannes, der die Hälfte seines Lebens der humanitären Hilfe in einem der ärmsten Länder der Welt gewidmet hat. Einen „stillen Revolutionär“ und „Charakterkopf“ nennt der Alt-Bundespräsident seinen gestorbenen Freund.

Bei der Trauerfeier für den Schauspieler und Gründer der Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen“ sitzt Köhler mit seiner Frau ganz vorne neben Böhms äthiopischer Frau Almaz und den beiden Kindern Nicolas und Aida. Almaz tritt nicht ans Rednerpult – aber dafür greift Böhms Tochter unerwartet zum Mikrofon: Für ihren Vater singt sie den Song „Hallelujah“ – manchmal zittert ihre Stimme. Mehr als 400 Menschen nehmen in der Residenz Salzburg Abschied von Böhm. Er war Ende Mai nach langer Krankheit im Alter von 86 Jahren gestorben.

Manche haben Tränen in den Augen, als „Morgen“ von Richard Strauss und „Kinderszenen“ von Robert Schumann erklingt – Musik, die Böhm besonders mochte. Doch der Respekt für Böhms Lebenswerk und der Wunsch aller, dass Familie und Mitarbeiter es mit Mut und Kraft weiterführen, sind stärker als die Trauer. Auch nach seinem Tod gibt Böhm mit seiner unbeirrbaren Haltung den Zurückbleibenden Kraft und Zuversicht. Sie müssten weitermachen und „Menschen für Menschen“ weiterführen, lautet der Aufruf der Redner an Familie und Mitarbeiter.

„Wir sind tief traurig“, lauten Einträge im Kondolenzbuch, aber auch: „Möge er für uns alle ein Vorbild bleiben“ und „Wiedersehen im Erer-Tal“. Dort war Böhms erstes Projektgebiet in Äthiopien. Viele Trauergäste sind von dort angereist, Angehörige, aber auch Vertreter des Landes wie die stellvertretende Premierministerin Aster Mamo. Böhm sei der „größte Freund des äthiopischen Volkes“ gewesen, sagt sie.

Vater Karl nennen ihn viele Äthiopier, in der Landessprache Amharisch: Abo Karl. Plätze und Berge tragen seinen Namen. In dem afrikanischen Land fand der Schauspieler die Rolle seines Lebens. Seine Äthiopienhilfe „Menschen für Menschen“ baut dort seit 1981 Gesundheitsstationen, Kliniken, Schulen und Wasserstellen. Mikrokredite ermöglichen Frauen Selbstständigkeit. „Karl, du hast mir Hoffnung gelehrt und den Glauben daran, dass eine bessere Welt möglich ist“, sagt Köhler – ähnlich sprechen viele an diesem Freitag.

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Böhm habe sich berühren lassen von Not und Armut, sich von seinem Herzen leiten lassen. „Karlheinz Böhm wurde vom Zorn getrieben und ist in den Armen der Liebe gelandet“, sagt Köhler. Die Liebe zu dem Land – und zu der Äthiopierin Almaz, seine vierte Frau. Horst Köhler findet eindringliche und sehr persönliche Worte. Er berichtet vom letzten Besuch am Krankenbett. „Ist das schön, dass ihr da seid“, habe der Freund ihn und seine Frau begrüßt und das mehrfach wiederholt.

„Es tat weh, zu sehen, wie einem solch starken Charakter langsam das Eigene geraubt wird, aber in diesem Moment war ich selig, weil Karl aufblitzen ließ, dass sein innerer Kern der Freude und der Offenheit noch immer glühte.“ Böhm hatte als Schauspieler Karriere gemacht und wurde in den 1950er Jahren als österreichischer „Märchenkaiser“ Franz Joseph in den „Sissi“-Filmen bekannt. Maßgeblich beeinflusste ihn in den 70er Jahren die Arbeit mit Rainer Werner Fassbinder, die sein sozialkritisches Denken schärfte.

Bei einem Aufenthalt in Kenia wurde er mit der Armut konfrontiert, Berichte über den Hunger erschütterten ihn. Unter diesem Eindruck wettete er in Frank Elstners „Wetten, dass..?“-Sendung 1981, dass nicht jeder Zuschauer eine Mark, einen Franken oder sieben Schilling für die notleidenden Menschen spenden würde. Ein Millionen-Betrag kam nach der ZDF-Show zusammen. Er hängte seine Karriere als Filmstar an den Nagel und gründete „Menschen für Menschen“.

Dem Glanz und Glamour des Films trauerte er keine Minute nach. „Wenn ich das vergleiche: Ein Menschenleben zu retten und alle Erfahrungen, die ich als Schauspieler gemacht habe – was soll ich da vermissen?“, sagte er zu seinem 80. Geburtstag. Und in einem Film, den die Trauergäste über sein Leben sehen: „Ich habe nicht nur den Sinn und Zweck meines Lebens gefunden, ich habe gefunden, was ich mein Leben lang vermisst und verzweifelt gesucht habe: Heimat.“



 

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