Bayreuther Festspiele Plácido Domingo dirgiert die "Walküre"

Plácido Domingo, hier als Dirigent im Wiener Musikverein. Foto: dpa

Als Dirigent versungen? Bayreuther Festspiele: Plácido Domingo dirigiert im Festspielhaus „Die Walküre“ und erntet handfeste „Buh“-Rufe

Der Vergleich mit Kirill Petrenko ist gemein für einen Dirigenten, zumal, wenn er in Bayreuth debütiert. Dazu hat Petrenko seinerzeit dort die Premieren des „Ring des Nibelungen“ geleitet und die „Walküre“ gerade erst bei den Münchner Opernfestspielen wieder gewohnt exzellent vorgestellt. Gleichzeitig ist Plácido Domingo in Bayreuth sehr lange Zeit ein gern gesehener Gast gewesen – als Sänger. Er erfüllt sich nach eigenen Aussagen einen langgehegten Wunsch, wenn er nun als Endsiebziger endlich einmal auch in den Graben hinabsteigt.

Letztendlich dirigiert er auch nur die „Walküre“ in der Inszenierung von Frank Castorf, denn es ist in diesem Jahr in Bayreuth das erste Mal überhaupt kein ganzer „Ring“ zu sehen. Da möchte man meinen, dass das Festspielpublikum in dieser Ausnahmesituation Gnade walten lässt und den Lebenstraum eines ehemals Gefeierten wohlwollend mitträumt. Das ist nicht der Fall. Als Domingo zum Schlussapplaus auftritt, gibt es deutlich vernehmbare „Buh!“-Rufe. Wie immer provozieren diese auch hier positive Reaktionen, doch im Internet wird noch in dieser Sommernacht die Kunde ausgesandt, dass der Spanier gleichsam versungen hat – nur eben als Dirigent. Was ist geschehen?

Brei schwappt aus dem Orchestergraben

Noch beim Flanieren in den Pausen konnte man in Gesprächen der Besucher hören, dass Domingo seine Sache eigentlich ganz gut machen würde, und viele sorgten sich eher darum, wie die Sänger die Rekordhitze in ihren Kostümen überstehen würden. Domingo übernimmt ein Festspielorchester, das dieses Werk aus dem Effeff kennt, und im ersten Aufzug macht er durchaus keinen unprofessionellen Eindruck. Er atmet mit den Sängern mit, die Koordination mit der Bühne funktioniert bis auf wenige Momente, wenn etwa Stephen Gould als Siegmund seine tenoral stabilen „Wälse“-Rufe deutlich früher als das Orchester intoniert.

Doch im Verlauf der Aufführung geht Domingo merklich die Kraft aus, die breiten Tempi sind nicht von Spannung erfüllt, ein akzentloser Brei beginnt, vor sich hin zu schwappen, der im finalen „Feuerzauber“ fast zum Stillstand kommt. Da muss man gar nicht an Petrenkos Kunst, bei Wagner flüssige Kammermusik zu machen, denken, um zu ahnen: Vielleicht ist es besser, wenn nicht jeder Traum in Erfüllung geht.

Die Sänger kommen mit der Situation unterschiedlich gut zurecht. Anja Kampe als Sieglinde enttäuscht mit ihrer forcierten Höhe, während Catherine Foster eine mädchenhaft sanfte Brünnhilde gibt, deren Tiefe noch etwas wachsen muss, die aber Wotan im dritten Aufzug mit sehr glaubhaftem kindlichen Trotz begegnen kann. Das passt, denn John Lundgren ist ein mächtiger, mitunter brutaler Göttervater, mit einem zum Bass neigenden Bariton, der schwarz glänzt wie frischer Teer. Er wirkt dämonischer als der kultiviert phrasierende Hunding von Tobias Kehrer, vielleicht ist er aufgestachelt von der nie nachlassenden Anklage Marina Prudenskayas als seiner Gattin Fricka.

 

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