Bayreuther Festspiele "Tannhäuser" am Teich

Manuel Braun (Video), Tobias Kratzer (Regie) und Rainer Sellmeier (Bühne, v. l.) am Teich im Park des Festspielhauses. Foto: Enrico Nawrath

Ein kleiner Schritt für ein Opernhaus, ein großer auf dem Grünen Hügel: Bayreuth wagt sich in diesem Jahr raus aus dem Festspielhaus

 

Auf dem Grünen Hügel erhebt sich der Tempel zur Anbetung Richard Wagners über die Stadt, in exponierter Lage und doch weit weg vom Alltag der Stadt. Die Bayreuther Festspiele haben, auch weil es jahrzehntelang als quasi unmöglich galt, Tickets zu ergattern, nach wie vor eine elitäre Anmutung. Wenn die Ehrengäste – auch heuer wieder angeführt von Angela Merkel – auf dem roten Teppich ankommen, dann waren die Bayreuther bislang eher Zaungäste.

Das soll in diesem Jahr nun anders werden. Ein bisschen. „Sie können vorbeikommen, zusehen, miterleben“, sagt Festspiel-Chefin Katharina Wagner. Denn Tobias Kratzer, der Regisseur des neuen „Tannhäuser“, bringt Wagners Oper raus aus dem Festspielhaus und runter vom Hügel.

Oper für alle in Bayreuth

„Es wird in diesem Jahr eine Besonderheit geben“, sagt Katharina Wagner. „Wir werden den kleinen Teich im Festspielpark in der ersten Pause bespielen. Auch Leute, die keine Eintrittskarte haben, haben damit eine Chance, von den Festspielen etwas mitzubekommen.“

Wie genau das aussehen soll, das sagt sie noch nicht. Nur soviel: Kratzer wird seine Version des „Sängerkrieges auf der Wartburg“ in doppelter Hinsicht nach Bayreuth verlegen. „Es wird grundsätzlich auch das Festspielhaus Thema sein – das kann man sagen“, so Wagner. Dabei wird es womöglich auch um die Sicherheitsvorkehrungen gehen, die inzwischen zu Bayreuth gehören wie die Festspiel-Bratwurst.

Umbesetzungen und die Netrebko

Ansonsten aber ist auch in diesem Jahr alles beim Alten. Pünktlich zum Festspiel-Start werden, wie sooft, zwei krankheitsbedingte Umbesetzungen bekannt: Weil die Venus-Sängerin Ekateria Gubanova sich bei einer Probe verletzte, springt Elena Zhidkova bei der „Tannhäuser“-Premiere am Donnerstag für sie ein. Camilla Nylund ersetzt Krassimira Stoyanova, die für die gesamten Festspiele als „Elsa“ im „Lohengrin“ ausfällt. Zweimal gibt es in diesem Jahr eine besonders prominente „Elsa“ zu erleben: Anna Netrebko gibt ihr Debüt auf dem Grünen Hügel.

Bei aller Zukunftsmusik wird es auch um die Vergangenheit von Bayreuth gehen in diesem Jahr. Am Mittwoch, dem Abend vor der Festspiel-Premiere, ist ein großer Festakt für Wolfgang Wagner geplant, den 2010 gestorbenen Enkel Richard Wagners und langjährigen, legendären Festspielleiter. Er hätte in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert. „Den Ort auf der Bühne, wo er immer gesessen hat, den gibt es heute noch», sagt Thielemann, der in ihm einen väterlichen Freund fand. „Das ist ein Klappsessel und es liegt eine Rose drauf. Wir reden oft über Wolfgang Wagner - eigentlich täglich.“

Er sei ein sehr guter Intendant gewesen, sagt seine Tochter und Nachfolgerin Katharina Wagner. „Er hat einfach die Leute mitgenommen, ja mitgerissen, und das ist sicherlich etwas, das man von ihm auf jeden Fall lernen konnte. Und dass man nicht unerreichbar sein darf, sondern dass man wirklich da sein muss für sein Haus.“

 

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