Bayreuther Festspiele Roberto Alagna wirft den "Lohengrin" hin

Roberto Alagna in der Oper "La Juive" bei den Opernfestspielen von 2016 im Münchner Nationaltheater. Foto: Wilfried Hösl

Der Tenor Roberto Alagna sagt unmittelbar vor Probenbeginn den "Lohengrin" ab - er kann den Text nicht

Im September 2015 erklärte Roberto Alagna in einem Interview mit der Abendzeitung, dass er ein Jahr später, gleich nach der Premiere von Fromental Halévys Oper „La Juive“ im Nationaltheater, mit dem Studium der Titelrolle von Wagners „Lohengrin“ beginnen werde. Er lerne schnell, in zwei Monaten habe er eine neue Oper drauf. Und beim Deutsch werde ihm seine Frau helfen.

Am Freitagabend hat Alagna den Bayreuther „Lohengrin“ abgesagt - unmittelbar vor Beginn der Proben am heutigen Montag. Er habe aufgrund von Überlastung die Partie nicht hinreichend einstudieren können. Auf der Facebook-Seite des Tenors ist die wehleidige Entschuldigung nachzulesen, er hätte so viel zu tun gehabt und könne den Text nicht auswendig. Sein „Communiqué“ schließt mit dem Ausdruck der Hoffnung, dass er eventuell nächstes Jahr zur Verfügung stünde.

Ein skandalerprobter Mann

Das ist, gelinde gesagt, eine Unverschämtheit. Die Bayreuther Festspiele müssen nun bis zur Premiere am 25. Juli einen neuen „Lohengrin“ auftreiben. Das wird nicht einfach. Es läge nahe, Piotr Beczala zu verpflichten. Er hat die Partie bereits mit großem Erfolg unter Christian Thielemann gesungen, der auch die Aufführungen am Grünen Hügel musikalisch leiten wird. Aber es ist die Frage, ob Beczala frei ist: In seinem Kalender stehen Auftritte beim Puccini-Festival in Torre del Lago und auf Puerto Rico.

Alagna ist nicht nur als Ex-Gatte der der kapriziösen rumänischen Primadonna Angela Gheorghiu („La Draculette“) skandalerprobt. 2006 jagten ihn Buhrufer nach seiner Auftrittsarie in Verdis „Aida“ von der Bühne der Mailänder Scala, die er seitdem nicht wieder betreten hat. 

Ein Tenor französischer Prägung

Der 55-Jährige brauchte einige Zeit, um diese Demütigung wegzustecken. Zuletzt hatte er beträchtliche Erfolge als schwerer Held in anspruchsvollen Opern wie Saint-Saëns „Samson et Dalila“ und Verdis „Otello“. Sein Éléazar in „La Juive“ wurde 2016 bei den Münchner Opernfestspielen den hohen Erwartungen allerdings nicht ganz gerecht.

Trotz seiner italienischen Eltern ist der 1963 in Clichy-sous-Bois geborene Sänger ein Tenor französischer Prägung. Das machte die Bayreuther Besetzung  so reizvoll. Italienische und französische Sänger verliehen dem Schwanenritter in der Vergangenheit einen besonders eleganten Schmelz. Dass solche Sänger sich mit der deutschen Sprache abmühten, ließ sich da leicht verschmerzen.

Eine Frage der Professionalität

Es ist übrigens nicht der erste Wechsel dieser Neuinszenierung, die wegen der Ausstattung des Malers Neo Rauch mit besonderer Spannung erwartet wird. 2016 wurde der ursprünglich vorgesehene Regisseur Alvis Hermanis durch den Amerikaner Yuval Sharon ersetzt. Auch die ursprünglich als Elsa vorgesehene Anna Netrebko hat bereits vor längerer Zeit abgesagt. Statt der Russin singt nun Anja Harteros die Elsa.

Im Interview mit der AZ erzählte Alagna 2015, er habe den Bayreuther „Lohengrin“ dreimal abgesagt, ehe ihn Thielemann überzeugen konnte, es doch zu wagen. Operngesang ist gewiss Nervensache. Aber zur Professionalität gehört es auch, andere nicht hängen zu lassen und eine Rolle, die einem vielleicht doch nicht liegt, nicht erst in allerletzter Sekunde zurückzugeben.

 

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